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[Gugel-Kolumne] TV empfängt das Internet – neue Services stehen in den Startlöchern

Apple, Google, Amazon und Co. drängen in den TV-Markt. Es geht um Geld, viel Geld – mindestens 11 Milliarden Werbegelder in Deutschland, die neu verteilt werden könnten. Jahrzehntelang waren diese Werbegelder den TV-Sendern vorbehalten, doch nun wittern die Internetunternehmen ihre Chance den TV-Markt auf den Kopf zu stellen.

Das liegt an zwei Entwicklungen. Erstens wird der Zugang zu TV-Inhalten jederzeit und überall immer wichtiger.

„Anywhere access is most important to disruption in the digital music industry.“ (David Card, CTO von Pandora )

Zweitens werden immer mehr Internetinhalte auf den Fernseher verfügbar. Sollten diese beiden Trends weiter voranschreiten, werden wir ein komplett neues Fernsehökosystem erleben. The future is about access, not ownership verkündet AirBnB CEO Brian Chesky und gibt damit die Marschroute vor. Diese Devise verfolgen so gut wie alle neuen Wettbewerber, die sich mit unterschiedlichen Strategien im TV-Markt behaupten wollen. Hier ein kleiner Überblick der verschiedenen Ansätze.

Amazon / Lovefilm

Amazon entwickelt sich zunehmend zu einem Netflix-Konkurrenten. Dazu wird Amazon Prime, nach und nach um den Zugang zu Medien und vor allem Filme und TV-Serien erweitert. In den USA erlaubt der $79 im Jahr teuere Service den Zugriff auf über 10.000 verschiedene Inhalte und die Auswahl wächst schnell. Vor einem Jahr waren es noch nicht einmal halb soviel In. Zudem ist die Amazon VoD-Applikation bereits in hunderten Geräten integriert. Mit dem Kindle Fire hat Amazon zudem eine ideale Abspielplattform für alle Prime Videos, die sie selbst kontrollieren und die sich extrem gut verkauft – es wird davon ausgegangen, dass allein dieses Jahr 6 Millionen Geräte verkauft werden.

Doch Amazon Prime ist nicht die einzige Initiative innerhalb von Amazon. In Europa wurde Lovefilm letztlich komplett übernommen und der Service betreibt gerade aktiv seinen Wandel vom DVD-Versender hin zum Streaming-Anbieter. Für Deutschland konnte sich Lovefilm kürzlich die exklusiven streaming Rechte für Paramount Filme sichern und seinen Service auf die PS3 Portieren.

Netflix / Hulu

Über eine Deutschland Expansion von Netflix und Hulu wird seit Jahren spekuliert. Netflix wird wohl vorerst nicht nach Deutschland kommen, hat der Service mit der Internationalisierung nach UK, Kanada, Südamerika und Spanien genügend auf dem Zettel hat und erst wieder in die Profitabilität zurück kehren muss. Hulu hingegen scheint sich vom gescheiterten Verkauf gut erholt zu haben und sondiert einmal mehr den Deutschen Markt. Sollten Hulu allerdings einen Bezahlservice in Deutschland planen können sie ja mal bei bitbop fragen, wie erfolgreich so ein Service in Deutschland ist. Obwohl diese beiden Services in meinen Augen das größte Potential in Deutschland hätten, sehe ich keine Chance für einen erfolgreichen Markteintritt innerhalb des nächsten Jahres, sollten sich die Voraussetzungen nicht ändern.

Sony

Sony fühlt sich durch Apple an der Ehre gepackt und stellt fest, dass Apple nicht die einzigen sind, die den Fernseher revolutionieren können. Deshalb arbeitet Sony daran nicht mehr nur Fernseher zu verkaufen sondern diese direkt mit attraktiven Services und Inhalten zu koppeln. Dazu steht Sony in Verhandlungen mit den Rechteinhabern zu internetbasierten TV-Kanälen.

Neben den TV Bemühungen hat Sony massiv das eigene Videoportal Crackle ausgebaut und bietet darüber eine Vielzahl von interessanten Inhalten an. Crackle wurde auch in die Playstation3 integriert, die nicht mehr nur Videoinhalte erhält sondern auch soziale Features, die den Videokonsum auf der Konsole attraktiver machen, indem Filme virtuell gemeinsam mit Freunden gesehen werden können.

Microsoft

Microsoft hat eine klare Vision wie das Fernsehen der Zukunft aussehen soll. Über die Kinect wird der Fernseher per Sprache, Gesten oder das Smartphone gesteuert. Die XBox erlaubt den einheitlichen Zugriff auf ondemand Inhalte, TV-Programme und Internetkanäle und vereint alles unter einer einheitlichen Oberfläche in der die Kabelnetzbetreiber, Sender oder Plattformen nur noch als Kacheln stattfinden. Zudem bietet der Service interaktive Möglichkeiten, so können ESPN Zuschauer ihr Team anfeuern und gegen andere Fans kleine Spiele spielen. Die Kombination aus Hardware, Software und weitreichenden Partnerschaften bringt Microsoft in eine extrem gute Position. Kaum ein anderer Anbieter hat zur Zeit diese Penetration und kann die Fülle an Services und Inhalten mit einem guten Interface verbinden.

Zudem darf nicht vergessen werden, dass Microsoft neben den eigenen Anstrengungen mit Mediaroom immer noch einer der größten Lieferanten für IPTV Lösungen weltweit ist.

Apple

Alle warten darauf, was Apple als nächstes tun wird und vergessen dabei, dass Apple die TV-Landschaft bereits heute umkrempelt. iTunes ist der größte VoD-Store Weltweit mit über 65% Marktanteil in den USA – die Nummer 2 (Microsoft) hat gerade einmal 16%. Sollten sich bezahlte VoDs doch wider erwarten als die Zukunft erweisen ist Apple dafür bestens gerüstet.

Neben iTunes verfügt Apple mit dem iPad über ein Gerät, dass die Sehgewohnheiten neu definiert und als individuelles Abspielgerät dem Schlafzimmer-Fernseher den Rang abläuft. Dank AirPlay und Mirroring sind die Inhalte nicht auf das iPhone oder iPad beschränkt sondern finden zunehmend auch ihren Platz auf dem Fernseher im Wohnzimmer.

Ganz nebenbei revolutioniert Apple noch das klassische Storytelling indem Filmemacher statt eines Films eine interaktive App entwickeln, die Bewegtbild als einen Teil der Experience begreift. So hat zum Beispiel Al Gore als Nachfolger von An Inconvenient Truth keinen Film gedreht sondern die App Our Choice entwickeln lassen.

All diese Entwicklungen verhelfen Apple zu einer komfortablen Ausgangslage, sie benötigen keinen Fernseher um den Fernsehmarkt zu revolutionieren. Deshalb wird Apple erst einen Fernseher bauen, wenn es ihnen gelingt alle Inhalte über das Internet auf diesen Fernseher zu bringen. Die Auswirkungen des Fernsehers auf die Industrie werden dann sehr deutlich zu spüren sein.

Google / YouTube

Neben Microsoft ist Google das Internetunternehmen mit den umfangreichsten TV-Initiativen. Google TV Ads, Android/YouTube Movie Store und Google Hangouts sind ein paar der low profile Aktivitäten.

Richtig spannend könnten jedoch die neuen original Channels auf YouTube sowie GoogleTV werden.

Mit den neuen YouTube Channels tritt Google nicht mehr nur als Plattformbetreiber auf sondern auch als Produzent. Google will damit den Markt entwickeln und gleichzeitig das Inhalteproblem lösen. Es ist fast unmöglich weltweite Lizenzen für TV- oder Film-Inhalte zu erwerben und falls es doch gelingt sind die Kosten astronomisch. Indem Google exklusiv Inhalte für YouTube produzieren lässt umgehen sie dieses Problem, entwickeln neue Formate, Talente und Studios und überzeugen die Zuschauer von alternativen Inhalten. In dies Initiative investieren sie erst einmal $100 Millionen. Zudem wird Google zusammen mit Disney für $10-$15 Millionen weitere exklusive Videoserien produzieren. Sollten diese neuen Formate erfolgreich werden stellen sie eine existenziellen Bedrohung für das klassische Fernsehen dar, denn dieses Vorhaben zielt darauf die Relevanz der traditionellen TV-Inhalte zu untergraben und neue Nutzungsmuster zu etablieren.

