Archiv der Kategorie: Networking Practice

Nachgefragt bei der Mediencommunity

Communities entstehen immer öfter in unterschiedlichen Bereichen zu ganz verschiedenen Themen. Auf der Suche nach einer Antwort, was Menschen in Communities treibt, haben wir bei Frau Dr. Ilona Buchem nachgefragt, die sich bei der Mediencommunity engagiert.

Was ist die Mediencommunity?
Mediencommunity – www.mediencommunity.de – ist eine Online Community für die Druck- und Medienbranche, insbesondere für die berufliche Qualifizierung. Mediencommunity wird seit 2009 im Rahmen des durch BMBF/ESF geförderten Forschungsprojektes „Mediencommunity 2.0“, unter der Mitwirkung der Beuth Hochschule für Technik Berlin als Konsortialführer entwickelt. Das übergeordnete Ziel des Projektes ist es, die Möglichkeiten nutzerorientierter Einbindung von Web 2.0 zur Verbesserung der Qualität der Aus- und Weiterbildung in der Druck- und Medienbranche zu untersuchen. Unsere Zielgruppe umfasst alle Menschen, die in der Druckindustrie lernen und arbeiten. Hierzu gehören sowohl Auszubildende, Schüler/Innen und Studierende als auch Ausbilder, Lehrer/Innen und Dozenten – vor allem in den Berufen Mediengestalter, Drucker und Buchbinde.

Basis für das Portal „Mediencommunity“ ist die Open Source Software Drupal. Sie beinhaltet zahlreiche Community-Angebote, die ständig weiterentwickelt und aktualisiert werden. Die drei Kernbereiche der Mediencommunity umfassen die Rubriken „Wissen und Nachschlagen“ mit dem Ziel „Informations- und Wissensaustausch“, den Bereich „Vernetzen und Mitmachen“ mit dem Ziel „Partizipation und Kollaboration“ und den Bereich „Lernen und Lehren“ mit dem Ziel „Lernen und Qualifizieren“. Mediencommunity-Mitglieder können sowohl an den vorhandenen Angeboten partizipieren als auch eigene Gemeinschaften und Lerngruppen gründen und diese in eigener Regie gestalten. Die Mediencommunity zählt aktuell über 2.600 registrierte Nutzer/innen und hat im Durchschnitt täglich 600 Besucher und 12.000 Seiten-Abrufe.

Was meinen Sie: Kann man Ihre “Initiative” als Community oder als Community of Practice bezeichnen?

    Falls ja, welche Kriterien der “Initiative“ sprechen aus Ihrer persönlichen Sicht für die Bezeichnung als Community oder Community of Practice?

Mediencommunity kann als ein komplexes, sozio-technisches System mit mehreren Teilsystemen bzw. Teilgemeinschaften verstanden werden. Diese Teilgemeinschaften bilden sich sowohl übergreifend als auch in den einzelnen Kernbereichen der Mediencommunity, d.h. „Wissen und Nachschlagen“, „Vernetzen und Mitmachen“ und Lernen und Lehren“. Die einzelnen Teilgemeinschaften können jeweils als Lerngemeinschaften, Interessengemeinschaften, Wissensgemeinschaften und/oder Praxisgemeinschaften (Communities of Practice) bezeichnet werden. Die unterschiedlichen Möglichkeiten der Beteiligung in der Mediencommunity fördern die Vielfalt der Gemeinschaftsformen. Übergeordnet würde ich also die Mediencommunity als eine „hybride Community“ bezeichnen, die unterschiedliche Arten virtueller Gemeinschaften beinhaltet, also auch „Community of Practice“.

Würden Sie sagen, Ihre “Initiative” bedient ein gewisses Community-Bedürfnis der aktiven oder auch weniger aktiven “Mitglieder”?

    Worin besteht Ihr spezielles Erfolgsgeheimnis? Was glauben Sie, ist Ihre spezielle “Rezeptur”?
    Können Sie einige Faktoren nennen, die dazu führen, dass Ihre Mitglieder/TeilnehmerInnen aktiv an der “Community” mitwirken?
    Welche Faktoren treiben Ihre “Community” immer weiter voran?

Die zahlreichsten und aktivsten Mitglieder der Mediencommunity sind Auszubildende-Mediengestalter/Innen. Diese kritische Masse entdeckten wir in der frühen Phase der Entwicklung durch den versuchsartigen, ersten Launch eines „Prüfungsvorbereitungswikis“. Dieses Angebot ermöglicht Auszubildenden in einer kritischen Situation, nämlich in der Phase der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung, eine gemeinschaftliche Problembewältigung.

In den Druck- und Medienberufen werden seit über 60 Jahren zweimal jährlich bundesweit einheitliche Prüfungen durchgeführt. Somit besteht eine ideale Ausgangssituation für den Aufbau überregional vernetzter virtueller Lernangebote für tausende Auszubildende, die sich jährlich gleichzeitig auf ihre Zwischen- bzw. Abschlussprüfung vorbereiten. Das Prüfungsvorbereitungswiki wird jeweils zwei Monate vor der Prüfung gestartet, um den Prüflingen eine Möglichkeit zu geben, sich bundesweit gemeinsam und unter Betreuung von Fachexperten auf zentrale Prüfungsthemen vorzubereiten. Durch die Bereitstellung weiterer Angebote zur Prüfungsvorbereitung konnten bisher kontinuierlich neue Nutzer gewonnen und in der Mediencommunity eingebunden werden. Viele Auszubildende nutzen in dieser Situation zum ersten Mal ein solches Angebot. Der „Leidensdruck“ der Prüfungssituation bringt sie offenbar dazu, neue Wege beim Lernen einzuschlagen.

Unsere Erfahrungen zeigen jedoch, dass nur ein kleiner Anteil der Nutzer aktiv mitwirkt. Die Ergebnisse unserer Evaluationen zeigen, dass die meisten Mediencommunity-Mitglieder die bereitgestellten Angebote nur „passiv“ bzw. „rezeptiv“ nutzen. So tendieren ca. 80% dazu, Beiträge nur zu lesen und nicht selbst zu schreiben. Da wir jedoch wissen, dass das Lernen sowohl durch „aktive“ als auch „passive“ Teilnahme, u.a. „Lurking“, angeregt werden kann und für viele das Lernen im Internet noch Neuland ist, würde ich diesen Tatbestand nicht negativ bewerten. Außerdem zeigen zahlreiche andere Forschungsarbeiten, dass in der Praxis nur ein Bruchteil der Gesamtheit dazu bereit ist, aktiv und regelmäßig in einer Community Beiträge zu leisten. Unsere Power-User treiben die Entwicklungen in den einzelnen Teilcommunities erfolgreich voran. Außerdem können wir damit rechnen, dass uns die Nutzer auch nach Abschluss der Prüfungen erhalten bleiben. Und mit jedem Jahrgang kommen neue Nutzer hinzu.

