All the best & Goodbye

Das Jahr 2011 neigt sich dem Ende und damit schliessen wir das Kapitel eVideo für alle Ewigkeiten. Nach 7 erfolgreichen Jahre ist es Zeit, weiter zu ziehen. Viele Berliner/innen an der Schnittstelle von Kultur, Medien und Bildung konnten wir miteinander vernetzen, vielen den Weg in das moderne Netz-Zeitalter weisen. Wir blicken mit einigem Stolz auf das zurück, was wir geleistet und mit angestossen haben an Initiativen, Aktionen und Ideen.

Das Projekt eVideo lebte immer durch die aktiv Beteiligten. Vor allem durch das Kern-Team und die uns unterstützenden HTW-ProfessorInnen bzw. vielzähligen FachexpertInnen in den Online-Kursen bzw. -Konferenzen. Vielen Dank allen dafür!!

Wie alle innovativen Projekte hatten wir aber auch mit einigem Gegenwind und etwas Missgunst zu kämpfen. Ausdrücklich distanzieren möchten wir uns von allen, die sich mit unseren Erfolgen schmück(t)en, ohne jemals einen aktiven Part übernommen zu haben. Solche Aktionen sind anmaßend und entsprechen nicht unserer praktizierten Philosophie. Die Einzigen, die sich zukünftig auf eVideo beziehen können, waren und sind die aktiv Beteiligten – allen voran @acwagner, @fabiant7t, @m_dubsky und @naii. In deren aktuellen und zukünftigen Projekten lebt eVideo weiter – und in unseren sehr geschätzten, aktiven Kursteilnehmer/innen. Wer sich mit unseren Zertifikaten schmückt, hat höchst wahrscheinlich selbst bedeutende Lernzuwächse und Erfahrungsschätze mit der Kursteilnahme zu verzeichnen. Auf jeden Fall handelt es sich um neugierige Menschen, die offen sind für moderen Entwicklungen und keine Scheu haben, sich selbst weiterzuentwickeln. Wir wünschen allen alles Gute für ihre Zukunft!

Nun ist also der Zeitpunkt gekommen: Wir nehmen einen letzten Atemzug, wünschen allen eine schöne Jahresendzeit und noch viele erfolgreiche Jahre – wir freuen uns allesamt auf 2012! In diesem Sinne: Ahoi & good luck!

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Moderne Bildung mit ununi.tv

Morgen geht ununi.tv als Plattform online. Idealerweise soll sich in deren Rahmen eine moderne, virtuelle Hochschule zu Film, TV & Web entfalten, die auf dem Unkonferenz-Prinzip aufbaut. Alle fachlich Interessierten sind fortan eingeladen, sich dort inhaltlich einzubringen und selbstständig Online-Sessions anzulegen, um in einen wechselseitigen Diskurs einzusteigen. Als Plattform versucht ununi.tv lediglich eine Infrastruktur mit Hilfestellungen anzubieten, die es ermöglicht, interessante GesprächspartnerInnen zu finden bzw. konstruktive Gespräche aufzusetzen und daraus parallel ein qualifiziertes E-Portfolio aufzubauen.

Als diskursive Live-Umgebung setzen wir derzeit auf G+ Hangouts auf. Das bedeutet, es braucht eines Google(+)-Accounts, um sich aktiv innerhalb der Hangouts einzubringen. Aber: Eine Beteiligung per Livestream ist möglich, wenn Session-AnbieterInnen die qualitative Integration der „Crowd“ vorsehen. Um mögliche Formate für dieses Online-Setting aufzuzeigen, starten wir diese potenziell lebenslange Unkonferenz mit einer kuratierten Kick-Off-Eventreihe, die per Livestream (auch ohne Google-Account) verfolgt und mittels Social Media interaktiv begleitet werden kann. Wir versuchen aufzuzeigen, wie Hangouts-Sessions mit dem Netz qualitativ verbunden werden können. Gleichzeitig besteht ab morgen die Möglichkeit, eigene Sessions anzulegen und über diesen Weg in einen fachlichen Austausch einzusteigen. Insofern freuen wir uns über alle Personen, die sich – in welcher Form auch immer – in die Gestaltung dieser neuen „Bildungseinrichtung“ einbringen.

Hier folgend das inhaltliche Start-Angebot von ununi.tv – die konkreten Links zu den Sessions finden sich zu gegebener Zeit auf der Plattform oder im Twitterstream von @ununitv:

  • Dienstag, 6.12.2011, 19.00 – 19.45h:
    Das ununi.tv-Team erarbeitet mit der Öffentlichkeit, wohin die Reise gehen soll.
  • Dienstag, 6.12.2011, 20.15 – 21.00h:
    Dorothea Martin gibt eine Einführung in Transmedia Storytelling.
  • Mittwoch, 7.12.2011, 19.00 – 19.45h:
    Daniel Fiene wird von Bertram Gugel interviewt, wie rund um Medieninhalte adhoc Communities entstehen.
  • Mittwoch, 7.12.2011, 20.15 – 21.00h:
    Wolfgang Gumpelmaier blickt mit ExpertInnen auf ein Jahr Crowdfunding zurück.
  • Donnerstag, 8.12.2011, 19.00 – 19.45h:
    Claudia Pelzer vom Crowdsourcing-Blog gibt Einblicke in Online Marktplätze. Ein Workshop.
  • Donnerstag, 8.12.2011, 20.15 – 21.00h:
    Markus Hündgen mit einem Support-Angebot, die Werke von VideomacherInnen live zu analysieren.