GoogleTV hingegen sichert die Distribution von YouTube und Google auf dem Fernseher. Die neuste Version des Betriebssystems ist nichts weiter als ein grafisch angepasstes Android, was die komplette App-Welt auf dem TV verfügbar macht. Die Resonanz auf die neue Version ist zudem sehr positiv und Google konnte mit Samsung und LG zwei weitere Partner gewinnen, die eine weite Verbreitung der Geräte sicher stellen sollten.

Facebook

Facebook ist die Wildcard im gesamten Spiel. Als Kommentar auf meinen letzten Artikel wurde mir gesagt, dass Facebook das eigentliche Trojanische Pferd ist. Facebook positioniert sich als Partner, Retter und Freund der TV-Sender und die Sender fühlen sich geschmeichelt. Keine Sendung, kein Sender, kein Promi der nicht bei Facebook ist. Und mit frictionless Sharing und den ersten Erfolgsgeschichten wird es nicht mehr lange dauern bis wir Fernsehsender sehen, die dies in ihre Apps und vielleicht sogar das Programm einbauen. Nicht zu letzt verkündet Facebook selbstbewusst, dass sie TV-Quoten steigern können und bittet im gleichen Zug um die EPG-Daten der Sender. Somit positioniert sich Facebook nicht als direkte Konkurrenz sondern mehr als personalisierte TV Guide 2.0. Es bleibt jedoch abzuwarten ob Facebook sich nicht doch in absehbarer Zukunft zu einer Plattform für Medien wandelt und dann könnte es ein böses erwachen geben.

Startups

Neben all den großen Playern versuchen unzählige Startups auf die eine oder andere Art in den TV-Markt zu kommen. Einige wie vdio oder bitbop versuchen dabei mit den existierenden Anbietern zusammen zu abreiten andere versuchen ein Geschäftsmodell ohne Lizenzen zu etablieren. Wie viele Startups dabei denken hat gerade der Rechtsstreit zwischen Grooveshark und Universal zu tage gefördert:

„The only thing that I want to add is this: we are achieving all this growth without paying a dime to any of the labels. […] we use the label’s songs till we get a 100 (million) uniques, by which time we can tell the labels who is listening to their music, where, and then turn around and charge them for the very data we got from them.“

Man versucht also schnell ohne Lizenzverträge zu wachsen um danach eine bessere Verhandlungsposition zu haben. Bei YouTube hat dies funktioniert und vielleicht wird es noch einmal bei einem anderen Service funktionieren. Das Problem für die TV-Unternehmen ist, dass es lediglich einmal klappen muss und schon haben sie ein massives Problem.

Der Markt bewegt sich

Betrachtet man diese Aktivitäten wird klar, dass zur Zeit viel Geld und Energie in neue TV-Modelle investiert wird. Klare Gewinner sind zwar noch nicht abzusehen, aber dass die TV-Industrie in 5 Jahren noch so aussieht wie heute bezweifle ich angesichts all dieser Projekte stark. Eine Strategie, die davon ausgeht, dass man seinen Markt gegen diesen Ansturm verteidigen kann, greift meiner Einschätzung nach zu kurz. Jeder TV-Sender, Produzent, Kabelnetz- und Satellitenbetreiber muss sich überlegen, welche Rolle er in einem neuen Ökosystem spielen kann und mit welchen Partnern er ins Spiel geht. Denn ähnlich wie in der Smartphone-Industrie wird auch im TV-Bereich das stärkste Ökosystem gewinnen.

[Gugel-Kolumne] Deutsche TV Sender gegen den Rest der Welt

Der TV Markt ist reif für die Disruption – zumindest in den Augen von immer mehr Venture Capitalists, die Geld in immer neue TV Startups investieren. Auch die großen Internetplayer wie Google, Apple, Amazon, Facebook und Co. bringen sich in Position um ein möglichst großes Stück vom TV-Kuchen abzubekommen.

Die Ruhe vor dem Sturm

Wenn man den Aussagen und Aktionen der Sender folgt könnte man jedoch meinen, dass uns diese Aktivitäten in Deutschland nicht betreffen werden. Gerade erst haben ProSiebenSat.1 und RTL wiederholt solide bis gute Quartalszahlen vorgelegt und von einer Krise lässt sich dort nichts erkennen. Auch die Medienforschung erkennt seit Jahren keinen Trend, der auf eine Gefahr für die Deutschen TV Sender durch das Internet hindeuten könnte.

Es verwundert also nicht wenn sich die privaten Sender die Zeit nehmen und den vom Kartellamt untersagten Aufbau einer gemeinsame online Plattform vor Gericht durch zusetzten und alle anderen (gemeinsamen) Aktivitäten bis zur Klärung zurück zustellen. Der Weg durch die Instanzen hat schon bei den Programmdaten bestens geklappt. Dort konnten die Sender vor Gericht erwirken, dass Programmbegleitmaterialien wie Bilder, Trailer und Beschreibungen unter das Leistungsschutzrecht fallen und EPG-Anbieter Lizenzgebühren dafür zu entrichten haben. Bei den Öffentlich Rechtlichen Sendern wiederum versucht man die Produzenten zu befriedigen indem man ihnen ein gemeinsames kostenpflichtiges Video on Demand-Portal mit dem schönen Namen Germany’s Gold beschert.

Alles in Allem haben sich die Sender also eine wunderbare Ausgangsposition erarbeitet. Wenn jemand auf die Idee kommen sollte einen Service, eine App oder eine Plattform mit ihren Programmdaten zu starten wird er zur Kasse gebeten. Sollte ein Anbieter eine gemeinsame Plattform à la Hulu starten wollen wird er mit Hinweis auf das laufende Verfahren – das natürlich nicht gefährdet werden kann – vertröstet. Und über das VoD Portal Germany’s Gold werden in Zukunft zusätzlich signifikante digitale Erlöse erwirtschaftet werden – was bisher außer Apple mit iTunes noch keinem Anbieter in Deutschland gelungen ist.

Sender unter Druck

Trotzdem scheint es beim ZDF erste Zweifel daran zu geben ob die Position der deutschen TV Sender wirklich so komfortabel ist, wie es gemein hin dargestellt wird. Der Intendant Markus Schächter trommelt gegen Apple und Google und wird vom Handelsblatt wie folgt zitiert: „Wir müssen uns endlich verbünden. Die starren Fronten erinnern mich manchmal an den Stellungskrieg von Verdun.

Betrachte ich diese Situation fühle ich mich viel mehr an den Trojanischen Krieg erinnert. Die stolzen Trojaner (TV-Sender) haben sich hinter ihren starken Mauern (Urheberrecht/Leistungschutzrecht) verschanzt und die schöne Helena (Werbegelder/Inhalte) in Sicherheit gebracht. Die übermächtigen Griechen (Apple, Google, Amazon, Facebook, Sony, Netflix, Hulu und duzende Startups) machen sich derweil daran die Stadt zu belagern und stellen sich auf eine längere Auseinandersetzung ein.

Die Wette der Sender ist, dass die Mauern hoch und stark genug sind um dem Ansturm stand zu halten und keiner der neuen Anbieter einen Odysseus in seinen Reihen hat der ein trojanisches Pferd in die Stadt schleust. Diese Wette wird nicht aufgehen. Es geht um zuviel Geld, als dass sich Apple, Sony, Google, Microsoft und Amazon davon abschrecken ließen. Diese Firmen haben die finanziellen Mittel langfristig den Markt zu entwickeln oder sich in den Markt zu kaufen. Was passiert zum Beispiel, wenn Google die Bundesliga-Rechte für YouTube kauft? Oder der Kindle Fire zusammen mit Amazon Prime in Deutschland eingeführt wird? Und selbst wenn es keinem der Großen gelingen sollte die Mauern zu durchbrechen gibt es immer noch hunderte Startups, die daran arbeiten den TV-Markt auf den Kopf zu stellen.

Wenn es einem Anbieter erst einmal gelingt ein attraktives Bewegtbildangebot im Netz zu lancieren, wäre die Nutzerakzeptanz und die schnelle Verbreitung des Services in Deutschland sehr wahrscheinlich. Die Sender lassen zur Zeit ein enormes Potential ungenutzt indem sie darauf bestehen, dass die Nutzer Inhalte nur auf ihren Seiten konsumieren können. Obwohl 80% der Internetnutzer Videoportale besuchen und somit bereit sind Videos im Netz zu konsumieren, sehen nur 43% Programme auf den Senderseiten. Es verwundert also nicht weiter, dass Hulu mal wieder den Deutschen Markt sondiert und versucht einen Partner zu finden.