Gibt es in Ihrer Community bestimmte Initiatoren oder Mitglieder, die sich besonders engagieren, die bestimmte Rollen übernehmen oder Aufgaben ausführen, damit die Community lebendig bleibt?

    Wieviele Leute sind das schätzungsweise?
    Welche Eigenschaften dieser Personen sind besonders wichtig für die Aktivität in der “Community”?
    Braucht es aus Ihrer Sicht unterschiedlicher RollenträgerInnen, um eine “Community” wie die Ihre erfolgreich zu gestalten?

Angebote der Mediencommunity werden natürlich nicht nur durch die Projektmitarbeiter, sondern auch durch die Community-Mitglieder initiiert. Ein markantes Beispiel für eine solche Eigeninitiative ist eine spezielle Lerngruppe zur Prüfungsvorbereitung, die von einer Auszubildenden mit dem Nickname „Minerva“ nach dem Prinzip der Selbstorganisation gestaltet und moderiert wurde. In dieser Lerngruppe haben sich über 400 Auszubildende gemeinsam auf ihre Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung vorbereitet. Aus unseren Beobachtungen und Interviews kennen wir die zentralen Eigenschaften von „Minerva“, die diesen Erfolg ermöglichten: (1) die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, (2) die Fähigkeit eine größere Anzahl der Mitglieder kontinuierlich zu aktiver Teilnahme zu mobilisieren und (3) mit eigenen Kompetenzen und Verhaltensweisen ein Vorbild für die anderen zu schaffen.

Der Aufbau von Rollenstrukturen in einer Online Community ist sicherlich ein Zeichen für die Formalisierung von bestimmten Prozessen und gleichzeitig für die Verantwortungsübernahme. Aus meiner Sicht ist es jedoch wichtig, Offenheit gegenüber neuen Rollen und Funktionen zu bewahren, um die Communities nicht zu sehr erstarren zu lassen. Meines Erachtens muss es immer einen Spielraum für neue Rollen und neue Möglichkeiten der Organisation geben, um die Vitalität einer Community zu sichern.

Welche Maßnahmen und Aktivitäten sind aus Ihrer persönlichen Sicht entscheidend, damit eine längerfristige Community entsteht und die Mitglieder gemeinsam aktiv bleiben?

    Was machen Sie, um die Community aufrechtzuerhalten? Wie hoch ist Ihr individueller Einsatz?
    Welche Tipps würden Sie anderen geben, die sich für eine erfolgreiche Community-Arbeit einsetzen möchten (weniger instrumentell als aus persönlichem Antrieb – z. B. weil sie ein besonderes Interesse an einem Thema haben)?

Abschließend möchte ich fünf Maßnahmen nennen, die aus meiner Sicht für eine erfolgreiche Community-Entwicklung entscheiden sind.

Erstens ist es wichtig, die Zielgruppe aktiv anzusprechen und mit der Zielgruppe kontinuierlich im Dialog zu bleiben. Eine gute Community entwickelt ihre Angebote nicht nur für sondern vor allem mit ihren Mitgliedern. Durch den regelmäßigen Dialog mit der Zielgruppe ist es viel einfacher, Schwachstellen früh zu erkennen und wertschaffende Angebote zu gestalten. Auch die inhaltlichen Schwerpunkte sollten gemeinsam mit der Zielgruppe bestimmt werden.

Zweitens ist es wichtig, eine kritische Masse zu gewinnen, die eine Community „mit Leben füllt“. Auch dieser Schritt wird durch eine intensive Kommunikation mit der Zielgruppe vollzogen. Es kommt darauf an, engagierte Repräsentanten der Zielgruppen zu gewinnen und als Moderatoren, Redakteure, Inputgeber, Betreuer, Content-Ersteller usw. einzubinden.

Drittens ist es wichtig, Möglichkeiten zur sozialen Vernetzung der Community-Mitglieder zu schaffen. Die Vernetzung der Community-Mitglieder untereinander ist entscheidend für das gemeinsame Agieren, den Vertrauensaufbau, die Entwicklung des Gemeinschaftsgefühls, den Wissensaustausch. Neben Moderation sind hier auch die technischen Funktionalitäten entscheidend, die nutzerfreundliche und individuelle Profilgestaltung, Kontaktaufnahme und Kommunikation ermöglichen.

Viertens ist es wichtig, Selbstorganisation zu fördern, u.a. Möglichkeiten zur Initiierung von Aktivitäten, Selbstorganisation und Verantwortungsübernahme zu schaffen. Eine wichtige Rolle der Community-Betreiber ist es, Anleitung zu geben und die Kommunikation zu moderieren. Durch die Eigeninitiative und Selbstorganisation der Mitglieder entstehen neue Inhalte, das vorhandene Angebot kann ausgebaut werden, die bestehende Themenfelder werden erweitert und neue Mitglieder gewonnen.

Fünftens ist es wichtig, Maßnahmen zur Nachhaltigkeitssicherung zu planen. Es ist hilfreich früh genug (auch kommerzielle) Verwertungsideen zu generieren, Nachhaltigkeitsmodelle zu entwickeln und ansatzweise zu überprüfen und somit eine nachhaltige Entwicklung der Online Community strategisch zu planen. Über die Nachhaltigkeit sollte man nicht erst am Ende eines Förderprojektes nachdenken, sondern z.B. die gewonnenen Erkenntnisse kontinuierlich nach dem Iterations-Prinzip zur Weiterentwicklung bzw. zur Anregung von neuen Entwicklungen zu verwenden.

Abschließend möchte ich auf weitere Ressourcen der Mediencommunity verweisen: http://www.slideshare.net/mediencommunity/presentations

Nachgefragt beim EduCamp

Communities entstehen immer öfter in unterschiedlichen Bereichen zu ganz verschiedenen Themen. Auf der Suche nach einer Antwort, was Menschen in Communities treibt, haben wir bei Thomas Bernhardt nachgefragt, der sich beim EduCamp engagiert.

Was ist das EduCamp?
Das EduCamp ist ein themenspezifisches BarCamp zum Themenfeld Lehren und Lernen mit digitalen Medien. Als Barcamp – auch Unkonferenz genannt – bezeichnet man ein Veranstaltungsformat, das sich von klassischen Konferenzen mit vorab feststehender Tagesordnung abgrenzt. Zu Beginn eines EduCamp wird diese von den Teilnehmenden gemeinsam festgelegt, die sich anschließend in offener Atmosphäre über die Themen austauschen. Ziel der halbjährlich stattfindenden EduCamps ist damit insbesondere die Förderung des Austauschens zu aktuellen Themen und die Anregung zur Kooperation für neue Projekte.

Was meinen Sie: Kann man Ihre “Initiative” als Community oder als Community of Practice bezeichnen?
Ich würde die EduCamps als CoP bezeichnen.

