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Mobile eVideo mit Nibbler

Im Rahmen des ersten eVideo-Projektes entwickelten wir bereits ein Videoportal namens Nibbler, das die Vorteile des dynamischen Social Webs nutzt, um Videos für mobile Endgeräte optimiert abrufen zu können. So lassen sich aus Produzentensicht per einfachem Knopfdruck vorhandene Videoaufzeichnungen für die mobile Vielfalt schnell und unkompliziert konvertieren. Aus Konsumentensicht können produzentenspezifische Channels je nach persönlichem Interesse per RSS-Feed abgerufen werden.

Das jetzige GBE-Folgeprojekt geht nunmehr den nächsten Schritt und zeigt Lösungen, wie digitale Prosumer per mobiler Aufzeichnung (mittels Handy, Fotoapparat o.ä.) interessante Ereignisse oder Interviews aufzeichnen und on-the-fly für den dynamischen Abruf per Nibbler-Archiv bereitstellen können. Die Mobilität konzentriert sich also nicht mehr auf den Videogenuss, sondern ermöglicht auch die Videoaufzeichnung. Den Kult des Amateurs fordert dieses Medienformat heraus, denn in jedem Videonutzer steckt potenziell ein mobiler Filmemacher.

1. Mobile Learning

Bislang versteht man unter Mobile Learning die räumliche Überwindung klassischer Präsenzveranstaltungen – auch bei der Aufzeichnung von Veranstaltungen, die man für verschiedene (mobile) Devices paßgenau bereit stellt. Letztlich geht es aber bei all diesen mobilen Lehrszenarien primär um klassische Stoffvermittlung. Lernende können sich – je nachdem, welches Device sie mitbringen, den Vortrag anschauen und anhören, der dargereicht wurde. Diese Form der gesteuerten Darreichung entspricht aber Learning 1.0, also der klassischen, v.a. passiven Nutzungsform von Lehrinhalten.

Im Gegensatz dazu verstehen wir unter Learning 2.0 die Selbstorganisation persönlich relevanter Inhalte mittels verschiedener Web 2.0-Technologien – inklusive der kollaborativen Bearbeitung der Inhalte. Entsprechend zeichnet sich Mobile Learning 2.0 durch dieselben Charakteristika auf dem mobilen Endgerät aus – zuzüglich einiger mobiler Features wie kontextsensitive Informationen, Mobile Tagging oder die digitale Abbildung mobiler sozialer Aspekte (user generated Content). Im Wechselspiel mit dem personalisierten Abruf von Informationen setzt dieses Szenario voraus, möglichst alle denkbaren Formate in einem für den Videoproduzenten wie für den -konsumenten usablen Workflow bedienen zu können. Dies war die Ausgangsbasis für die Entwicklung des Nibbler-Videosystems.

2. Nibbler

Nibbler ist ein Mediensystem, das halbautomatisch Audio-/Videoaufzeichnungen in eine Vielzahl verschiedener Medienformate aufbereitet, um sie als Download- oder Streamingversionen auf einer maximalen Anzahl von stationären wie mobilen Geräten abspielbar zu machen. Das System ist webbasiert, plattformunabhängig und nutzerorientiert.

2.1. Nutzerorientierung

Nutzerorientierung bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem, den Fokus des Produzenten weiterhin auf den inhaltlichen Aspekten zu belassen, und die Technik als Hilfsmittel zur Seite zu stellen. Im Vergleich zu konventionellen Medienkonvertierungswerkzeugen erzeugt Nibbler in einem einzigen, linearen Workflow die Transkodierung serverseitig in eine Vielzahl unterschiedlicher Formate. Produzenten ohne medientechnische Kenntnisse sind selbständig in der Lage, Inhalte bereitzustellen. Und das ohne vorheriges Installieren von Software, die Bindung an ein bestimmtes Betriebssystem oder einen rechenstarken Computer. Die Interaktion erfolgt ausnahmslos über den Webbrowser. Die Eingaben sind deskriptiver Natur – so wird etwa nach dem Titel oder einer Beschreibung des eingestellten Inhalts gefragt, nicht aber nach dessen Laufzeit oder gar der Art des Ausgangsmaterials.