ZDF-Intendant Schächter hat in einem Punkt Recht, die Sender müssen zusammen arbeiten um nicht überrollt zu werden. Aber die Gefahr liegt nicht bei Apple und Google, diese Unternehmen könnten sich viel mehr als wertvolle Partner erweisen. Die Gefahr liegt viel mehr darin, dass sich die Sender zu sehr abkoppeln und die Entwicklung im Internet anderen überlassen. Indem sie ihre Inhalte wegschließen und jegliche Kooperation untereinander und mit Internetunternehmen vermeiden sorgen sie dafür, dass jeder nach Wegen um die Sender herum sucht. Sie sorgen dafür, dass sie den Wandel nicht gestalten sondern von ihm übergangen werden.

Zentrale Fragen der TV-Sender

Statt gemeinsam eine Position gegen Apple und Google zu erarbeiten sollten die Sender ihre Energie lieber folgenden Fragen widmen:

  1. Was macht einen Fernsehsender im Internet aus?
    Das Internet stellt Intermediäre vor große Herausforderungen. Die klassische Rolle als Vermittler zwischen Publikum, Produzenten und Werbetreibenden wandelt sich angesichts der Möglichkeiten zur Personalisierung, zum direkten Vertrieb und des individuellen Abrufs einzelner Inhalte. Hier stellt sich also für Fernsehsender die Sinnfrage.
  2. Wie können die Sender Reichweite für ihre Inhalte im Netz generieren?
    Angesichts der Millionen Menschen die jeden Tag im klassischen TV erreicht werden ist die Reichweite der Sender im Netz marginal und das liegt nicht daran, dass über das Internet nicht mehr Nutzer zu erreichen sind. Es ist schlicht utopisch anzunehmen, dass die Nutzer sich die Inhalte jeweils bei einem Sender abholen werden. Die Sender müssen viel mehr ihre Inhalte dorthin vertreiben wo die Nutzer sind.
  3. Was sind adäquate Inhalte für das Internet, wie können diese produziert und vertrieben werden?
    Das Internet ist nicht nur ein Vertriebsmedium für existierende Inhalte, sondern ermöglicht neue Formate jenseits des TVs. Diese Entwicklung wird gerade von Google mit YouTube massiv vorangetrieben. Sobald die neuen Inhalte eine gewisse Popularität erreichen dürfte es schwer werden die Zuschauer wieder für die durchschnittliche Fernsehkost zu begeistern.

Ein erster Schritt

Der einfachste Weg um mit den Internetunternehmen ins Gespräch zu kommen und mit ihnen zusammenzuarbeiten läge darin Schnittstellen und klare rechtliche Rahmenbedingungen anzubieten mit deren Hilfe die Unternehmen auf die TV-Inhalte zugreifen können. Statt sich abzuschotten böte eine Öffnung für neuen Services und Plattformen die Möglichkeit mit den Internetunternehmen auf Augenhöhe zu verhandeln und zusammen zu arbeiten. Denn sollte erst einmal eines der Unternehmen die Mauern überwunden haben wird jeder weitere Verhandlung auf ein Diktat von Forderungen hinauslaufen.

[Gugel-Kolumne] Hollywood entwertet digitale Formate durch UltraViolet

In den letzten Tagen ging UltraViolet, der dezidierte DVD- und Blu-Ray-Nachfolger an den Start. Warner Bros. hat über Flixter die ersten beiden Filme (Green Latern und Horrible Bosses) im neuen digitalen Format verfügbar gemacht. Der Launch macht zwei Probleme des neuen Formats offensichtlich, einerseits wird UltraViolet in der jetzigen Form zu einer Entwertung digitaler Formate führen und zweitens ist der Dienst zur Zeit maximal in einem Alpha-Stadium. Eventuell könnte UltraViolet zudem noch die Ablösung von DVD/Blu-Ray enorm beschleunigen und so zum Scheitern der ganzen Initiative führen.

Trotzdem verdient Hollywood Anerkennung für UltraViolet, denn ehrlich gesagt hatte ich – und andere – nicht erwartet, dass UltraViolet so weit kommt und dann auch noch über so liberale Nutzungsrechte verfügt. Die gekauften Filme können auf bis zu 12 Geräte übertragen werden, mit Freunden und Familienmitgliedern geteilt werden und auf bis zu drei Geräte simultan gestreamt werden. Diese Rechte machen UltraViolet zu einer attraktiven Alternative zur DVD und Blu-Ray.

Entwertung digitaler Formate

Zum Verhängnis des digitalen Formats könnte jedoch gerade eine Feature von UltraViolet werden, das darauf ausgelegt ist den Absatz von DVDs und Blu-Rays zu sichern. UltraViolet Filme lassen sich nämlich momentan nicht über die Warner Webseite oder einen anderen Store als digitale Kopie erwerben. Das digitale Format kann lediglich über einen Code eingelöst werden, der Blu-Rays und DVDs beiliegt. Der Schachzug soll dazu dienen den Absatz der klassischen Medien zu sichern. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass er ein fundamentaler Fehler ist, denn er führt dazu dass jeder Käufer im Endeffekt zwei Filme zum Preis von einem erwirbt. Bei der Einführung der Blu-Ray haben die Studios auch keine DVDs mit einer Blu-Ray als kostenlose Dreingabe verkauft – genau das machen sie jetzt mit den UltraViolet Codes.

Die Codes sind so attraktiv, dass sie losgelöst von den Datenträgern verkauft werden. Das Problem hierbei ist, dass sich ein Preis für UltraViolet Filme etabliert, der weit unter dem liegt was die Studios eigentlich für ihren Film ob digital oder analog verlangen. Man muss nur auf eBay suchen um festzustellen, dass man dort eine digitale Kopie von Horrible Bosses für $1,75 erwerben kann.

Dabei handelt es sich nicht um ein Video on Demand oder Katalogware, sondern um eine vollwertige uneingeschränkte digitale Kopie eines neuen Hollywood Films. Der Markt setzt also einen Preis für den Film der bei 10% der Summe liegt, die Hollywood normalerweise für diesen Film verlangt und genau dort liegt das Problem.

Wie will Warner es schaffen jemals digitale Kopien für sagen wir $10 zu verkaufen, wenn man jederzeit über eBay den gleichen Film in der gleichen Qualität mit den gleichen Features für $2 erhält? Hollywood ging wohl davon aus, dass die DVD- und Blu-Ray-Käufer die Codes selbst einlösen. Das werden wohl auch einige tun doch bedeutend mehr werden versuchen über eBay und andere Portale ihre Codes zu versilbern. Damit nehmen sie Hollywood die Möglichkeit den Preis zu bestimmen.

Natürlich kann es sein, dass irgendwo in den Nutzungsbedingungen der Verkauf von Codes ausgeschlossen wird. Doch solange man über einfaches Einfügen eines 12-stelligen Codes in ein Formularfeld einen kompletten Film freischaltet, kann der Handel mit diesen Codes nicht unterbunden werden. Das Schöne an den UltraViolet Codes ist zudem, dass es keine wirklichen Geo-Restriktionen gibt. Zwar wird darauf verwiesen, dass das Angebot für die USA gilt aber ein Geoblocking findet nicht statt – kann es auch nicht, denn sonst könnten US-Bürger ihre Filme nicht außerhalb der USA sehen. Somit dürften wir in Zukunft auch in Deutschland schnell und einfach über Codes an die neusten Hollywood-Streifen kommen.

Diese Entwicklung hat massive Implikationen für Hollywood. Die einzige Chance, die ich für die Studios sehe, ist zu erkennen, dass DVD und Blu-Ray tot sind und deshalb UltraViolet massiv und losgelöst von physikalischen Trägern vermarktet werden muss. Nur so können sie den Preis kontrollieren und bis zu einem gewissen Punkt die regionale Verbreitung steuern.

UltraViolet im Alpha-Stadium

Losgelöst von der Preisthematik hat UltraViolet noch einige Stolpersteine, die mehr der Usability und dem Konzept des Standards geschuldet sind. Ein Beispiel? Hier ist der Ablauf, den man durchlaufen muss um einen Film in UltraViolet zu laden.

  1. Man legt einen Account beim Verkäufer des Films an. In diesem Fall Flixter. Selbst wenn man dort einen Facebook-Login verwendet muss man trotzdem noch weitere Schritte durchlaufen.
  2. Man wird darauf hingewiesen, dass man einen UltraViolet Account benötigt oder sich mit seinem UltraViolet Account anmelden muss.
  3. Legt man einen UltraViolet Account an, dafür muss man alle Daten noch einmal angeben und wird auf die UltraViolet Seite verwiesen.
  4. Der Flixter Account muss mit dem UltraViolet Account verknüpft werden.
  5. Man muss die Einlöseseite des UltraViolet-Films aufrufen und dort durch den Einlöseprozess durchlaufen. 1) Login bei Flixter 2) Login bei UltraViolet 3) Eingeben des Codes 4) Freischalten des Films.
  6. Ansehen des Films als Stream über die Flixter-Seite oder Download des Films über die Flixter Adobe-Air Applikation.