Falls ja, welche Kriterien der “Initiative“ sprechen aus Ihrer persönlichen Sicht für die Bezeichnung als Community of Practice?
Bereits vor einem EduCamp kann man anhand der regen Diskussionen in den dafür bereitstehenden Foren erkennen, welches Engagement die einzelnen Mitglieder mitbringen, gemeinsame Themen und Projekte voranzutreiben. Die Mitglieder zeichnen sich außerdem durch ähnliche Aufgaben und Herausforderungen aus. Gemeinsam arbeiten sie an Lösungen, wie Bildung einer zunehmenden Digitalisierung gegenüberstehen sollte.

Würden Sie sagen, Ihre “Initiative” bedient ein gewisses Community-Bedürfnis der aktiven oder auch weniger aktiven “Mitglieder”?
Ich glaube schon. Wir haben einen Kern an Aktiven, die versuchen auf jedem EduCamp präsent zu sein, dort Beiträge zu leisten und versuchen darüberhinaus durch die Ausrichtung eines eigenen EduCamp der Community etwas zurückzugeben. Aber auch die weniger Aktiven fühlen sich aufgehoben und können sich so einbringen wie sie das für nötig halten.

Worin besteht Ihr spezielles Erfolgsgeheimnis? Was glauben Sie, ist Ihre spezielle “Rezeptur”?
Im April 2008 fand das erste EduCamp statt. Seit dem erfreut sich das EduCamp gleichbleibender Begeisterung, so dass im Abstand von 6 Monaten stets aus der Community heraus ein weiteres EduCamp organisiert wurde. Worin dieser Erfolg – wenn man das so bezeichnen kann – besteht, ist schwer zu sagen. Meiner Meinung nach ist das Thema noch so aktuell und das Veranstaltungsformat so passend, dass die Nachfrage danach einfach weiter existiert.

Können Sie einige Faktoren nennen, die dazu führen, dass Ihre Mitglieder/TeilnehmerInnen aktiv an der “Community” mitwirken?
Ich denke, ein wichtiger Faktor ist hierbei Transparenz und die Möglichkeit zur Teilhabe. Im Vorfeld der EduCamps findet daher z. B. eine offene Kommunikation über den Veranstaltungsort statt. Auch die Themen können vorab diskutiert und selbst bestimmt werden. Außerdem ist die regelmäßige Ansprache wichtig, um ein Zugehörigkeitsgefühl aufrecht zu halten.

Welche Faktoren treiben Ihre “Community” immer weiter voran?
Hier ist es wahrscheinlich die Kontinuität der EduCamps selber, die die Community „am Leben erhält“.

Gibt es in Ihrer Community bestimmte Initiatoren oder Mitglieder, die sich besonders engagieren, die bestimmte Rollen übernehmen oder Aufgaben ausführen, damit die Community lebendig bleibt?
Ja, klar. Ich sprach den „harten Kern“ bereits an, der sich nicht nur durch regelmäßige Teilnahme sondern auch durch die Unterstützung und Ausrichtung des EduCamp auszeichnet.

Wieviele Leute sind das schätzungsweise?
Wie in jeder Community gibt es eine kleine Gruppe an richtig Aktiven. Auch bei den EduCamps gibt es einen festen Kern von 15 – 20 Personen, die auch regelmäßig an den Veranstaltungen selbst teilnehmen. Aus dieser Gruppe hat sich Anfang des Jahres ein Verein gegründet, der nun das Rückgrat der Veranstaltungsreihe und der Community bildet.

Welche Eigenschaften dieser Personen sind besonders wichtig für die Aktivität in der “Community”?
Freiwillig ein gemeinsames Ziel verfolgen und damit Engagement für die gemeinsame Sache.

Braucht es aus Ihrer Sicht unterschiedliche RollenträgerInnen, um eine “Community” wie die Ihre erfolgreich zu gestalten?
Meiner Meinung nach nicht zwangsläufig. Aber es hat sich gezeigt, dass zentrale Ansprechpartner schon wichtig sind.

Welche Maßnahmen und Aktivitäten sind aus Ihrer persönlichen Sicht entscheidend, damit eine längerfristige Community entsteht und die Mitglieder gemeinsam aktiv bleiben?
Die Regelmäßigkeit an Aktivität. In unserem Fall die halbjährlich stattfindenden EduCamps. Sie beleben jedes Mal die Aktivität der Community. Auch ein Zuwachs an Mitgliedern ist dann stets zu verzeichnen.

Was machen Sie, um die Community aufrechtzuerhalten? Wie hoch ist Ihr individueller Einsatz?
Ich persönlich versuche immer wieder Freiwillige zu finden, die EduCamps bei sich vor Ort organisieren. Als Vereinsvorstand unterstütze ich diese Personen dann in allen Fragen zur Organisation. Da ich auch selbst bereits EduCamps organisiert habe, reicht mein Engagement von ein paar Mal pro Monat bis täglich.

Welche Tipps würden Sie anderen geben, die sich für eine erfolgreiche Community-Arbeit einsetzen möchten (weniger instrumentell als aus persönlichem Antrieb – z. B. weil sie ein besonderes Interesse an einem Thema haben)?
Einfach tun. Community gründen und dazu einladen. Wenn sich genügend Freiwillige finden und es ein für alle erstrebenswertes Gemeinsames Interesse gibt, wird die Community auch funktionieren.

Nachgefragt bei VroniPlag

Communities entstehen immer öfter in unterschiedlichen Bereichen zu ganz verschiedenen Themen. Auf der Suche nach einer Antwort, was Menschen in Communities treibt, haben wir bei Frau Prof. Dr. Debora Weber-Wulff angefragt, die sich bei dem VroniPlag-Wiki engagiert.

Was ist VroniPlag?
VroniPlag ist eine loser Zusammenschluß von Menschen, die kollaborative Plagiatsdokumentation betreiben. Sie haben das Ziel, Plagiate in Doktorarbeiten zu dokumentieren und informieren die Universitäten und die Öffentlichkeit, wenn Plagiat auf mehr als 10% der Seiten eines Werks erscheint.

Debora Weber-Wulff: Ich habe im Chat dasselbe gefragt, eine Antwort:
„Also ich finde, wir sind ein Sauhaufen mit einem coolen Wiki. Anders kann ich mir manche Dinge hier nicht erklären.“

Was meinen Sie: Kann man Ihre “Initiative” als Community oder als Community of Practice bezeichnen?
Auf jeden Fall eine Community of Practice.

Falls ja, welche Kriterien der “Initiative“ sprechen aus Ihrer persönlichen Sicht für die Bezeichnung als Community of Practice?
Wir haben gelernt, wie wir Plagiate dokumentieren, so dass es nach aussen hin verstehbar ist und so, dass Bilder automatisch generiert werden können. Wir diskutieren immer weiter bei neuen Fällen, wo die Grenzen sind, ob dieses so oder so zu werten ist. Wir haben unsere Quality Control auch immer wieder überarbeitet („workflow“), damit unsere Ergebnisse einer sehr kritischen Prüfung stand halten.