[Gugel-Kolumne] TV empfängt das Internet – neue Services stehen in den Startlöchern

Apple, Google, Amazon und Co. drängen in den TV-Markt. Es geht um Geld, viel Geld – mindestens 11 Milliarden Werbegelder in Deutschland, die neu verteilt werden könnten. Jahrzehntelang waren diese Werbegelder den TV-Sendern vorbehalten, doch nun wittern die Internetunternehmen ihre Chance den TV-Markt auf den Kopf zu stellen.

Das liegt an zwei Entwicklungen. Erstens wird der Zugang zu TV-Inhalten jederzeit und überall immer wichtiger.

„Anywhere access is most important to disruption in the digital music industry.“ (David Card, CTO von Pandora )

Zweitens werden immer mehr Internetinhalte auf den Fernseher verfügbar. Sollten diese beiden Trends weiter voranschreiten, werden wir ein komplett neues Fernsehökosystem erleben. The future is about access, not ownership verkündet AirBnB CEO Brian Chesky und gibt damit die Marschroute vor. Diese Devise verfolgen so gut wie alle neuen Wettbewerber, die sich mit unterschiedlichen Strategien im TV-Markt behaupten wollen. Hier ein kleiner Überblick der verschiedenen Ansätze.

Amazon / Lovefilm

Amazon entwickelt sich zunehmend zu einem Netflix-Konkurrenten. Dazu wird Amazon Prime, nach und nach um den Zugang zu Medien und vor allem Filme und TV-Serien erweitert. In den USA erlaubt der $79 im Jahr teuere Service den Zugriff auf über 10.000 verschiedene Inhalte und die Auswahl wächst schnell. Vor einem Jahr waren es noch nicht einmal halb soviel In. Zudem ist die Amazon VoD-Applikation bereits in hunderten Geräten integriert. Mit dem Kindle Fire hat Amazon zudem eine ideale Abspielplattform für alle Prime Videos, die sie selbst kontrollieren und die sich extrem gut verkauft – es wird davon ausgegangen, dass allein dieses Jahr 6 Millionen Geräte verkauft werden.

Doch Amazon Prime ist nicht die einzige Initiative innerhalb von Amazon. In Europa wurde Lovefilm letztlich komplett übernommen und der Service betreibt gerade aktiv seinen Wandel vom DVD-Versender hin zum Streaming-Anbieter. Für Deutschland konnte sich Lovefilm kürzlich die exklusiven streaming Rechte für Paramount Filme sichern und seinen Service auf die PS3 Portieren.

Netflix / Hulu

Über eine Deutschland Expansion von Netflix und Hulu wird seit Jahren spekuliert. Netflix wird wohl vorerst nicht nach Deutschland kommen, hat der Service mit der Internationalisierung nach UK, Kanada, Südamerika und Spanien genügend auf dem Zettel hat und erst wieder in die Profitabilität zurück kehren muss. Hulu hingegen scheint sich vom gescheiterten Verkauf gut erholt zu haben und sondiert einmal mehr den Deutschen Markt. Sollten Hulu allerdings einen Bezahlservice in Deutschland planen können sie ja mal bei bitbop fragen, wie erfolgreich so ein Service in Deutschland ist. Obwohl diese beiden Services in meinen Augen das größte Potential in Deutschland hätten, sehe ich keine Chance für einen erfolgreichen Markteintritt innerhalb des nächsten Jahres, sollten sich die Voraussetzungen nicht ändern.

Sony

Sony fühlt sich durch Apple an der Ehre gepackt und stellt fest, dass Apple nicht die einzigen sind, die den Fernseher revolutionieren können. Deshalb arbeitet Sony daran nicht mehr nur Fernseher zu verkaufen sondern diese direkt mit attraktiven Services und Inhalten zu koppeln. Dazu steht Sony in Verhandlungen mit den Rechteinhabern zu internetbasierten TV-Kanälen.

Neben den TV Bemühungen hat Sony massiv das eigene Videoportal Crackle ausgebaut und bietet darüber eine Vielzahl von interessanten Inhalten an. Crackle wurde auch in die Playstation3 integriert, die nicht mehr nur Videoinhalte erhält sondern auch soziale Features, die den Videokonsum auf der Konsole attraktiver machen, indem Filme virtuell gemeinsam mit Freunden gesehen werden können.

Microsoft

Microsoft hat eine klare Vision wie das Fernsehen der Zukunft aussehen soll. Über die Kinect wird der Fernseher per Sprache, Gesten oder das Smartphone gesteuert. Die XBox erlaubt den einheitlichen Zugriff auf ondemand Inhalte, TV-Programme und Internetkanäle und vereint alles unter einer einheitlichen Oberfläche in der die Kabelnetzbetreiber, Sender oder Plattformen nur noch als Kacheln stattfinden. Zudem bietet der Service interaktive Möglichkeiten, so können ESPN Zuschauer ihr Team anfeuern und gegen andere Fans kleine Spiele spielen. Die Kombination aus Hardware, Software und weitreichenden Partnerschaften bringt Microsoft in eine extrem gute Position. Kaum ein anderer Anbieter hat zur Zeit diese Penetration und kann die Fülle an Services und Inhalten mit einem guten Interface verbinden.

Zudem darf nicht vergessen werden, dass Microsoft neben den eigenen Anstrengungen mit Mediaroom immer noch einer der größten Lieferanten für IPTV Lösungen weltweit ist.