Abgesehen davon, dass der Prozess ein wahrer Signup-Horror ist, lässt die Implementation zu wünschen übrig. Spätestens seit Twitter und Facebook Applikationen erlauben, gibt es genügend Beispiele wie man einfach und schnell zwei Webservices miteinander verknüpft. Die Verknüpfung von UltraViolet mit Flixter erscheint im Vergleich dazu wie aus einem anderen Jahrzehnt. Dieses Gefühlt zieht sich durch die komplette UltraViolet Applikation. Der Dienst wirkt an vielen Ecken nicht wirklich durchdacht und erst recht nicht mit Liebe zum Detail gestaltet, so kommt keine wirkliche Freude bei der Nutzung auf.

Neben diesen Usability Problemen gibt es meiner Einschätzung nach noch ein konzeptionelles Problem. Es ist für den Nutzer nicht wirklich klar was UltraViolet ist. Laut Selbstbeschreibung ist es ein „Digital Rights Locker“ in der Praxis ist es wenig mehr als eine Linkliste.

Wahrscheinlich laufen im Hintergrund hochkomplexe Prozesse ab für den Nutzer jedoch bedeutet das wenig. Er sieht auf UltraViolet seine Rechte muss jedoch wenn er die FIime sehen will wieder auf die Seite der Anbieter zurück. Somit fällt ein Argument für den zentralen Dienst – eine Anlaufstelle für alle Filme – flach. Theoretisch hätte die UltraViolet-Seite zu einem zentralen Shop und falls das nicht möglich ist zumindest zu einem zentralen Abspielportal für digitale Filme werden können. Beides sind Propositions, die Nutzer leicht verstehen. In der jetzigen Ausgestaltung stört die Seite mehr den Ablauf als dass sie einen Mehrwert bietet. Eine Linkliste zu gekauften Filmen ist den Aufwand nicht wert durch die ganzen zusätzlichen Schritte zu gehen.

Weichenstellungen für UltraViolet

Angesichts dieser Probleme bin ich gespannt wie sich UltraViolet weiterentwickelt. Erstens erwarte ich, dass Warner entweder versucht juristisch gegen den Code-Verkauf vorzugehen oder den Verkauf von DVDs und Blu-Rays mit Codes einstellt. Sollten die Auswirkungen zu massiv sein könnte das momentane Experiment auch dazu führen, dass weiere UltraViolet Initiativen vorerst auf Eis gelegt werden.

Zweitens sollten die Konsortiumsmitglieder schnell und nachhaltig an der Usability und der UltraViolet Proposition arbeiten um sie zu einem Angebot auszubauen, das Kunden spass macht. Die Konkurrenz steht bereits in den Startlöchern. Amazon mit dem Kindle Fire und Apple mit Movies in der Cloud werden versuchen ihre eigenen digitalen Formate zu etablieren und diese werden definitiv eine bessere Usability haben.

[Gugel-Kolumne] TV First: Multiplattform-Strategie zur Videodistribution

Jim Louderback von Revision3 hat bereits angedeutet, wie wichtig unterschiedliche Screens und Plattformen für den Vertrieb von Videoinhalten sind.

We want to be wherever our audience happens to be in a video viewing mood, and that’s not always on YouTube.

Angesichts immer neuer Geräte und Plattformen stellt die Verbreitung von Bewegtbildinhalten eine immer größere Herausforderung dar. Auf der einen Seite gilt es eine Multiplattformstrategie abzustimmen, die entscheidet auf welchen Plattformen Inhalte vertrieben werden und auf der anderen Seite gilt es im Rahmen einer Multiscreenstrategie abzuwägen wie die Inhalte adäquat für verschiedene Screengrößen und Nutzungsszenarien aufbereitet werden.

Bei den Plattformen reicht die Bandbreite von Betriebssystemen wie iOS und Android über Standards wie HbbTV und HTML5 bis hin zu Services wie YouTube, Twitter und Facebook. Kombiniert man diese Komplexität noch mit multiplen Screengrößen wird daraus schnell ein undurchsichtiges Gebilde. Die Herausforderung ist Plattformen, Geschäftsmodelle, technische Rahmenbedingungen und Nutzungskontexte abzuwägen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

Multiplattform Ansätze und Probleme

Trotz der Fülle an Plattformen ist die Verlockung groß möglichst jede existierende und neue Plattform zu bedienen, ist doch zumindest bis zu einem gewissen Punkt zu erwarten, dass die Plattformen dazu genutzt werden können um neue Nutzer zu generieren oder existierende Nutzer stärker zu binden. Allerdings besteht auf der anderen Seite die Gefahr der Fragmentierung.

Wenn für jede neue Plattform eine entsprechende App entwickelt werden muss, die im Zweifelsfall anders zu bedienen ist, neue Möglichkeiten, technische Gegebenheiten und Restriktionen besitzt wird es schwierig den gemeinsamen Nenner zu finden. Zudem geben Plattformen wie Facebook, YouTube und Twitter einen engen Rahmen vor in dem sich die Anbieter bewegen müssen und entscheiden oftmals selbst, welche Plattformen bedient werden und wie die Inhalte für die verschiedenen Screens aufbereitet werden. So kann man zum Beispiel im Web auf YouTube den eigenen Channel bis zu einem gewissen Punkt anpassen und gestalten, sämtliche Einstellungen dort gehen jedoch verloren, wenn YouTube auf anderen Screens wie dem Smartphone oder dem TV genutzt wird.


Quelle: Nielsen und BBC iPlayer Performance

In Deutschland konzentrieren sich die Sender gerade auf HbbTV- und mobile Applikationen. Beides sicherlich interessante Plattformen, die aber wenn man sich die Zahlen aus US und UK ansieht zusammen unter 10% der Videonutzung ausmachen und so nicht wirklich kurzfristig zu einer signifikant höheren Bewegtbildnutzung beitragen werden.

Folgt man den Nutzungszahlen von Hulu, Netflix und iPlayer müssten Spielkonsolen im Fokus aller TV-Sender und Produzenten stehen. Die Playstation3 ist für Netflix und den iPlayer die wichtigste Plattform neben dem PC, die XBox ist es für Hulu. Auch in Deutschland stellen Konsolen eine interessante Plattform für Bewegtbildinhalte dar. Bis jetzt wurden 9,2 Millionen internetfähige Wii, XBox und PS3 verkauft, die in der Mehrzahl mit dem Internet verbunden sind. Damit bieten sie schon heute eine signifikante Reichweite, die von ConnectedTVs erst noch erreicht werden muss – es wurden in Deutschland bis jetzt ca. 6,4 Millionen internetfähige Fernseher verkauft.

Spielkonsolen als ultimative Videoplattform

Das Potential, das im Wandel von einer Spielkonsole hin zu einer Plattform für Videoinhalte schlummert haben alle Konsolen-Hersteller erkannt auf allen drei Geräten sind Apps für Videoinhalte aus dem Netz verfügbar. Microsoft geht jedoch einen Schritt weiter indem über XBox Live der Zugang zu kompletten Kabelkanälen und PayTV-Plattformen ermöglicht wird. Gerade hat Microsoft bekannt gegeben, dass in Zukunft auch Comcast, Verizon, HBO, Syfy, Bravo und Epix Inhalte auf der XBox verfügbar sind zudem wird das Content-Angebot in England und Spanien massiv ausgebaut. Diese Inhalte erweitern das bereits reichhaltige Bewegtbild-Angebot, das bisher AT&T U-Verse, Netflix, Hulu & ESPN sowie BSkyB in UK umfasste.

Nutzer können je nach Kabelanbieter und PayTV-Paket die Inhalte auf der XBox freischalten und darüber hinaus auf die kostenlosen Inhalte von Hulu oder ihren Netflix Account zugreifen – alle Inhalte werden über das Internet auf die XBox übertragen. Garniert wird der Service von Bing Universal Search, das einem per Sprachbefehl die richtigen Inhalte liefert. Der Service von Microsoft zeigt, dass auch die großen Kabelnetzwerke und PayTV Sender das Potential der Spielkonsolen erkannt haben. Die Partner lassen sogar zu, dass ihre Inhalte über eine einheitliche Suche aus dem ursprünglichen Bundle herausgelöst werden, was den Wert den sie der Plattform beimessen weiter unterstreicht.