Würden Sie sagen, Ihre “Initiative” bedient ein gewisses Community-Bedürfnis der aktiven oder auch weniger aktiven “Mitglieder”?
Auf jeden Fall!

Worin besteht Ihr spezielles Erfolgsgeheimnis? Was glauben Sie, ist Ihre spezielle “Rezeptur”?
Leute kommen aus Neugier, oder weil sie mitmachen wollen an einer bestimmten Arbeit. Die Atmosphäre ist sehr freundlich und höflich, teilweise sehr lustig, von dem einen oder anderen Troll abgesehen.

Können Sie einige Faktoren nennen, die dazu führen, dass Ihre Mitglieder/TeilnehmerInnen aktiv an der “Community” mitwirken?
Keine Ahnung.

Welche Faktoren treiben Ihre “Community” immer weiter voran?
Dass wir immer noch eine Doktorarbeit finden, die einfach zu fragmentieren ist (wie wir es nennen). Und die Leute ärgern sich darüber, dass so jemand mit Doktortitel herumläuft.

Gibt es in Ihrer Community bestimmte Initiatoren oder Mitglieder, die sich besonders engagieren, die bestimmte Rollen übernehmen oder Aufgaben ausführen, damit die Community lebendig bleibt?
Auf jeden Fall.

Wieviele Leute sind das schätzungsweise?
Es sind um die 20 „Admins“, die unterschiedliche Rollen einnehmen, teilweise für unterschiedliche Teilprojekte (= Doktorarbeiten) andere Rollen übernehmen.

Welche Eigenschaften dieser Personen sind besonders wichtig für die Aktivität in der “Community”?
Sorgfalt, Freundlichkeit und etwas Besessenheit.

Braucht es aus Ihrer Sicht unterschiedliche RollenträgerInnen, um eine “Community” wie die Ihre erfolgreich zu gestalten?
Ja – und vor allem keinen „Bestimmer“, der allen sagt, was zu tun ist.

Welche Maßnahmen und Aktivitäten sind aus Ihrer persönlichen Sicht entscheidend, damit eine längerfristige Community entsteht und die Mitglieder gemeinsam aktiv bleiben?
Keine Ahnung.

Was machen Sie, um die Community aufrechtzuerhalten? Wie hoch ist Ihr individueller Einsatz?
Im Moment verbringe ich zu viel Zeit im Chat – aber es ist schon ganz nett da. Man redet über vieles andere als nur Plagiate.

Welche Tipps würden Sie anderen geben, die sich für eine erfolgreiche Community-Arbeit einsetzen möchten (weniger instrumentell als aus persönlichem Antrieb – z. B. weil sie ein besonderes Interesse an einem Thema haben)?
Sorry, ich habe da kein Patentrezept. VroniPlag funktioniert im Moment, trotz breiter Diskussion über unsere Arbeit unter Pseudonym.

Wir telefonieren auch mal miteinander, manche haben sich schon im IRL getroffen, das ist schon sehr lustig.

Wir haben keine Pläne, wie es weiter geht, das geht von Tag zu Tag.

Was treibt Menschen in Communities?

Seit geraumer Zeit lässt sich konstatieren: Es existiert ein breites Interesse an Communities – sei es für das Wissensmanagement, das Personal-Recruiting, die Schnäppchen-Jagd oder die Kundenbindung. Liegen die Ziele von Community-Betreibern offen auf der Hand, sind die Gründe, warum Menschen freiwillig und leidenschaftlich in einer Community aktiv werden, eher diffus, wenngleich es hier und da und dort Bemühungen gibt, das Phänomen zu ergründen. Genau hier setzen wir an, um — nach einem ersten Überblick über Communities (of Practice) — Ansatzpunkte zu finden, welche Kriterien den Ausschlag geben können, warum einzelne Menschen in einer Community aktiv werden.

Entstehung und Entwicklung von Online-Communities

Erste Formen von Online-Communities sind bereits in den 1960er Jahren entstanden, als mit ARPANET, PLATO oder USENET grundlegende technologische Voraussetzungen für vernetztes Arbeiten geschaffen worden sind. Seitdem hat sich mit der technologischen Durchdringung der Alltagswelt und der Ausdifferenzierung des World Wide Webs viel verändert. Communities stehen heutzutage nicht mehr nur Spezialisten mit Zugang zu Hochleistungsrechnern offen, sondern allen, die über einen Internetzugang verfügen.

Als erste “Virtual Community” entstand 1985 The Well, die Mutter aller Online-Communities, als qualitative Diskussionsumgebung und soziales Netzwerk von Gleichgesinnten, die bis heute existiert — wenn auch über die Zeit verändert — und ein leuchtendes Beispiel für die langfristige Funktionsweise einer Community ist.

Seit 1991 hat sich zudem eine Theorie der Communities (of Practice) heraus entwickelt, die stark von Etienne Wenger vorangetrieben worden ist, der Communities of Practice (CoPs) definiert als

“(…) groups of people who share a concern or a passion for something they do and learn how to do it better as they interact regularly.”

Der Lernaspekt muss nicht intendiert sein, wichtig ist das geteilte Interesse an einem Thema. In CoPs investieren die Community-Mitglieder Zeit, um gemeinsam den Fragen nachzugehen, die sie interessieren. Sie sind verbunden über die kollektive Bemühung, darauf Antworten zu finden. Es existiert qua Aktivität eine Praxisorientierung, die einen wechselseitigen Bezug, ein aneinander orientiertes Handeln der Beteiligten, erfordert. CoPs finden sich in betrieblichen Kontexten, in öffentlichen Institutionen, in der Sozialarbeit und rein virtuell im Web – und das möglichst emergent, getrieben durch das gemeinsame Thema.

Auf diesen Erfahrungen haben auch Teile der New Economy des Jahrtausend-Wechsels aufgebaut, für die Internet-Communities oftmals als Inbegriff und Ziel aller qualitativen Marketing-Anstrengungen galten. Hagel & Armstrong wiesen 1997 mit ihrem Buch “Net Gain” (hier als PDF) die Macht virtueller Communities für expandierende Märkte aus. In der Folge unterschied man in diesen Business-Kontexten zwischen sozial orientierten (Beziehung, Unterhaltung), professionell orientierten (Lern-/Expertennetzwerke) und kommerziell orientierten CoPs im Business-to-Business, Business-to-Consumer und Consumer -to Consumer-Bereich. Allen verschiedenen Communities gemeinsam ist eine recht instrumentelle Interpretation des CoP-Konzeptes:

  • Intern, damit Mitarbeiter z. B. ihre Ideen und ihr Wissen teilen, Produkte gemeinsam weiter entwickeln oder neue Produkte kreieren.
  • Extern, damit Unternehmen z. B. eine enge Markenbindung mit Kunden (Lieferanten, usw.) aufbauen, besser neue Zielgruppen und Bedürfnisse identifizieren oder Erkenntnisse für die Produktgestaltung gewinnen.