Apple

Alle warten darauf, was Apple als nächstes tun wird und vergessen dabei, dass Apple die TV-Landschaft bereits heute umkrempelt. iTunes ist der größte VoD-Store Weltweit mit über 65% Marktanteil in den USA – die Nummer 2 (Microsoft) hat gerade einmal 16%. Sollten sich bezahlte VoDs doch wider erwarten als die Zukunft erweisen ist Apple dafür bestens gerüstet.

Neben iTunes verfügt Apple mit dem iPad über ein Gerät, dass die Sehgewohnheiten neu definiert und als individuelles Abspielgerät dem Schlafzimmer-Fernseher den Rang abläuft. Dank AirPlay und Mirroring sind die Inhalte nicht auf das iPhone oder iPad beschränkt sondern finden zunehmend auch ihren Platz auf dem Fernseher im Wohnzimmer.

Ganz nebenbei revolutioniert Apple noch das klassische Storytelling indem Filmemacher statt eines Films eine interaktive App entwickeln, die Bewegtbild als einen Teil der Experience begreift. So hat zum Beispiel Al Gore als Nachfolger von An Inconvenient Truth keinen Film gedreht sondern die App Our Choice entwickeln lassen.

All diese Entwicklungen verhelfen Apple zu einer komfortablen Ausgangslage, sie benötigen keinen Fernseher um den Fernsehmarkt zu revolutionieren. Deshalb wird Apple erst einen Fernseher bauen, wenn es ihnen gelingt alle Inhalte über das Internet auf diesen Fernseher zu bringen. Die Auswirkungen des Fernsehers auf die Industrie werden dann sehr deutlich zu spüren sein.

Google / YouTube

Neben Microsoft ist Google das Internetunternehmen mit den umfangreichsten TV-Initiativen. Google TV Ads, Android/YouTube Movie Store und Google Hangouts sind ein paar der low profile Aktivitäten.

Richtig spannend könnten jedoch die neuen original Channels auf YouTube sowie GoogleTV werden.

Mit den neuen YouTube Channels tritt Google nicht mehr nur als Plattformbetreiber auf sondern auch als Produzent. Google will damit den Markt entwickeln und gleichzeitig das Inhalteproblem lösen. Es ist fast unmöglich weltweite Lizenzen für TV- oder Film-Inhalte zu erwerben und falls es doch gelingt sind die Kosten astronomisch. Indem Google exklusiv Inhalte für YouTube produzieren lässt umgehen sie dieses Problem, entwickeln neue Formate, Talente und Studios und überzeugen die Zuschauer von alternativen Inhalten. In dies Initiative investieren sie erst einmal $100 Millionen. Zudem wird Google zusammen mit Disney für $10-$15 Millionen weitere exklusive Videoserien produzieren. Sollten diese neuen Formate erfolgreich werden stellen sie eine existenziellen Bedrohung für das klassische Fernsehen dar, denn dieses Vorhaben zielt darauf die Relevanz der traditionellen TV-Inhalte zu untergraben und neue Nutzungsmuster zu etablieren.

GoogleTV hingegen sichert die Distribution von YouTube und Google auf dem Fernseher. Die neuste Version des Betriebssystems ist nichts weiter als ein grafisch angepasstes Android, was die komplette App-Welt auf dem TV verfügbar macht. Die Resonanz auf die neue Version ist zudem sehr positiv und Google konnte mit Samsung und LG zwei weitere Partner gewinnen, die eine weite Verbreitung der Geräte sicher stellen sollten.

Facebook

Facebook ist die Wildcard im gesamten Spiel. Als Kommentar auf meinen letzten Artikel wurde mir gesagt, dass Facebook das eigentliche Trojanische Pferd ist. Facebook positioniert sich als Partner, Retter und Freund der TV-Sender und die Sender fühlen sich geschmeichelt. Keine Sendung, kein Sender, kein Promi der nicht bei Facebook ist. Und mit frictionless Sharing und den ersten Erfolgsgeschichten wird es nicht mehr lange dauern bis wir Fernsehsender sehen, die dies in ihre Apps und vielleicht sogar das Programm einbauen. Nicht zu letzt verkündet Facebook selbstbewusst, dass sie TV-Quoten steigern können und bittet im gleichen Zug um die EPG-Daten der Sender. Somit positioniert sich Facebook nicht als direkte Konkurrenz sondern mehr als personalisierte TV Guide 2.0. Es bleibt jedoch abzuwarten ob Facebook sich nicht doch in absehbarer Zukunft zu einer Plattform für Medien wandelt und dann könnte es ein böses erwachen geben.

Startups

Neben all den großen Playern versuchen unzählige Startups auf die eine oder andere Art in den TV-Markt zu kommen. Einige wie vdio oder bitbop versuchen dabei mit den existierenden Anbietern zusammen zu abreiten andere versuchen ein Geschäftsmodell ohne Lizenzen zu etablieren. Wie viele Startups dabei denken hat gerade der Rechtsstreit zwischen Grooveshark und Universal zu tage gefördert:

„The only thing that I want to add is this: we are achieving all this growth without paying a dime to any of the labels. […] we use the label’s songs till we get a 100 (million) uniques, by which time we can tell the labels who is listening to their music, where, and then turn around and charge them for the very data we got from them.“

Man versucht also schnell ohne Lizenzverträge zu wachsen um danach eine bessere Verhandlungsposition zu haben. Bei YouTube hat dies funktioniert und vielleicht wird es noch einmal bei einem anderen Service funktionieren. Das Problem für die TV-Unternehmen ist, dass es lediglich einmal klappen muss und schon haben sie ein massives Problem.