Interessant ist, dass es keine Deutschen Partner gibt. Für die Deutsche Telekom wäre es ein leichtes genauso wie AT&T bei U-Verse die XBox als Set-Top-Box Alternative für Entertain anzubieten und auch Sky hat mit BSkyB eine Blaupause für die Integration.

Screen-Ansatz hilft bei der Fokussierung


Quelle: Nielsen, Sandvine und BBC iPlayer Performance

Doch es geht nicht nur um Spielkonsolen. Betrachtet man die Nutzung nicht nach Plattformen sondern nach Screens wird schnell klar, wo die Präferenz der Nutzer liegt. Bewegtbild wird auf dem Fernseher gesehen egal ob die Inhalte aus dem Netz kommen oder aus dem Rundfunk. Bei Netflix liegt die Nutzung am TV-Screen schon über der PC-Nutzung, der iPlayer ist auf dem besten Weg dorthin und auch für Hulu macht der TV-Screen schon fast ein Drittel aus – das obwohl die Empfangsoptionen hier noch nicht so umfangreich sind wie bei Netflix oder dem iPlayer. Die Videonutzung der Services auf dem Tablet oder Smartphone ist momentan noch ein Nischenphänomen, wobei hier vor allem mit zunehmender Verbreitung von Tablets ein starker Anstieg zu erwarten ist.

TV first

Betrachtet man diese Zahlen sollte der Kern einer Multiplattform-Strategie zur Videodistribution TV first sein. Es gilt zuerst Plattformen zu bedienen, die es Nutzern erlauben die Inhalte auf dem Fernseher zu konsumieren. Angesichts der eingeschränkten Navigationsmöglichkeiten am Fernseher sollte hier schnell das eigene Angebot platziert werden, denn ähnlich wie bei den Kanälen wird sich wohl auch bei den online Angeboten am Fernseher ein Relevant Set etablieren. In den USA sind mit YouTube, Hulu und Netflix schon drei Plätze im Set fest vergeben.

Neben der Frage welche Plattformen bedient werden und in welcher Priorität sollte zudem überlegt werden wie angesichts der vielfältigen Einflussfaktoren seitens der Plattformen die Identität des Senders bzw. des Anbieters gewahrt bleibt. Dabei geht es darum eine Lösung zu finden, die es einerseits erlaubt flexibel und schnell neue Plattformen zu bedienen und andererseits ermöglicht gewisse Grundstandards und Prinzipien auf jede Plattform zu transportieren damit das eigene Angebot nicht in einzelne Apps und Fragmente zerfällt.

[Gugel-Kolumne] Social TV

Fernsehen als soziales Erlebnis ist im offline Kontext eine Selbstverständlichkeit, der Watercooler-Effekt und die Lagerfeueratmosphäre werden zurecht immer wieder als Besonderheiten des Mediums zitiert. Ausgehend von diesen Phänomenen ergeben sich viele Anknüpfungspunkte um das TV-Erlebnis auch im Netz sozialer zu gestalten indem die vorhandenen Social Graphen genutzt werden und gleichzeitig neue Verbindungen hinzugefügt werden. Die Ansatzpunkte die sich diesem Problem widmen und zu Social TV im Netz führen lassen sich grob in vier Bereiche gliedern: Programmauswahl, Interaktivität, sozialer Kontext (aka Lagerfeuer) und Distribution.

Programmauswahl

Es gibt verschiedene Ansätze, die versuchen das TV-Programm relevanter für den Nutzer zu gestalten indem sie verschiedene Social Media Quellen integrieren. SocialGuide rankt Shows und Sendern nach den Social Media Interaktionen der Nutzer. Das Ergebnis sind Programmlisten, die nach Häufigkeit der Interaktion gerankt sind und so dem Nutzer einen anderen Zugang zum TV-Programm versprechen. Um dieses Ergebnis zu erhalten hat SocialGuide im Juli über 10 Millionen Kommentare zu TV-Shows auf den verschiedenen Plattformen wie Facebook und Twitter getrackt.

Einen personalisierten Ansatz verfolgt Clicker. Das von CBS für $50-100 Millionen gekaufte Startup nutzt Facebook Connect dazu seinen Nutzern TV-Inhalte zu empfehlen, die sich aus den Präferenzen der Freunde bedienen. Daraus entsteht ein personalisiertes TV-Programm für jeden Nutzer, das aus Internet und TV-Inhalten besteht. Ähnliche Ansätze verfolgen auch die VodPod-Macher mit ihrer iPad App ShowYou. In dieser App werden alle Videos, die Freunde auf Facebook, Twitter oder VodPod sharen zusammengefasst. Der Weg von dort hin zu einer sinnvollen Erweiterung um TV-Inhalte ist nicht mehr weit. Auch Boxee möchte die Programmauswahl mit seiner iPad App neu definieren und bietet deshalb ein sehr ähnliches Spektrum wie ShowYou.

Neben diesen Anwendungen könnte auch Facebook selbst sich in diesem Feld breitmachen, wenn die Bemühungen von Christian Hernandez Gallardo, Head of International Business Development bei Facebook, Früchte tragen:

We’ve talked to broadcasters about putting their whole EPG as events on Facebook, and letting people RSVP to them to get a reminder.

Die Ansätze zeigen, wie breit das Spektrum ist von Crowdsourcing über Personalisierung bis hin zur Aggregation von gesharten Inhalten bieten sich viele Möglichkeiten die Programmauswahl durch ein soziales Element neu zu gestalten.

Interaktivität

In dieser Kategorie ist die Integration von Social Web Elementen bereits am weitesten fortgeschritten. Twitter als Treiber ist mittlerweile aus dem Fernsehen nicht mehr wegzudenken, denn die Sender haben erkannt, dass sie über Twitter ihre live Programme gegenüber der ondemand Nutzung aufwerten können – Interaktion macht nur im live Szenario Sinn.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass viele Sender Hashtags ins Bild aufnehmen. Dies kann das Tweetvolumen um das zwei- bis zehnfache steigern. Des Weiteren haben die Sender Twitter als Quelle für Nutzermeinungen entdeckt und binden Tweets munter in Nachrichten und Shows ein. Damit die Sender mit Tweets nicht genauso umgehen, wie mit YouTube Videos, die mit Quelle: YouTube gesendet werden, hat Twitter Richtlinien erstellt. Darin wird erklärt, wie Tweets und Inhalte im Fernsehen korrekt eingebunden werden können.

Allerdings schießen manchmal die Redaktionen etwas über das Ziel hinaus. Jon Stewart zeigt in der Daily Show einige Stilblüten, die jeden daran erinnern sollten, dass Tweets im live Programm kein Selbstzweck sind.

Welche weiteren Startups und Entwicklungen es rund um interaktives Fernsehen gibt findet sich in diesem Artikel.

Sozialer Kontext

Wenn es darum geht im Netz die Lagerfeueratmosphäre für ondemand Inhalte herzustellen, wird es bereits schwieriger. Die Couch im Wohnzimmer mit ein paar Freunden lässt sich nicht ohne weiteres ins Netz verlagern – schon gar nicht immer dann wenn der Nutzer gerade Lust dazu hat. Nichtsdestotrotz gibt es einige Ansätze, die genau das versuchen.

Chill synchronisiert YouTube Videos, so dass mehrere Nutzer gleichzeitig dasselbe Video sehen. Dabei setzt das Startup auf ein ähnliches Prinzip wie Turntable.FM. Bei Chill können einzelne User den VJ in Lounges spielen und Videos von YouTube vorschlagen, die sie dann gemeinsam mit anderen ansehen und sich über einen Chat dazu austauschen. Zudem existieren ein einfaches Bewertungssystem und ein Kinosaal in dem die Nutzer abgestellt werden.

Einen Schritt weiter zur Couch geht Google mit Hangout. Dort können sich die Nutzer nicht nur spontan zu einer Videokonferenz zusammenschalten sondern über einen kleinen Umweg auch gemeinsam YouTube Videos und Livestreams ansehen. Einige Musiker haben bereits mit Hangout experimentiert um darüber Konzerte live zu streamen in dem die Nutzer das Signal einfach immer weiter verbreiten um so die Hangout-Grenze von 10 Teilnehmern zu umgehen. Wer daran teilnehmen möchte um es zu erleben findet auf Hangoutparty den nächsten Termin.