Emergente Strukturen

Parallel zum Einsatz von CoPs durch korporative Akteure raste die sozio-technologische Entwicklung weiter. Neue Sozialpraktiken und Dienste begünstigten die Entstehung emergenter CoPs. Mit dem Aufkommen von kollaborativen Online-Werkzeugen, Social Media-Umgebungen und Cloud Computing wurde ein Übergang zu Community-Formen unterstützt, die bottom-up wachsen konnten.

Allein bei Wikipedia waren laut eigener Statistik im April 2011 weltweit mehr als 1 Mio. Personen angemeldet. Eine freiwillig arbeitende Crowd, die gemeinsam über ein Mediawiki Inhalte sammelt, aufbereitet und verbreitet und deren Arbeit von fast allen lesenden Menschen dankbar genutzt wird. Wikipedia gilt seit seinem Aufkommen als Inbegriff für die 1%-Regel: Auf eine regelmäßig aktive Person kommen 9 sporadisch Aktive und 90 passive “Lurker”. Bzw. fällt das Verhältnis von Aktiven zu Passiven aufgrund der rigiden und umstrittenen Beteiligungspolitik bei Wikipedia deutlich krasser aus: So arbeiten z. B. in Deutschland “nur” rund 6.600 Autoren regelmäßig mit, um freies Wissen öffentlich zugänglich zu machen. Es herrscht eine Art hierarchischer Korpsgeist, der als Wikipedia-Polizei agiert und Neu-Einsteiger oftmals nicht fördert, sondern eher frustriert.

Genau jene Praxis liess andererseits aber eine qualitative Community entstehen, deren Antriebsfaktoren sich über die Zeit von einer Befreiungsideologie zu einer Produktideologie wandelte. Hier treten aktive Personen nach außen kaum in Erscheinung, sondern agieren im Hintergrund. Im Vordergrund stehen die Themen, meist unter Pseudonym bearbeitet. Gleichwohl erhalten aktive Nutzer, die einen Beitrag zur thematischen Qualität leisten, zusätzliche Rechte und können im Community-Management aufsteigen, wodurch sie eine soziale Wertschätzung erfahren.

Auf der anderen Seite entstanden vielfältige Social Networks oder Online-Kontaktnetzwerke — wie z. B. Twitter, LinkedIn, Facebook, Google plus –, aber auch die Blogosphäre, die Menschen eine Infrastruktur bieten, um ohne große technologische Hürden eine eigene Online-Community aufzubauen. Im Gegensatz zu Wikipedia steht in diesen fluiden Räumen das eigene Profil mit persönlichen Interessen und individuellen Aktivitäten im Vordergrund. Durch die algorithmische Verknüpfung bzw. den individuellen Social Graph lassen sich in diesen Kontexten je nach Bedarf unproblematisch thematische Beziehungsstrukturen aufbauen und ggf. auch nur temporär pflegen. Die Zuordnung zur Community orientiert sich hier entlang der persönlichen Interessen, weniger an einem übergeordneten Meta-Ziel. Ja, die Zugehörigkeit zu einer Community oder das Thema kann hierbei sogar als Pseudonym für eine Person fungieren.

In diesem Kontext können auch Social Sharing-Dienste — wie YouTube, Flickr oder Diigo — wirken, die die Bereitstellung und den Tausch von digitalen Inhalten ermöglichen. Über getaggte Inhalte können Kontakte zu Personen mit denselben thematischen Präferenzen aufgebaut werden. Somit ist es möglich, informelle thematische Communities zu bilden, die rein emergent und ohne äußeren Druck entstehen.

Während somit bei Wikipedia aufgrund der thematischen Orientierung die qualitative Arbeit an den Inhalten dominiert, erfolgt bei den Communities in den Social Media-Diensten keine soziale oder redaktionelle Prüfung der Beiträge. Nicht Qualität, sondern die P2P-Verknüpfung der Personen entscheiden hier über Teilhabe an oder Ausschluss aus der Community.

Der Lockruf des Geldes

Selbstverständlich blieben diese Entwicklungen der Business-Welt nicht verborgen. Menschen vernetzen sich, formen sich zu Communities aufgrund ihrer persönlichen Interessen und tauschen sich weltweit aus. Viele Organisationen wünschen sich folgerichtig eine lebendige Community-Welt mit Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden usw. , die sich dort aktiv zugunsten der Organisation einbringen. Sie möchten, dass “ihr” Thema oder “ihre” Plattform mit all ihren Nutzungsdaten zum zentralen Scharnier des Austausches heranwächst. Dies mit Grund, denn McKinsey kam Ende 2010 zu dem Fazit, dass Community-Management ein entscheidender Treiber für die Unternehmensentwicklung sei und identifizierte mit dem “networked enterprise” einen neuen erfolgreichen Unternehmenstypus:

“A new class of company is emerging—one that uses collaborative Web 2.0 technologies intensively to connect the internal efforts of employees and to extend the organization’s reach to customers, partners, and suppliers. We call this new kind of company the networked enterprise.” (S.2)

Folgerichtig münden entsprechende Ratschläge in lustigen Tutorials für angehende Community-Manager, die den sozialen Prozess produktiv halten sollen:

Die entscheidende Frage bei allen externen Community-Bestrebungen bleibt allerdings immer dieselbe: Wird die Community von der breiten Masse akzeptiert?

Die Lehren einer modernen Community-Politik

Die Erfahrung zeigt, dass praxisorientierte CoPs nicht einfach von oben verordnet werden können und denselben freudvollen Austausch von Inhalten und Meinungen und die Kreation von Artefakten anstossen wie freiwillige Communities. Denn es bedarf der Motivation und Interaktion aller Beteiligten für eine lebendige Community. Insofern erscheint die dominante Community-Diskussion, die primär aus Sicht von Institutionen und Initiatoren geführt wird, oft sehr verkürzt. Über die Schwierigkeit, geeignete Kommunikationsstrukturen in wachsenden Communities aufzubauen, reflektierte letzthin Kathrin Passig in einer lesenswerten Merkur-Kolumne zu Sümpfen und Salons. Sie kommt zu dem Schluss, dass es vielleicht ein Reflex der Prä-Internet-Ära sei, weiterhin nach Formeln zur Bestandswahrung existierender Communities zu suchen, statt zu akzeptieren, dass Fluktuation ein Teil unserer persönlichen Weiterentwicklung ist.