Der Markt bewegt sich

Betrachtet man diese Aktivitäten wird klar, dass zur Zeit viel Geld und Energie in neue TV-Modelle investiert wird. Klare Gewinner sind zwar noch nicht abzusehen, aber dass die TV-Industrie in 5 Jahren noch so aussieht wie heute bezweifle ich angesichts all dieser Projekte stark. Eine Strategie, die davon ausgeht, dass man seinen Markt gegen diesen Ansturm verteidigen kann, greift meiner Einschätzung nach zu kurz. Jeder TV-Sender, Produzent, Kabelnetz- und Satellitenbetreiber muss sich überlegen, welche Rolle er in einem neuen Ökosystem spielen kann und mit welchen Partnern er ins Spiel geht. Denn ähnlich wie in der Smartphone-Industrie wird auch im TV-Bereich das stärkste Ökosystem gewinnen.

[Gugel-Kolumne] Deutsche TV Sender gegen den Rest der Welt

Der TV Markt ist reif für die Disruption – zumindest in den Augen von immer mehr Venture Capitalists, die Geld in immer neue TV Startups investieren. Auch die großen Internetplayer wie Google, Apple, Amazon, Facebook und Co. bringen sich in Position um ein möglichst großes Stück vom TV-Kuchen abzubekommen.

Die Ruhe vor dem Sturm

Wenn man den Aussagen und Aktionen der Sender folgt könnte man jedoch meinen, dass uns diese Aktivitäten in Deutschland nicht betreffen werden. Gerade erst haben ProSiebenSat.1 und RTL wiederholt solide bis gute Quartalszahlen vorgelegt und von einer Krise lässt sich dort nichts erkennen. Auch die Medienforschung erkennt seit Jahren keinen Trend, der auf eine Gefahr für die Deutschen TV Sender durch das Internet hindeuten könnte.

Es verwundert also nicht wenn sich die privaten Sender die Zeit nehmen und den vom Kartellamt untersagten Aufbau einer gemeinsame online Plattform vor Gericht durch zusetzten und alle anderen (gemeinsamen) Aktivitäten bis zur Klärung zurück zustellen. Der Weg durch die Instanzen hat schon bei den Programmdaten bestens geklappt. Dort konnten die Sender vor Gericht erwirken, dass Programmbegleitmaterialien wie Bilder, Trailer und Beschreibungen unter das Leistungsschutzrecht fallen und EPG-Anbieter Lizenzgebühren dafür zu entrichten haben. Bei den Öffentlich Rechtlichen Sendern wiederum versucht man die Produzenten zu befriedigen indem man ihnen ein gemeinsames kostenpflichtiges Video on Demand-Portal mit dem schönen Namen Germany’s Gold beschert.

Alles in Allem haben sich die Sender also eine wunderbare Ausgangsposition erarbeitet. Wenn jemand auf die Idee kommen sollte einen Service, eine App oder eine Plattform mit ihren Programmdaten zu starten wird er zur Kasse gebeten. Sollte ein Anbieter eine gemeinsame Plattform à la Hulu starten wollen wird er mit Hinweis auf das laufende Verfahren – das natürlich nicht gefährdet werden kann – vertröstet. Und über das VoD Portal Germany’s Gold werden in Zukunft zusätzlich signifikante digitale Erlöse erwirtschaftet werden – was bisher außer Apple mit iTunes noch keinem Anbieter in Deutschland gelungen ist.

Sender unter Druck

Trotzdem scheint es beim ZDF erste Zweifel daran zu geben ob die Position der deutschen TV Sender wirklich so komfortabel ist, wie es gemein hin dargestellt wird. Der Intendant Markus Schächter trommelt gegen Apple und Google und wird vom Handelsblatt wie folgt zitiert: „Wir müssen uns endlich verbünden. Die starren Fronten erinnern mich manchmal an den Stellungskrieg von Verdun.

Betrachte ich diese Situation fühle ich mich viel mehr an den Trojanischen Krieg erinnert. Die stolzen Trojaner (TV-Sender) haben sich hinter ihren starken Mauern (Urheberrecht/Leistungschutzrecht) verschanzt und die schöne Helena (Werbegelder/Inhalte) in Sicherheit gebracht. Die übermächtigen Griechen (Apple, Google, Amazon, Facebook, Sony, Netflix, Hulu und duzende Startups) machen sich derweil daran die Stadt zu belagern und stellen sich auf eine längere Auseinandersetzung ein.

Die Wette der Sender ist, dass die Mauern hoch und stark genug sind um dem Ansturm stand zu halten und keiner der neuen Anbieter einen Odysseus in seinen Reihen hat der ein trojanisches Pferd in die Stadt schleust. Diese Wette wird nicht aufgehen. Es geht um zuviel Geld, als dass sich Apple, Sony, Google, Microsoft und Amazon davon abschrecken ließen. Diese Firmen haben die finanziellen Mittel langfristig den Markt zu entwickeln oder sich in den Markt zu kaufen. Was passiert zum Beispiel, wenn Google die Bundesliga-Rechte für YouTube kauft? Oder der Kindle Fire zusammen mit Amazon Prime in Deutschland eingeführt wird? Und selbst wenn es keinem der Großen gelingen sollte die Mauern zu durchbrechen gibt es immer noch hunderte Startups, die daran arbeiten den TV-Markt auf den Kopf zu stellen.