Hangout und Chill demonstrieren wie eine Lagerfeuerstimmung auch im Netz aufkommen könnte: entweder über Avatare oder über Videopräsenz lässt sich die Anwesenheit anderer Personen simulieren. Das deutlich interessantere an diesen Diensten ist jedoch, dass sie Adhoc Communities rund um den Inhalt schaffen, die nicht unbedingt an Freundesbeziehungen sondern viel mehr an den Inhalt geknüpft sind. Sie werten Inhalte allein dadurch auf, dass der Inhalt gleichzeitig von andere Zuschauern gesehen wird und dem Nutzer dies bewusst gemacht wird (ähnlich wie man eher ein gut besuchtes Restaurant auswählt als ein leeres).

Distribution

Wenn es um die Verbreitung von TV-Inhalten über Social Media geht sollte man eigentlich meinen, dass dies eine klare Angelegenheit ist. TV ist ein attraktiver emotionaler Inhalt mit dem Nutzer live Interagieren, die Verbreitung sollte also fast von allein vonstatten gehen. Trotzdem zeigt ein kurzer Vergleich von sozialen Interaktionen Rund um TV-Inhalte (mit Trendrr) und YouTube Videos (mit Unrulymedia) erstaunliches.

Die Top-YouTube Videos erzielen zum Teil eine bessere Reichweite in Social Networks als dies die TV-Inhalte tun. Vor allem Blogs und Facebook sind bei YouTube Videos deutlich stärker vertreten als bei den TV Shows. Natürlich ist es ein wenig Äpfel mit Birnen verglichen, ich bin jedoch der Meinung, dass TV-Shows hier deutlich unter ihrem Potential bleiben. Sie könnten, was die Distribution über Social Media anbelangt, eine deutlich breitere Verbreitung erreichen als sie es momentan tun. Allein die Tatsache, dass so gut wie kein Tweet über eine TV-Sendung auch einen Link zu dieser beinhaltet spricht Bände. Ein Tweet zu einem YouTube Video ohne Link zu YouTube ist hingegen undenkbar.

Das Problem könnte darin liegen, dass die TV-Inhalte nicht (einfach) verlinkbar oder die Inhalte zu fragmentiert sind. Worauf sollen die Nutzer verlinken? Auf die Programmankündigung, die Showseite oder doch lieber auf das eventuell vorhandene Video in der Mediathek?

Während es für die anderen Bereiche viele Startups gibt, die versuchen die Probleme zu lösen liegt der Ball bei der Distribution bei den Sendern. Doch die sind eher damit beschäftigt die Piraterie vor dem Aussterben zu bewahren indem sie wie Fox ihre Inhalte hinter Paywalls verstecken als zu versuchen ihre Inhalte möglichst weit zu verbreiten.

Social TV

Um das Fernseherlebnis im Netz wirklich sozial zu gestalten und sowohl den Watercooler Effekt als auch die Lagerfeueratmosphäre zu transportieren müssen die vier Bereiche zusammenarbeiten. Idealerweise hilft ein personalisierte Programmführer, den Nutzern bei der Auswahl der Inhalte. Während des Konsums wird der soziale Kontext durch die Simultanität hergestellt – auch wenn das Video ondemand gesehen wird – und natürlich können die Nutzer dabei mit anderen Zuschauern interagieren. Letztlich wird es spannend werden ob sich Plattformen wie Facebook, Google+ oder Twitter weiterentwickelt um alle diese Bedürfnisse zu befriedigen oder ob sich für jeden Bereich separate Lösungen etablieren werden, die lediglich Basisdaten von den großen Plattformen beziehen.

Hulu am Ende? Der Lack ist ab.

Jede Woche hört man neue Gerüchte und Wasserstandsmeldungen zum Hulu-Verkauf. Bis jetzt gibt es allerdings lediglich die Aussage von Disney Chef Bob Iger zur Verkaufsabsicht als handfeste Bestätigung für den Prozess. Bereits seit Mitte 2010 kursieren Gerüchte darum, dass die Hulu-Eigentümer Disney, NBCUniversal, Fox und Providence Equity Partners die Firma auf eigene Beine stellen möchten. Damals war noch ein Börsengang das Ziel, dieser hat sich jedoch aufgrund der ungeklärten Verlängerung der Lizenzverträge zerschlagen.

Nachdem der IPO nicht realisiert werden konnte konzentrieren sich die Bemühungen nun auf einen direkten Verkauf. Im Moment scheinen sich die Internetgrößen die Klinke bei Hulu in die Hand zu geben. Microsoft, Apple, Amazon, Yahoo! und Google haben sich zumindest einmal schlau gemacht, was Hulu zu bieten hat. Doch es dürfte nicht ganz einfach sein Hulu an den Mann zu bringen, denn nach vier Jahren ist der Lack ab und größere Probleme und Herausforderungen werden ersichtlich.

Hulus Herausforderungen

Stagnierendes Wachstum

Hangelte sich Hulu in den ersten Jahren noch von einem Rekordmonat zum nächsten konnte Hulu in den letzten Monaten lediglich noch das Werbevolumen steigern. Hulus Unique Viewers liegen zur Zeit sogar um fast 20 Millionen unter den Höchstwerten vom Mai 2010 und Dezember 2009. Zudem kann sich Hulu nicht mehr deutlich von den Reichweiten vieler TV-Sender absetzen, was andeutet, dass es Hulu nicht (mehr) schafft mehr zu bieten als die Summe seiner Teile.


Zahlen auf Basis der Comscore Videometrix 2.0

Betrachtet man die Viewing Sessions erkennt man, dass sich das Nutzungsverhalten auf Hulu verändert hat. Da die Anzahl der Sessions relativ stabil bleibt kann man daraus schließen, dass es Hulu geschafft hat sich ein Stammpublikum zu erarbeiten, dass den Dienst intensiv nutzt. Jeder dieser Nutzer sieht auf der Seite im Monat ca. 3:42 Stunden Videos damit ist Hulu die Nummer zwei hinter Netflix mit 8:34 Stunden. Es scheint fast so als ob Hulu sein Publikum gefunden hätte es jedoch nicht recht gelingt die Userbasis auszuweiten und viele User, die Aufgrund von TV-Werbung auf den Service aufmerksam wurden nicht gehalten werden konnten.


Zahlen auf Basis der Comscore Videometrix 2.0

Starke Konkurrenz

Zu Beginn konnte sich Hulu durch eine überlegene Usability, das Interface und einen klaren Fokus auf Bewegtbild von anderen Angeboten abgrenzen. Nirgends sonst standen TV-Inhalte so im Fokus und war es so einfach diese zu sehen. Doch die TV-Sender und andere Portale haben schnell gelernt und mittlerweile kann sich Hulu nicht mehr über diese Merkmale differenzieren.

Neben der Konkurrenz durch Portale und TV-Sender hat sich vor allem Netflix als Hulu Konkurrent hervorgetan. Die Kräfteverhältnisse zeigen sich hier nicht nur in der Sehdauer, die bei Netflix mehr als doppelt so hoch ist, sondern auch beim Wachstum der beiden Subscription-Dienste. Während Hulu plus wohl bis Ende Q3 die 1 Million Abonnenten Grenze überschreiten wird kratzt Netflix an der 10 Millionen Grenze für Streaming only Kunden und das obwohl Netflix das Angebot 5 Monate nach Hulu plus eingeführt hat. Es zeigt sich, dass die Mehrzahl an Kunden Netflix Hulu plus vorzieht.

Content Rechte

Netflix und Hulu (plus) unterscheiden sich maßgeblich bei den Inhalten. Während Hulu exklusiven Zugriff auf aktuelle Serien und TV-Inhalte hat bietet Netflix einen breiten Katalog an Inhalten von Filmen über TV-Serien bis hin zu Dokumentationen. Hier treffen zwei Philosophien aufeinander. Hulu positioniert sich als TV-Chatchup Service, der Zugriff auf verpasste Inhalte bietet. Hulu ist damit noch zu einem großen Teil abhängig vom Sendeplan der TV-Stationen. Netflix positioniert sich hingegen als vollumfängliches Unterhaltungsangebot das losgelöst vom TV angeboten wird und Zugriff auf einen breiten Katalog erlaubt.

Hulu ist mit dieser Ausrichtung extrem davon Abhängig, dass es die Inhalte von den großen Sendern exklusiv erhält. Damit steht und fällt das Angebot mit den Content-Verträgen zwischen Hulu und seinen Besitzern. Was für negative Auswirkungen diese Abhängigkeit haben kann zeigt Fox. Der Sender führt ein neues online Pay-Fenster ein in dem Inhalte 8 Tage nach Ausstrahlung nur für Pay-TV Kunden und Hulu plus Abonnenten zu sehen sind. Hulu muss diese Änderung einfach an seine Kunden durchreichen und wird damit eines USPs beraubt.