In eine ähnliche Richtung gehen unsere Überlegungen:

Gewisse Infrastrukturen und Handlungsempfehlungen können sicherlich helfen, das Community Management zu unterstützen. Über den tatsächlichen Erfolg entscheiden letztlich jedoch die beteiligten Akteure innerhalb einer Community – und die können bei Bedarf gleich um die nächste Ecke eine weitere CoP generieren. Grund genug, um zu hinterfragen, warum Menschen überhaupt an Communities (of Practice) teilnehmen. Welche Rollen sie als AkteurIn einer Community (z. B. als Aktive, Lurker, Trolle, Initiatoren, PR-Menschen …) einnehmen bzw. warum sie sich manchmal in der einen und manchmal in der anderen Rolle wieder finden.

Aus diesem Anlass heraus werden wir bei 3 Communities aus dem eVideo-Umfeld anfragen, um herauszufinden, welche Motivation ihre jeweiligen Community-Mitglieder antreibt, sich aktiv oder passiv einzubringen. Diese kurzen Interviews werden wir zunächst unkommentiert hier einstellen, um dann abschließend eine Fragensammlung aus Sicht von Personen abzuleiten, die ggf. als Leitfaden dienen kann, persönlich interessante Communities zu analysieren.

Nachgefragt bei Gerold Marks

Immer mehr Menschen nutzen Social Media, um sich digital zu vernetzen. In dem Blog-Beitrag zum Thema Design Thinking & Vernetzung bin ich auf Möglichkeiten eingegangen, wie mit Social Media der Design Thinking-Prozess unterstützt werden könnte.
Gerold Marks ist Autor von DigitaleLeinwand.de, 3D-Film-Experte, Blogger und Trendscout und ich bat ihn, einige Fragen zu beantworten, um herauszufinden, wo er den Mehrwert von Social Media sieht.

Dieses Interview ist der letzte Teil einer Interviewreihe mit insgesamt 3 Personen, die Social Media auf recht unterschiedliche Weise in ihrem beruflichen Kontext nutzen:

Wer bist du?
Mein Name ist Gerold Marks, bin 35, lebe in Berlin. Autor von DigitaleLeinwand.de, begeistert vom Kino, 3D-Film-Experte, Blogger, Social Media-Native, Geocacher, Trendscout und Vater.

Womit beschäftigst du dich beruflich?
Seit letztem Jahr arbeite ich in der Branche, die ich mir erträumte: im Filmbusiness. Außer ein paar Kurzfilmen und Werbeclips habe ich selbst keine großen Werke produziert, kam aber durch meine kommunikativen Fähigkeiten und meiner Leidenschaft zum Film und Kino zu meiner jetzigen Aufgabe: ich leite die Abteilung Online-Marketing bei einer der größten deutschen Film-PR-Firmen. Ich sorge vor dem Filmstart im Kino und auf DVD über Online-Kommunikation dafür, dass möglichst viele Personen von dem jeweiligen Film gehört haben und ihn unbedingt sehen wollen. Außerdem schreibe ich auf meinem Blog DigitaleLeinwand.de über die digitale Revolution im Kino, die vor allem durch 3D-Filme immens an Bedeutung gewonnen hat.

Es gibt heutzutage vielfältige web-basierte Anwendungen, die auch als “Social Media” bezeichnet werden. Nutzt du “Social Media”?
Natürlich nutze ich unterschiedliche Social Media-Kanäle für mich privat und für meine Arbeit. Für mich privat bieten Social Media-Plattformen die Möglichkeit, mit Freunden aus der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben, neue Themen zu entdecken oder an Inhalten zu partizipieren. Für mich sind die unterschiedlichen Tools so in mein Leben und meine Internetnutzung eingegangen, dass ich gar nicht sage: so, jetzt Social Media. Ich bin seit Jahren auf Plattformen wie Twitter und Facebook unterwegs, probiere ständig neue Tools aus, die mal gefallen, mal nützen, mal Zeitverschwendung sind. Angebote wie Foren, Newsgroups, Wikis nutze ich seit Jahren, ebenso Videoplattformen wie Youtube und Vimeo, kollaborative Netz-Arbeit und Online-Projektmanagement.

Welche Bedeutung hat “Social Media” für deine Arbeit?
Für meine Arbeit ist Social Media ein Kernbestandteil, da natürlich Filme dort promotet werden, wo sich Personen online aufhalten. Sprich in den sozialen Netzwerken. Über persönliche Ansprache, Infotainment, virales Marketing und Multiplikatoreneffekte werden Fancommunitys aufgebaut und bespielt. Neben der Online-PR ist Social Media wesentlicher Bestandteil des Online-Filmmarketings.

Seit sechs Jahren blogge ich, zunächst über skurille Fundstücke, später Filmkritiken und nun mit mehreren Tausend Lesern am Tag auf DigitaleLeinwand.de. Der Informations-Austausch auf Blogs, das Aggregieren von Nachrichten zu einem besonderen Thema, der Diskurs mit anderen Bloggern könnte vom zeitlichen auch ein Fulltime-Job sein, doch die Erlösmöglichkeiten für Blogs jenseits von Werbung sind doch eher schwierig. Dennoch hat mir das Bloggen jede Menge Türen geöffnet: über meine Präsenz und meine Online-Arbeit ist man auf mich aufmerksam geworden. Und hat mich eingestellt. Ich habe also keine Bewerbungen geschrieben, sondern, wenn man so möchte, meine Visitenkarte online im Netz hinterlassen. Nicht nur mein Job hat sich daraus ergeben, auch werde ich regelmäßig für Interviews, Moderationen oder Fachartikel angefragt, 3D-Produzenten und Kinobetreiber suchen spezifische Informationen, Studierende bitten mich um Betreuung ihrer Abschlussarbeiten. Von vorsichtigen Versuchen zum Platzhirsch: Beim Thema 3D-Kino gibt es um mich keinen Weg herum.
Das soziale am Social Media ist für mich das Geben und Nehmen: ich bekomme Informationen, bearbeite sie und teile sie mit anderen. Neben den reinen Nachrichteportalen sind die Social Media Plattformen für mich die beste und schnellste Informationsquelle.

Welche positiven und / oder negativen Erfahrungen hast du im Hinblick auf deine Arbeit mit “Social Media” gesammelt?
Ein schwieriger Moment war das Vermengen der realen Identität mit der virtuellen Identität. Auf fast allen Tools war ich mit meinem Nickname angemeldet, ein paar Dinge machten aber erforderlich, dass dort „Gerold Marks“ steht. Und schon beginnt das Kopfkino: will man sich so öffnen? Will man private Dinge preisgeben? Will man Personen als „Freunde“ annehmen, die man eigentlich nur sporadisch kennt? Im Laufe der Zeit habe ich meine Scheu verloren. Ich trete auf als Ich. Meine Tätigkeiten sind nachvollziehbar, wer will, kann mich finden – so sind auch ein paar lange verlorene Bekannte wieder aufgetaucht. Und ich wurde bisher weder bestohlen, gehackt, noch meiner Identität beraubt. Es gibt für mich aber auch Grenzen: beispielsweise poste ich keine süssen Knuddelbilder von meinem Kind auf Facebook, denn ich möchte, dass mein Kind später selbst verantwortlich mit der eigenen Online-Identität umgehen kann- und nicht bereits Tausende von Bildern mit getaggtem Namen und automatisierter Personenerkennung vorfindet.