Wenn es einem Anbieter erst einmal gelingt ein attraktives Bewegtbildangebot im Netz zu lancieren, wäre die Nutzerakzeptanz und die schnelle Verbreitung des Services in Deutschland sehr wahrscheinlich. Die Sender lassen zur Zeit ein enormes Potential ungenutzt indem sie darauf bestehen, dass die Nutzer Inhalte nur auf ihren Seiten konsumieren können. Obwohl 80% der Internetnutzer Videoportale besuchen und somit bereit sind Videos im Netz zu konsumieren, sehen nur 43% Programme auf den Senderseiten. Es verwundert also nicht weiter, dass Hulu mal wieder den Deutschen Markt sondiert und versucht einen Partner zu finden.

ZDF-Intendant Schächter hat in einem Punkt Recht, die Sender müssen zusammen arbeiten um nicht überrollt zu werden. Aber die Gefahr liegt nicht bei Apple und Google, diese Unternehmen könnten sich viel mehr als wertvolle Partner erweisen. Die Gefahr liegt viel mehr darin, dass sich die Sender zu sehr abkoppeln und die Entwicklung im Internet anderen überlassen. Indem sie ihre Inhalte wegschließen und jegliche Kooperation untereinander und mit Internetunternehmen vermeiden sorgen sie dafür, dass jeder nach Wegen um die Sender herum sucht. Sie sorgen dafür, dass sie den Wandel nicht gestalten sondern von ihm übergangen werden.

Zentrale Fragen der TV-Sender

Statt gemeinsam eine Position gegen Apple und Google zu erarbeiten sollten die Sender ihre Energie lieber folgenden Fragen widmen:

  1. Was macht einen Fernsehsender im Internet aus?
    Das Internet stellt Intermediäre vor große Herausforderungen. Die klassische Rolle als Vermittler zwischen Publikum, Produzenten und Werbetreibenden wandelt sich angesichts der Möglichkeiten zur Personalisierung, zum direkten Vertrieb und des individuellen Abrufs einzelner Inhalte. Hier stellt sich also für Fernsehsender die Sinnfrage.
  2. Wie können die Sender Reichweite für ihre Inhalte im Netz generieren?
    Angesichts der Millionen Menschen die jeden Tag im klassischen TV erreicht werden ist die Reichweite der Sender im Netz marginal und das liegt nicht daran, dass über das Internet nicht mehr Nutzer zu erreichen sind. Es ist schlicht utopisch anzunehmen, dass die Nutzer sich die Inhalte jeweils bei einem Sender abholen werden. Die Sender müssen viel mehr ihre Inhalte dorthin vertreiben wo die Nutzer sind.
  3. Was sind adäquate Inhalte für das Internet, wie können diese produziert und vertrieben werden?
    Das Internet ist nicht nur ein Vertriebsmedium für existierende Inhalte, sondern ermöglicht neue Formate jenseits des TVs. Diese Entwicklung wird gerade von Google mit YouTube massiv vorangetrieben. Sobald die neuen Inhalte eine gewisse Popularität erreichen dürfte es schwer werden die Zuschauer wieder für die durchschnittliche Fernsehkost zu begeistern.

Ein erster Schritt

Der einfachste Weg um mit den Internetunternehmen ins Gespräch zu kommen und mit ihnen zusammenzuarbeiten läge darin Schnittstellen und klare rechtliche Rahmenbedingungen anzubieten mit deren Hilfe die Unternehmen auf die TV-Inhalte zugreifen können. Statt sich abzuschotten böte eine Öffnung für neuen Services und Plattformen die Möglichkeit mit den Internetunternehmen auf Augenhöhe zu verhandeln und zusammen zu arbeiten. Denn sollte erst einmal eines der Unternehmen die Mauern überwunden haben wird jeder weitere Verhandlung auf ein Diktat von Forderungen hinauslaufen.

Next Step: ununi.tv

Das Projekt eVideo 2.0 endet zum Jahreswechsel. Mit der letzten eVideo Online-Konferenz nutzen wir die Chance, eine neue Tür aufzustossen …

Das Expert/innen-Team aus dem aktuellen Kurs Film/Video 2.0 hat sich einem Experiment unterzogen: Was kommt dabei heraus, wenn 4 heterogene Menschen mit einiger Web 2.0-Erfahrung sich über 8 Wochen in einem begrenzten zeitlichen Umfang inhaltlich austauschen – mit dem Ziel, ein wie-auch-immer geartetes gemeinsames Projekt aufzusetzen? Hier das Ergebnis:

[Gugel-Kolumne] Hollywood entwertet digitale Formate durch UltraViolet

In den letzten Tagen ging UltraViolet, der dezidierte DVD- und Blu-Ray-Nachfolger an den Start. Warner Bros. hat über Flixter die ersten beiden Filme (Green Latern und Horrible Bosses) im neuen digitalen Format verfügbar gemacht. Der Launch macht zwei Probleme des neuen Formats offensichtlich, einerseits wird UltraViolet in der jetzigen Form zu einer Entwertung digitaler Formate führen und zweitens ist der Dienst zur Zeit maximal in einem Alpha-Stadium. Eventuell könnte UltraViolet zudem noch die Ablösung von DVD/Blu-Ray enorm beschleunigen und so zum Scheitern der ganzen Initiative führen.