Für einen Verkauf ist die Zusicherung dass der Käufer die Inhalte auf zwei Jahre exklusiv und für mindestens 5 Jahre erhält essentiell. Doch die Netflix-Situation illustriert, dass die Hulu-Rechte sehr wahrscheinlich nicht ausreichen um Hulu zu weiterem Wachstum zu verhelfen.

Geringe Marge

Hulu als Joint Venture der großen TV-Sender in den USA war von Anfang an auf die Bedürfnisse der Eigentümer zugeschnitten. Jason Kilar hat es zwar geschafft Zugeständnisse in manchen Bereichen zu erkämpfen aber trotzdem war Hulu immer so aufgestellt, dass die Eigentümer nur gewinnen konnten. Um das zu gewährleisten sind die Lizenz so gestrickt, dass Hulu 70% der Umsätze an die Contentinhaber abführen muss. Zählt man die 10% hinzu, die Partner für Traffic erhalten bleiben Hulu lediglich 20% um daraus alle anfallenden Kosten wie Personal, Traffic, Hosting etc. zu bezahlen.

Hulus Marge ist also sehr gering und wird es auch nach einer Übernahme bleiben. Die Eigentümer sehen Hulu als Vehikel um eine neue Revenue-Share zu etablieren, der weg geht von den bekannten 50:50 Splits. Netflix wendet hingegen im Moment gerade einmal 40% der Umsätze für Inhalte auf – es wird zwar damit gerechnet dass diese Zahl auf 50% steigt aber trotzdem wäre der eine oder andere Käufer wohl besser beraten direkt Deals zu verhandeln statt einfach Hulu zu übernehmen.

Mögliche Käufer

Angesichts dieser Liste an Herausforderungen stellt sich die Frage, welcher Käufer am besten damit umgehen kann und am meisten von den Hulu-Assets profitiert.

Apple kann man meiner Meinung nach ausschließen. Hulu bietet wenig, das Apple nicht selbst erreichen könnte. Apple hat viel Erfahrung darin Content-Deals auszuhandeln. Nicht zuletzt ist es ihnen gelungen alle Major Labels unter einen Hut zu bekommen, was sowohl Amazon als auch Google verwehrt blieb. Des Weiteren ist Steve Jobs der größte Disney-Aktionär von daher haben sie definitiv einen Fuß in der Tür, wenn es um TV- und Filmrechte geht. Will Apple einen TV-Dienst starten werden sie meiner Meinung nach direkt mit den Contentinhabern verhandeln.

Yahoo! würde sicherlich Hulu gerne kaufen und vom Profil würden die beiden Unternehmen sicherlich gut zusammen passen. Allerdings stellt sich Angesicht der internen Probleme bei Yahoo! die Frage ob dadurch nicht mehr Baustellen bei Hulu aufgerissen werden als geschlossen werden.

Microsoft wäre ein interessanter Partner. Hulu würde XBox live deutlich aufwerten und auch um TV-Inhalte auf Windows Phone 7 zu bekommen würde sich der Kauf eignen. Allerdings waren bis jetzt alle Content-Angebote von Microsoft nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Microsofts Stärken liegen darin eine Plattform bereit zu stellen – nicht die Inhalte.

Amazon könnte sehr stark von Hulu pofitieren und durch die Integration von Hulu in Prime Instant Videos das Angebot deutlich attraktiver machen und so schneller zu Netflix aufschließen. Hulu wäre außerdem ein weiterer attraktiver Inhalt für die kolportierten Android Tablets von Amazon. Zusammen mit der IMDB, Lovefilm, Prime Instant Videos und Amazon VoD hätte Amazon so ein umfassendes Film und TV-Angebot, das es mit jedem Konkurrenten aufnehmen könnte.

Google ist wohl der Käufer der am direktesten von Hulu profitieren würde. Mit YouTube kann Google bereits den Löwenanteil des Online Videomarktes für sich beanspruchen. Durch Hulu käme eine weitere Dimension an Inhalten hinzu, die über YouTube an ein noch breiteres Publikum vertrieben werden könnten. Mit Hulu hätte Google den werbefinanzierten Online Videomarkt fest im Griff und es würde für alle anderen sehr schwer werden noch einen Fuß in die Tür zu bekommen. Allerdings könnte genau dieser Umstand gegen Google sprechen, wenn die Hulu-Eigentümer die Gefahr für sich als zu groß einstufen.

Bonus: Walmart hat gerade Vudu als VoD-Store auf der eigenen Seite freigeschalten. Als größter Kunde Hollywoods für DVDs hat Walmart natürlich ein starkes Interesse daran diese Position auch im Internet zu erreichen. Hulu könnte hierbei helfen.

Bonus: Samsung wird es wohl bald schaffen mehr Telefone als Apple zu verkaufen. Ein Ökosystem hat der Elektronikhersteller jedoch noch nicht geschaffen. Hulu würde Samsung Handys und Fernseher deutlich gegenüber der Konkurrenz aufwerten.

Fazit

Obwohl Hulu eine attraktive Firma darstellt, ist der Verkauf nicht ganz trivial einerseits weil Hulu selbst einige Herausforderungen zu meistern hat andererseits, weil der Käufer wohl nicht nur genügend Geld auf den Tisch legen muss sondern zudem noch glaubhaft darlegen muss, dass er keine Gefahr für das Kerngeschäft der jetzigen Eigentümer darstellt. Diesen Test könnten einige Interessenten nicht überstehen.

Eines erscheint jedoch sicher: Hulu in seiner jetzigen Form ist am Ende. Die großen TV-Konzerne sind nicht mehr breit ihre Zukunft mit Hulu selbst zu gestalten. Hätten sie ein Interesse daran würden sie Hulu nicht verkaufen sondern weiter massiv in Hulu investieren um es auf die nächste Stufe zu heben. Das Traurige ist, dass Jason Kilar und Hulu aus vielen Schlachten mit den Eigentümern siegreich hervorgegangen sind und jetzt trotzdem den Krieg verlieren. Es bleibt zu hoffen, dass einer der potentiellen Käufer Hulus Potential realisiert und die Herausforderungen meistert. Allein bei den Problemen die Hulu schon jetzt mit den Rechteinhabern hat fehlt mir der Glaube daran.

[Gugel-Kolumne] Bundesliga als Eintrittskarte zum online PayTV

Letzte Woche hat das Kartellamt einem Modell der Deutschen Fussball Liga (DFL) zugestimmt, das kostenlose Spielzusammenfassungen im Internet auf eine Stufe mit der Ausstrahlung im FreeTV stellt. Damit eröffnen sich für die DFL neue Vermarktungsmodelle. Der Gedanke ist durch die Verlagerung der Sportschau ins Netz das PayTV attraktiver zu gestalten und darüber die Einnahmen zu steigern. Allerdings könnte die DFL im Netz meiner Meinung nach deutlich mehr erlösen als sie es im Moment tut und vor allem den Grundstein für eine direkte Kundenbeziehung legen indem sie ein eigenes online PayTV-Angebot schafft.

Momentan ist die Rechtelage im Internet kompliziert. Die Telekom bezahlt 25 Millionen pro Spielzeit für die IPTV-Rechte, Sky hat die WebTV-Rechte für ebenfalls 25 Mio Euro pro Spielzeit wohingegen die Mobile-Rechte wieder bei der Telekom liegen. Für die Kunden bedeutet das sie können live Streams bei Sky kaufen, ein mobile Paket bei der Telekom oder das IPTV-Angebot der Telekom buchen. Ein Angebot das alle drei Dienste umfasst gibt es jedoch nicht. Dieses Chaos könnte die DFL mit der nächsten Ausschreibung auflösen. Wie ein erfolgversprechendes Modell für die Kundenzentrierte Internetvermarktung der Bewegtbildrechte aussieht machen die amerikanischen Ligen NBA, NHL und MLB vor.

MLB.TV als Referenz

Die MLB erwartet diese Saison 2 Millionen MLB.tv Abos für jeweils mindestens $99 pro Saison zu verkaufen – in der letzten Saison waren es erst 1,5 Millionen. Diese Zahlen kommen nicht von ungefähr. MLB.TV hat einen Standard etabliert, wenn es darum geht eine Liga im Netz zu übertragen: Die Nutzer erhalten Zugriff auf den Service auf ziemlich jedem internetfähigen Gerät, das Bewegtbild abspielen kann. Die Bandbreite reicht von Spielekonsolen über PCs und Internetboxen (Roku, AppleTV, Boxee) bis hin zu SmartTVs. Zudem stehen Applikationen für iPad, iPhone und Android zum Download bereit für die jedoch in der Regel noch einmal extra bezahlt werden muss. Die mobile Apps haben sich für MLB.tv als einer der wichtigsten Wachstumstreiber entwickelt. 37% der Nutzung findet auf Smartphones statt – insgesamt wurden 100 Millionen Streams zu Spielen abgerufen.