Für mich lebt Social Media vom gegenseitigen Austausch. Doch natürlich ist die Anzahl derer, die nur konsumieren weitaus größer, das ist wie im normalen Leben auch. Schade ist natürlich, wenn Personen Inhalte ohne Quellenangabe einfach übernehmen oder gar mühsam Recherchiertes als ihr eigenes Werk ausgeben. Aber damit hat jeder im Netz zu kämpfen, für viele scheint eine Finde-Mentalität zu gelten: was man findet, gehört einem auch. Übrigens kann man das sowohl bei Bloggern wie auch in der Presse beobachten.

Positiv wie negativ: dadurch, dass sich jeder äußert, wird das allgemeine Rauschen größer. Manchmal muss man sich durch viel Allgemeines durchkämpfen, um an das Spannende zu gelangen. Doch ist das für Aggregatoren wieder eine Chance ein Feld für sich zu besetzen und selber einen Namen zu machen.

Und leider werden manche Kanäle im Social Media immer wieder verdorben. War Twitter vor drei Jahren ein spannender Haufen von Experimentierfreudigen, muss man sich heute gegen eine Vielzahl von Internetmarketeers wehren, die einem Freunde und Geld versprechen. Dann wechselt der Schwarm der Early Adaptor eben die Plattform und sucht sich eine neue Tobeecke. 2010 war das große Facebookjahr, vielleicht auch das Spannendste. Seit einiger Zeit spricht man über Outernet und Anwendungen, die über mobile Internetverbindungen neuen Spiel und Spaß versprechen, wie z.B. Foursquare oder Gowalla. Natürlich bin ich auch dort unterwegs, immer auf der Suche nach dem „nächsten großen Ding“.

Was könnte man anderen empfehlen, die mit “Social Media” ihre beruflichen Aktivitäten positiv beeinflussen möchten?
Konsequenz und Kontinuität. Nur weil man einmal einen Artikel gebloggt hat, kann man keinen Leserstamm erwarten. Ist wie mit Obst: am besten täglich! 🙂
Mal eine Social Media Plattform anschauen macht sie nicht erlebbar. Man muss sie auch ausprobieren- und mitgestalten. Denn das ist der große Unterschied zum Web 1.0: früher gaben uns Firmen statische Webseiten. Heute geben sie uns eine Plattform und wir machen die für uns interessanten Dinge selbst.

Kontakt
eMail:
gerold.marks@digitaleleinwand.de
URL:
http.//www.digitaleleinwand.de

Nachgefragt bei Angelica Laurencon

Immer mehr Menschen nutzen Social Media, um sich digital zu vernetzen. In dem Blog-Beitrag zum Thema Design Thinking & Vernetzung bin ich auf Möglichkeiten eingegangen, wie mit Social Media der Design Thinking-Prozess unterstützt werden könnte.
Angelica Laurencon ist Dozentin, Beraterin von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Social Media Strategist und ich bat sie, einige Fragen zu beantworten, um herauszufinden, wo sie den Mehrwert von Social Media sieht.

Dieses Interview ist Teil 2 einer Interviewreihe mit insgesamt 3 Personen, die Social Media auf recht unterschiedliche Weise in ihrem beruflichen Kontext nutzen:

Wer bist du?
Genetisch bedingt interkulturell und transeuropäisch, aus einer Familie, die seit Generationen immer wieder kreuz und quer durch Europa zieht. Von Bordeaux nach Berlin nach dem Religionsedikt von Nantes und der Protestantenverfolgung, von Berlin nach Bordeaux im Jahre 1934 und jetzt wieder von Clermont Ferrand nach Berlin.

Überall heimisch, aber nirgendwo zuhause, mehrsprachig und daher immer auf der Suche nach dem richtigen Wort.

Womit beschäftigst du dich beruflich?

  • Netzwerken, Kontakte herstellen, Wissen und Informationen anbinden und verbinden, damit sie einen Mehrwert erzeugen.
  • Wissen und Informationen weitergeben als Dozentin an der ESC Management School, als Beraterin von KMUs, die tief in der Provinz verankert sind und sich trotzdem öffnen wollen.
  • Social Media Strategist für echo.to – eine Social Software, die den Bürgern durch die IKT die Res:publica wieder näherbringen will und ein Social Business, das Web 2.0 Tools benutzerfreundlich machen will.

Es gibt heutzutage vielfältige web-basierte Anwendungen, die auch als “Social Media” bezeichnet werden. Nutzt du “Social Media”?

Intensiv auf allen „weiten Feldern“:

  • Wissenaggregation und Weitergabe
  • Blog und Feeds
  • Kommunikation täglich über
    • Skype
    • GoogleVoice
    • Adobe Connect
    • Webex
    • Hootsuite, Sendible, Facebook,Twitter, StumbleUpon, google Buzz
  • Netvibes als Social Media Dashboard
  • Social Bookmarking wie
    • delicious
    • diigo
  • SEO
  • my.pbworks
  • Googledocs
  • Slideshare

Welche Bedeutung hat “Social Media” für deine Arbeit?

  • Hat meine Arbeit und Ziele total verändert, weil Social Media plötzlich ungeahnte Potentiale freisetzen.
  • Social Media haben einerseits die Potentiale vervielfältigt und endlos gemacht, machen aber auch aus dem Arbeitsalltag eine endlose Geschichte.
  • Social Media schaffen auch ganz neue Auflagen:
    • sich ständig weiterzubilden und auf dem Laufenden zu bleiben = zeitintensiv und
    • die Notwendigkeit, vieles schnell wieder zu vergessen. Das Gedächtnis bekommt eine zusätzliche binäre Funktion: Oft mühsam angeeignete Kenntnisse und Skills müssen weggeworfen werden, um dann wieder im Instantverfahren zu entscheiden, was eingefangen und was wieder in der Galaxie verschwinden darf.

Welche positiven und / oder negativen Erfahrungen hast du im Hinblick auf deine Arbeit mit “Social Media” gesammelt?

  • den Rausch der Weite und der Vielfalt: Im Schlaraffenland der Informationen,
  • die Gefahr der Verzettelung: Lost somewhere auf der Milchstrasse des Wissens,
  • die Notwendigkeit der Ordnung und eines dynamischen Speichersystems:
    • Wie speichere ich schnell nützliche Infos ab?
    • Wenn ich sie sofort bearbeite, verliere ich den Anschluss zu anderen.
    • Wenn ich sie massenweise in die Zwischenablage verdränge, verliere ich den Bezug und die spontanen Anbindungspunkte.