Trotzdem verdient Hollywood Anerkennung für UltraViolet, denn ehrlich gesagt hatte ich – und andere – nicht erwartet, dass UltraViolet so weit kommt und dann auch noch über so liberale Nutzungsrechte verfügt. Die gekauften Filme können auf bis zu 12 Geräte übertragen werden, mit Freunden und Familienmitgliedern geteilt werden und auf bis zu drei Geräte simultan gestreamt werden. Diese Rechte machen UltraViolet zu einer attraktiven Alternative zur DVD und Blu-Ray.

Entwertung digitaler Formate

Zum Verhängnis des digitalen Formats könnte jedoch gerade eine Feature von UltraViolet werden, das darauf ausgelegt ist den Absatz von DVDs und Blu-Rays zu sichern. UltraViolet Filme lassen sich nämlich momentan nicht über die Warner Webseite oder einen anderen Store als digitale Kopie erwerben. Das digitale Format kann lediglich über einen Code eingelöst werden, der Blu-Rays und DVDs beiliegt. Der Schachzug soll dazu dienen den Absatz der klassischen Medien zu sichern. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass er ein fundamentaler Fehler ist, denn er führt dazu dass jeder Käufer im Endeffekt zwei Filme zum Preis von einem erwirbt. Bei der Einführung der Blu-Ray haben die Studios auch keine DVDs mit einer Blu-Ray als kostenlose Dreingabe verkauft – genau das machen sie jetzt mit den UltraViolet Codes.

Die Codes sind so attraktiv, dass sie losgelöst von den Datenträgern verkauft werden. Das Problem hierbei ist, dass sich ein Preis für UltraViolet Filme etabliert, der weit unter dem liegt was die Studios eigentlich für ihren Film ob digital oder analog verlangen. Man muss nur auf eBay suchen um festzustellen, dass man dort eine digitale Kopie von Horrible Bosses für $1,75 erwerben kann.

Dabei handelt es sich nicht um ein Video on Demand oder Katalogware, sondern um eine vollwertige uneingeschränkte digitale Kopie eines neuen Hollywood Films. Der Markt setzt also einen Preis für den Film der bei 10% der Summe liegt, die Hollywood normalerweise für diesen Film verlangt und genau dort liegt das Problem.

Wie will Warner es schaffen jemals digitale Kopien für sagen wir $10 zu verkaufen, wenn man jederzeit über eBay den gleichen Film in der gleichen Qualität mit den gleichen Features für $2 erhält? Hollywood ging wohl davon aus, dass die DVD- und Blu-Ray-Käufer die Codes selbst einlösen. Das werden wohl auch einige tun doch bedeutend mehr werden versuchen über eBay und andere Portale ihre Codes zu versilbern. Damit nehmen sie Hollywood die Möglichkeit den Preis zu bestimmen.

Natürlich kann es sein, dass irgendwo in den Nutzungsbedingungen der Verkauf von Codes ausgeschlossen wird. Doch solange man über einfaches Einfügen eines 12-stelligen Codes in ein Formularfeld einen kompletten Film freischaltet, kann der Handel mit diesen Codes nicht unterbunden werden. Das Schöne an den UltraViolet Codes ist zudem, dass es keine wirklichen Geo-Restriktionen gibt. Zwar wird darauf verwiesen, dass das Angebot für die USA gilt aber ein Geoblocking findet nicht statt – kann es auch nicht, denn sonst könnten US-Bürger ihre Filme nicht außerhalb der USA sehen. Somit dürften wir in Zukunft auch in Deutschland schnell und einfach über Codes an die neusten Hollywood-Streifen kommen.

Diese Entwicklung hat massive Implikationen für Hollywood. Die einzige Chance, die ich für die Studios sehe, ist zu erkennen, dass DVD und Blu-Ray tot sind und deshalb UltraViolet massiv und losgelöst von physikalischen Trägern vermarktet werden muss. Nur so können sie den Preis kontrollieren und bis zu einem gewissen Punkt die regionale Verbreitung steuern.

UltraViolet im Alpha-Stadium

Losgelöst von der Preisthematik hat UltraViolet noch einige Stolpersteine, die mehr der Usability und dem Konzept des Standards geschuldet sind. Ein Beispiel? Hier ist der Ablauf, den man durchlaufen muss um einen Film in UltraViolet zu laden.

  1. Man legt einen Account beim Verkäufer des Films an. In diesem Fall Flixter. Selbst wenn man dort einen Facebook-Login verwendet muss man trotzdem noch weitere Schritte durchlaufen.
  2. Man wird darauf hingewiesen, dass man einen UltraViolet Account benötigt oder sich mit seinem UltraViolet Account anmelden muss.
  3. Legt man einen UltraViolet Account an, dafür muss man alle Daten noch einmal angeben und wird auf die UltraViolet Seite verwiesen.
  4. Der Flixter Account muss mit dem UltraViolet Account verknüpft werden.
  5. Man muss die Einlöseseite des UltraViolet-Films aufrufen und dort durch den Einlöseprozess durchlaufen. 1) Login bei Flixter 2) Login bei UltraViolet 3) Eingeben des Codes 4) Freischalten des Films.
  6. Ansehen des Films als Stream über die Flixter-Seite oder Download des Films über die Flixter Adobe-Air Applikation.