Abgerundet wird das Paket durch eine Fantasy League mit live Updates, umfangreichen Statistiken, die direkt ins Bild eingeblendet werden können und natürlich ein Spielarchiv aller Begegnungen der Saison.

Online und lineares TV ergänzen sich

Auch der NBA nicht verborgen geblieben, wie attraktiv ein online Angebot für die Nutzer ist und sie haben mit einem eigenen Angebot nachgezogen. Auf NBA.com wird ebenfalls ein breites Streamingangebot gegen Bezahlung angeboten. In den Grundzügen gleicht der NBA League Pass dem Angebot der MLB. Auch hier werden so gut wie alle Connected Devices unterstützt und zudem eine breite Palette an mobile Applikationen bereitgestellt.

Der Dienst erreicht jedoch deutlich höhere Nutzungszahlen als MLB.tv. Mit einem durchschnittlichen Wachstum von über 100% gegenüber dem letzten Jahr (App-Downloads, PageImpressions und TV-App-Usage) und 545 Millionen Videostreams konnte sich das NBA-Streaming Angebot profilieren. Das Interessante an diesen Zahlen ist, dass sie nicht zu lasten der TV-Quote gingen. Auch dort konnten Rekordwerte in dieser Saison erzielt werden. Damit zeigt sich, dass die Bereitstellung eines umfangreichen streaming Angebots, neue Zielgruppen erreicht jenseits der treuen PayTV-Nutzerschaft.

Vorschlag an die DFL

Die Beispiele der MLB und NBA werden auch der DFL nicht verborgen geblieben sein. Es kann also nur in ihrem Interesse sein, dass sie entweder über einen Partner oder selbst ein entsprechendes Angebot für die kommenden Spielzeiten schafft.

Dazu müssten zuerst die Rechte anders vergeben werden. Der Split zwischen WebTV, Mobile und IPTV ist so nicht haltbar. Zumindest die Web und Mobile-Rechte dürfen nicht getrennt werden um ein attraktives Angebot zu ermöglichen.

Werden die Rechte im Pakte vergeben kann ein attraktives streaming Angebot aufgebaut werden, das folgendes Umfasst:

  • Live Streaming aller Begegnungen in annähender HD-Qualität.
  • Archiv aller Begegnungen und on demand Abruf von zusätzlichen Inhalten.
  • Bereitstellung von Applikationen für Connected-Devices von AppleTVs über SmartTVs bis hin zu Spielekonsolen.
  • Mobile Applikationen für die großen Plattformen.
  • Eine eigene Fantasy League (Tippspiel).
  • Zusatzinformationen und Statistiken innerhalb der Streamingplattform.

Momentan erzielt die DFL mit den IPTV, Mobile und WebTV-Rechten 50 Millionen Euro pro Saison. Verlangt die DFL ähnlich wie die US-Ligen um die 100 Euro pro Saison für ein entsprechendes Paket wäre es durchaus möglich diese Einnahmen deutlich zu toppen. Die Bereitstellung der kostenlosen Spielzusammenfassungen im Web – wie angedacht – wäre dabei das ideale Einstiegsangebot um das Bezahlpaket zu promoten.

Neben den Einnahmen hätte eine entsprechende Vermarktung noch einen ganz anderen Effekt: die Liga würde deutlich an Profil und Image gewinnen und eine ganz andere Wahrnehmung erfahren. Sie hätte plötzlich direkten Zuschauerkontakt und könnte den Vereinen ebenfalls direkten Kontakt zu ihren Fans über die Streamingplattform erlauben. Ein Vorhaben das im Moment jeder Verein mühsam für sich selbst verfolgt (VfB.TV, S04.TV, FCB.tv …).

ESPN3 für Deutschland

Sollte die DFL das Angebot nicht selbst in die Hand nehmen gibt es einige Interessenten, die es gerne für sie übernehmen. Yahoo! und Google haben natürlich erkannt, was sie aus den Fussballrechten im Web machen könnten, doch Disney ist meiner Meinung nach der interessanteste Kandidat (Disney hat es bereits 2008 einmal versucht). Mit ESPN3 hat Disney in den USA einen ersten Internet only Sender aufgebaut, der seinen Abonnenten Zugriff auf 4000 live Events und ein umfangreiches on demand Angebot bietet. Dabei weißt ESPN3 einige Besonderheiten auf.

Telcos bezahlen für ESPN3

Ich bin davon überzeugt, dass sich die Kräfte zwischen Telcos und Internetservices verschieben werden: Nicht die Internetservices werden die Telcos bezahlen um Zugang zu den Nutzern zu erhalten sondern die Telcos bezahlen Internetservices um ihren Nutzern Zugriff auf die Inhalte zu ermöglichen. Dies ist die logische Konsequenz eines Marktes, der sich nur noch über Inhalte und nicht mehr über Preis, technische Merkmale oder Qualität differenzieren kann.

Genau dieses Modell hat ESPN3 in den USA bereits eingeführt. ESPN3 hat mit einigen ISPs entsprechende Vereinbarungen getroffen, die den ISP Kunden kostenlos Zugriff auf die Inhalte erlauben wofür die ISPs ESPN3 bezahlen. Bezahlt ein ISP nicht stehen die Inhalte seinen Kunden nur gegen direkte Bezahlung zur Verfügung. Über dieses Modell erreicht ESPN3 65 Millionen Breitbandanschlüsse. Es wäre sehr interessant zu sehen, was ESPN3 in Deutschland mit einem ähnlichen Modell erreichen würde, wenn sie z.B. kostenlosen Zugriff für 1&1 Kunden erlauben würden. Ein solches Angebot könnte wieder mehr Dynamik in den ansonsten relativ festgefahrenen Markt bringen.

ESPN3 als virtuelles PayTV

Für alle die ESPN3 nicht direkt über ihren ISP beziehen, bietet Disney verschiedene Möglichkeiten den Sender zu sehen. Ähnlich wie beim MLB.tv und NBA League Pass können auch über ESPN3.com Streaming Pakete abgeschlossen werden. Zudem bietet ESPN eine tiefe Integration in die XBox an und steht allen XBox live Gold Mitglieder kostenlos zur Verfügung. Dieses Angebot kann als erster Schritt von Microsoft in Richtung einer virtuellen PayTV-Plattform gesehen werden.

Mit diesen Aktivitäten hat es ESPN3 geschafft zusätzlich zu den ISPs Beziehungen einen virtuellen PayTV-Kanal zu etablieren. Die Rechte für die Bundesliga könnten der Grundstein für ein analoges Angebot in Deutschland sein. Der große Vorteil für Disney wäre, dass sie die technische Infrastruktur bereits haben und lediglich eine Lokalisierung der Dienste vornehmen müssten.

Das Netz als PayTV Starthilfe?

Es ist erstaunlich, dass sich in Deutschland bis jetzt noch kaum PayTV-Angebote im Internet herausgebildet haben. Anders ist es in den USA, dort bieten so ziemlich alle PayTV-Anbieter zumindest Zugriff auf alle Inhalte on demand und meist auch simultan im live Stream. Darüber hinaus entstehen dort zunehmend online PayTV-Kanäle von ESPN3 bis hin zu Glenn Beck TV.

Der deutsche Markt könnte sich demnächst ändern, denn wenn die DFL ihre Karten gut ausspielt könnte die Bundesliga als Katalysator für ein erfolgreiches online PayTV-Angebot agieren.

Allerdings ist es nicht trivial einen entsprechenden Service im Netz aufzubauen. Allein die Entwicklung und der Betrieb der Applikationen für die verschiedenen Plattformen beansprucht einiges an Zeit, Knowhow und Kapital. Darüber hinaus ist ein solcher Sender allein dafür verantwortlich Abonnenten zu generieren wohingegen er sich bei den klassischen PayTV-Plattformen nach Aufschaltung auf einen festen Betrag je Abonnent der Plattform verlassen kann. An dieser Stelle erscheint plötzlich XBox live Gold eine sehr attraktive Alternative zu sein. Die Vorteile des Internets kombiniert mit der Sicherheit einer PayTV-Plattform – Microsoft hat ein wirklich interessantes Entertainment-Angebot am Start.