Was könnte man anderen empfehlen, die mit “Social Media” ihre beruflichen Aktivitäten positiv beeinflussen möchten?

Sofort einsteigen!

  • Web 1.0 revolutionierte die Arbeitswelt von unten vor 10 Jahren.
  • Web 2.0 mischt seit 2007 nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch alle Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens auf.
  • Auf der Gratwanderung von Addiction und zielgerechter Anwendung nicht die Orientierung zu verlieren.

Kontakt

eMail:
angelica.laurencon@echo-source.org

URLs:
http://echo.to
http://www.translate-communicate.eu
http://digitalus.posterous.com

Nachgefragt bei Ahmet Emre Acar

Immer mehr Menschen nutzen Social Media, um sich digital zu vernetzen. In dem Blog-Beitrag zum Thema “Design Thinking & Vernetzung“ bin ich auf Möglichkeiten eingegangen wie mit Social Media der Design Thinking-Prozess unterstützt werden könnte.
Ahmet Emre Acer ist Design Thinking-Experte und ich bat ihn, einige Fragen zu beantworten, um herauszufinden, wo er den Mehrwert von Social Media sieht.

Dieses Interview ist Teil 1 einer Interviewreihe mit insgesamt 3 Personen, die Social Media auf recht unterschiedliche Weise in ihrem beruflichen Kontext nutzen:

Wer bist du?
Ahmet Emre Acar

Womit beschäftigst du dich beruflich?
Ich bin Unternehmer:
Prozessberatung auf Basis von Design Thinking, eigene Produktentwicklung

Es gibt heutzutage vielfältige web-basierte Anwendungen, die auch als “Social Media” bezeichnet werden. Nutzt du “Social Media”?
Ja:
Plattformen: Flickr, Xing, Linkedin, Facebook, Youtube, Slideshare, Scribd, Twitter
Anwendungen: alles von Google, dropbox

Welche Bedeutung hat “Social Media” für deine Arbeit?
Primär nutze ich sie zur Kommunikation zwischen Kollegen und Partnern, als Informationsmittel zur eigenen Weiterbildung und als Werkzeug für Officetätigkeiten. Innerhalb von Projekten nutze ich bestimmte Dienste wie Flickr und Twitter zu qualitativen Untersuchungen. Bestimmte Google Apps nutze ich beim Prototyping.

Welche positiven und / oder negativen Erfahrungen hast du im Hinblick auf deine Arbeit mit “Social Media” gesammelt?
Positiv:
Die Arbeitserleichterung bezüglich der Synchronisation und der Geschwindigkeit des Informationsbezugs. Die Erleichterung der Recherche Phasen im Design Thinking durch Content-Plattformen. Die Weiterbildung zum Thema DT. Die Vernetzung mit anderen Praktizierenden.

Negativ:
Der oftmals falsche Einsatz durch Einsteiger oder Personen, die sich mit dem Webparadigma nicht anfreunden können. Der übermäßige Einsatz durch (oftmals jüngere) Personen, die stets online sind und das Gleiche erwarten. Die oft übermäßige Kürze und Gedankenlosigkeit, mit der Inhalte verfaßt und gestreut werden.

Die positiven Aspekte überwiegen insgesamt. Ich vermute dass mit steigender Mediennutzung und Kompetenz viele der negativen Aspekte abnehmen werden. Bis dahin wird sich allerdings das social web zur mobile cloud entwickelt haben, was wieder seine eigenen Eigenheiten hat.

Was könnte man anderen empfehlen, die mit “Social Media” ihre beruflichen Aktivitäten positiv beeinflussen möchten?
Bei der Nutzung von Werkzeugen und Diensten zuerst die Eigenheiten erkunden und erst dann in Gebrauch nehmen bzw. eine Evaluierung für die eigenen Tätigkeiten durchführen. Letzteres muß systematisch erfolgen, d. h. man muß sich genau fragen, was man in der eigenen Arbeit erreichen möchte, wie „social media“ dabei helfen kann und an welchen Punkten und auf welche Weise sie die eigene Tätigkeit verändert. Genau darüber nachdenken, welche Gewohnheiten man in der eigenen Aktivität ablegen oder verändern muß, damit ein social media Einsatz Sinn macht.

Erst nach dieser Analyse würde ich drei 1/2 generelle Dinge empfehlen:

  • Eine eigene Identität im Netz schaffen. Alles, was auf einen selbst hinweist, läßt sich verändern, bündeln und mit wenig Aufwand gut kommunizieren. Im social web und in der neuen Geschäftswelt ist jeder (selbst Beamte) ein Selbstständiger. Man muß als eigenes Unternehmen auftreten.
  • Bei einigen wenigen Anwendungen bleiben. Man kann nicht in allem eine Expertise aufbauen oder in allen Plattformen aktiv sein. Letzteres würde die Existenz unterschiedlicher Dienste schließlich ad absurdum führen. Es ist besser, ein zwei Werkzeuge und Dienste gut zu beherrschen und aktiv zu nutzen als immer wieder reinzuschnuppern. Social media entwickelt sich stets weiter. Wer überall ein Fuß drin hat, verpasst die Entwicklungen.
    Alles, was sich über das Webparadigma leichter / effektiver bearbeiten läßt, vom Desktop wegverlagern. Dies gilt insbesondere für Daten. Die Bullshit Argumente über Datenschutz und Datensicherheit sollte man ad acta legen. Unternehmen wie Dropbox, Google und Amazon verdienen ihr Geld damit, einen guten Service zu gewährleisten. Meetings und Protokolle beseitigen. Absprachen lassen sich heute über Wikis, Doodle, Skypekonferenzen mit Aufnahmefunktion wesentlich besser lösen.
  • Hier die halbe Empfehlung: Lernen zu Arbeiten! Die Inbox ist eine INbox und gehört leer, wenn das Zeug darin gelesen, beantwortet, gelöscht oder archiviert ist. Zeitmanagement und Planungstools sind dazu da, um selbst zu wissen, woran man gerade arbeitet, wann es fertig zu sein hat und wie man sich dabei angestellt hat. Kommunikationstools und Plattformen (insbesondere Skype, Twitter und FB) sind nicht dazu da, stets nebenbei aktiv zu laufen. Das gleiche gilt für die Benachrichtigung des Mailprogramms: ausschalten.
  • Die letzte „halbe“ Empfehlung ist besonders wichtig, da sehr viele ahnungslos im Berufsleben stampfen obwohl sie sich mit den Tools gut auskennen. Es gibt grundsätzliche Regeln für die eigene Arbeitsdisziplin, die sowohl im 17., 19. als auch im heutigen Jahrhundert gleichermaßen funktionieren.

Kontakt
http://www.ahmetemreacar.info
http://www.ingosu.de