Abgesehen davon, dass der Prozess ein wahrer Signup-Horror ist, lässt die Implementation zu wünschen übrig. Spätestens seit Twitter und Facebook Applikationen erlauben, gibt es genügend Beispiele wie man einfach und schnell zwei Webservices miteinander verknüpft. Die Verknüpfung von UltraViolet mit Flixter erscheint im Vergleich dazu wie aus einem anderen Jahrzehnt. Dieses Gefühlt zieht sich durch die komplette UltraViolet Applikation. Der Dienst wirkt an vielen Ecken nicht wirklich durchdacht und erst recht nicht mit Liebe zum Detail gestaltet, so kommt keine wirkliche Freude bei der Nutzung auf.

Neben diesen Usability Problemen gibt es meiner Einschätzung nach noch ein konzeptionelles Problem. Es ist für den Nutzer nicht wirklich klar was UltraViolet ist. Laut Selbstbeschreibung ist es ein „Digital Rights Locker“ in der Praxis ist es wenig mehr als eine Linkliste.

Wahrscheinlich laufen im Hintergrund hochkomplexe Prozesse ab für den Nutzer jedoch bedeutet das wenig. Er sieht auf UltraViolet seine Rechte muss jedoch wenn er die FIime sehen will wieder auf die Seite der Anbieter zurück. Somit fällt ein Argument für den zentralen Dienst – eine Anlaufstelle für alle Filme – flach. Theoretisch hätte die UltraViolet-Seite zu einem zentralen Shop und falls das nicht möglich ist zumindest zu einem zentralen Abspielportal für digitale Filme werden können. Beides sind Propositions, die Nutzer leicht verstehen. In der jetzigen Ausgestaltung stört die Seite mehr den Ablauf als dass sie einen Mehrwert bietet. Eine Linkliste zu gekauften Filmen ist den Aufwand nicht wert durch die ganzen zusätzlichen Schritte zu gehen.

Weichenstellungen für UltraViolet

Angesichts dieser Probleme bin ich gespannt wie sich UltraViolet weiterentwickelt. Erstens erwarte ich, dass Warner entweder versucht juristisch gegen den Code-Verkauf vorzugehen oder den Verkauf von DVDs und Blu-Rays mit Codes einstellt. Sollten die Auswirkungen zu massiv sein könnte das momentane Experiment auch dazu führen, dass weiere UltraViolet Initiativen vorerst auf Eis gelegt werden.

Zweitens sollten die Konsortiumsmitglieder schnell und nachhaltig an der Usability und der UltraViolet Proposition arbeiten um sie zu einem Angebot auszubauen, das Kunden spass macht. Die Konkurrenz steht bereits in den Startlöchern. Amazon mit dem Kindle Fire und Apple mit Movies in der Cloud werden versuchen ihre eigenen digitalen Formate zu etablieren und diese werden definitiv eine bessere Usability haben.

[Gugel-Kolumne] TV First: Multiplattform-Strategie zur Videodistribution

Jim Louderback von Revision3 hat bereits angedeutet, wie wichtig unterschiedliche Screens und Plattformen für den Vertrieb von Videoinhalten sind.

We want to be wherever our audience happens to be in a video viewing mood, and that’s not always on YouTube.

Angesichts immer neuer Geräte und Plattformen stellt die Verbreitung von Bewegtbildinhalten eine immer größere Herausforderung dar. Auf der einen Seite gilt es eine Multiplattformstrategie abzustimmen, die entscheidet auf welchen Plattformen Inhalte vertrieben werden und auf der anderen Seite gilt es im Rahmen einer Multiscreenstrategie abzuwägen wie die Inhalte adäquat für verschiedene Screengrößen und Nutzungsszenarien aufbereitet werden.

Bei den Plattformen reicht die Bandbreite von Betriebssystemen wie iOS und Android über Standards wie HbbTV und HTML5 bis hin zu Services wie YouTube, Twitter und Facebook. Kombiniert man diese Komplexität noch mit multiplen Screengrößen wird daraus schnell ein undurchsichtiges Gebilde. Die Herausforderung ist Plattformen, Geschäftsmodelle, technische Rahmenbedingungen und Nutzungskontexte abzuwägen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

Multiplattform Ansätze und Probleme

Trotz der Fülle an Plattformen ist die Verlockung groß möglichst jede existierende und neue Plattform zu bedienen, ist doch zumindest bis zu einem gewissen Punkt zu erwarten, dass die Plattformen dazu genutzt werden können um neue Nutzer zu generieren oder existierende Nutzer stärker zu binden. Allerdings besteht auf der anderen Seite die Gefahr der Fragmentierung.

Wenn für jede neue Plattform eine entsprechende App entwickelt werden muss, die im Zweifelsfall anders zu bedienen ist, neue Möglichkeiten, technische Gegebenheiten und Restriktionen besitzt wird es schwierig den gemeinsamen Nenner zu finden. Zudem geben Plattformen wie Facebook, YouTube und Twitter einen engen Rahmen vor in dem sich die Anbieter bewegen müssen und entscheiden oftmals selbst, welche Plattformen bedient werden und wie die Inhalte für die verschiedenen Screens aufbereitet werden. So kann man zum Beispiel im Web auf YouTube den eigenen Channel bis zu einem gewissen Punkt anpassen und gestalten, sämtliche Einstellungen dort gehen jedoch verloren, wenn YouTube auf anderen Screens wie dem Smartphone oder dem TV genutzt wird.


Quelle: Nielsen und BBC iPlayer Performance

In Deutschland konzentrieren sich die Sender gerade auf HbbTV- und mobile Applikationen. Beides sicherlich interessante Plattformen, die aber wenn man sich die Zahlen aus US und UK ansieht zusammen unter 10% der Videonutzung ausmachen und so nicht wirklich kurzfristig zu einer signifikant höheren Bewegtbildnutzung beitragen werden.

Folgt man den Nutzungszahlen von Hulu, Netflix und iPlayer müssten Spielkonsolen im Fokus aller TV-Sender und Produzenten stehen. Die Playstation3 ist für Netflix und den iPlayer die wichtigste Plattform neben dem PC, die XBox ist es für Hulu. Auch in Deutschland stellen Konsolen eine interessante Plattform für Bewegtbildinhalte dar. Bis jetzt wurden 9,2 Millionen internetfähige Wii, XBox und PS3 verkauft, die in der Mehrzahl mit dem Internet verbunden sind. Damit bieten sie schon heute eine signifikante Reichweite, die von ConnectedTVs erst noch erreicht werden muss – es wurden in Deutschland bis jetzt ca. 6,4 Millionen internetfähige Fernseher verkauft.

Spielkonsolen als ultimative Videoplattform

Das Potential, das im Wandel von einer Spielkonsole hin zu einer Plattform für Videoinhalte schlummert haben alle Konsolen-Hersteller erkannt auf allen drei Geräten sind Apps für Videoinhalte aus dem Netz verfügbar. Microsoft geht jedoch einen Schritt weiter indem über XBox Live der Zugang zu kompletten Kabelkanälen und PayTV-Plattformen ermöglicht wird. Gerade hat Microsoft bekannt gegeben, dass in Zukunft auch Comcast, Verizon, HBO, Syfy, Bravo und Epix Inhalte auf der XBox verfügbar sind zudem wird das Content-Angebot in England und Spanien massiv ausgebaut. Diese Inhalte erweitern das bereits reichhaltige Bewegtbild-Angebot, das bisher AT&T U-Verse, Netflix, Hulu & ESPN sowie BSkyB in UK umfasste.

Nutzer können je nach Kabelanbieter und PayTV-Paket die Inhalte auf der XBox freischalten und darüber hinaus auf die kostenlosen Inhalte von Hulu oder ihren Netflix Account zugreifen – alle Inhalte werden über das Internet auf die XBox übertragen. Garniert wird der Service von Bing Universal Search, das einem per Sprachbefehl die richtigen Inhalte liefert. Der Service von Microsoft zeigt, dass auch die großen Kabelnetzwerke und PayTV Sender das Potential der Spielkonsolen erkannt haben. Die Partner lassen sogar zu, dass ihre Inhalte über eine einheitliche Suche aus dem ursprünglichen Bundle herausgelöst werden, was den Wert den sie der Plattform beimessen weiter unterstreicht.

Interessant ist, dass es keine Deutschen Partner gibt. Für die Deutsche Telekom wäre es ein leichtes genauso wie AT&T bei U-Verse die XBox als Set-Top-Box Alternative für Entertain anzubieten und auch Sky hat mit BSkyB eine Blaupause für die Integration.

Screen-Ansatz hilft bei der Fokussierung


Quelle: Nielsen, Sandvine und BBC iPlayer Performance

Doch es geht nicht nur um Spielkonsolen. Betrachtet man die Nutzung nicht nach Plattformen sondern nach Screens wird schnell klar, wo die Präferenz der Nutzer liegt. Bewegtbild wird auf dem Fernseher gesehen egal ob die Inhalte aus dem Netz kommen oder aus dem Rundfunk. Bei Netflix liegt die Nutzung am TV-Screen schon über der PC-Nutzung, der iPlayer ist auf dem besten Weg dorthin und auch für Hulu macht der TV-Screen schon fast ein Drittel aus – das obwohl die Empfangsoptionen hier noch nicht so umfangreich sind wie bei Netflix oder dem iPlayer. Die Videonutzung der Services auf dem Tablet oder Smartphone ist momentan noch ein Nischenphänomen, wobei hier vor allem mit zunehmender Verbreitung von Tablets ein starker Anstieg zu erwarten ist.

TV first

Betrachtet man diese Zahlen sollte der Kern einer Multiplattform-Strategie zur Videodistribution TV first sein. Es gilt zuerst Plattformen zu bedienen, die es Nutzern erlauben die Inhalte auf dem Fernseher zu konsumieren. Angesichts der eingeschränkten Navigationsmöglichkeiten am Fernseher sollte hier schnell das eigene Angebot platziert werden, denn ähnlich wie bei den Kanälen wird sich wohl auch bei den online Angeboten am Fernseher ein Relevant Set etablieren. In den USA sind mit YouTube, Hulu und Netflix schon drei Plätze im Set fest vergeben.

Neben der Frage welche Plattformen bedient werden und in welcher Priorität sollte zudem überlegt werden wie angesichts der vielfältigen Einflussfaktoren seitens der Plattformen die Identität des Senders bzw. des Anbieters gewahrt bleibt. Dabei geht es darum eine Lösung zu finden, die es einerseits erlaubt flexibel und schnell neue Plattformen zu bedienen und andererseits ermöglicht gewisse Grundstandards und Prinzipien auf jede Plattform zu transportieren damit das eigene Angebot nicht in einzelne Apps und Fragmente zerfällt.