2.2. Der Prozess

Ist das Ausgangsmaterial auf Nibbler hochgeladen und mit deskriptiven Metadaten wie Titel und Beschreibung versehen, ist die Arbeit des Produzenten erledigt. Er kann sich abmelden und die Verbindung zum Internet trennen, Nibbler transkodiert die Medien nun direkt auf dem Server. Und auch das Abrufen des Transkodierungsstatus kann sich der Produzent sparen, Nibbler verlinkt die Medien selbständig und generiert zudem einen Podcast/Videocast pro Produzent. Interessierte Nutzer können mittels Podcatcher oder Feedreader alle Inhalte eines Produzenten abonnieren, und so mühelos auf dem neusten Stand bleiben. Da es sich bei einem Podcast bzw. Videocast um standardisierte, maschinenlesbare XML-Daten handelt, kann die enthaltene Information auch von externen Systemen gelesen, verarbeitet und z.B. im Weblog des Produzenten aggregiert werden.

2.3. Unterstützte Wiedergabegeräte und Formate

Die unterschiedlichsten Geräte sind in der Lage, Audio und Videoinhalte wiederzugeben. Die gängigsten sind PCs mit Betriebssystemen wie Microsoft Windows, Apple Mac OS X oder Linux. Primär für diese bietet Nibbler Flash Videos (FLV) an, die auf dem Sorenson Spark Video- und MP3 Audiocodec basieren. Die Benutzer können hierbei aus drei verschiedenen Bitraten wählen und sind in der Lage, die Videowiedergabe an beliebiger Stelle zu beginnen. Dies ermöglicht die Kombination aus dem eigens entwickelten Flash Video Player und einem angepassten HTTP-Server, der FLV-Dateien mit jedem Schlüsselbild beginnend ausliefern kann.

Desweiteren bietet Nibbler mobilen Geräten verschiedene Formate. Medien für Mobiltelefone basieren auf dem H.263 Video- und dem AMR Audiocodec und werden innerhalb eines 3GP-Cointainers wahlweise SQCIF- und QCIF-Größe bereitgestellt. Apples videofähige iPods und Sonys PlayStation Portable können verschiedene MPEG4 Audio- und Videodaten wiedergeben, während Nokias Internet Tablets 770 und N800 AVI-Container mit Xvid video- und MP3 audiokodierten Inhalten darstellen können.

3. Mobile Learning 2.0

Während also der Videoabruf per Nibbler zum gegenwärtigen Zeitpunkt einem Mobile Learning 1.3-Verständnis entspricht, so trachten wir jetzt danach, die 2.0-Hürde zu überspringen. Eine Anstrengung, derer es im Web 2.0-Zeitalter bedarf, ist die Integration von user generated content in die Angebotspalette mobiler Lernszenarien. „Learning by doing“ – diese Forderung gilt es auch medientechnologisch zu unterstützen.

So entwickeln wir derzeit Workflows und Umgebungen, die mobile Videoaufzeichnungen, Videoblogging oder Videokommentierungen ermöglichen. Allen Varianten gemeinsam ist die Forderung, dass sie sich in einer mobil nutzbaren Plattform wiederfinden sollten. So kann der Videoproduzent per mobilem Upload sein Video in einen sinnstiftenden Kontext einbinden. Dazu zählt beispielsweise, das Video mit Begleittexten, Stichwörtern oder Sprungzielen zu versehen. Desweiteren entwickeln wir multiple Suchformen, die kontextsensitive Videoausschnitte generieren helfen, so dass die Möglichkeit des Geo-Taggings nicht nur einseitig vom Handy zum Web, sondern auch umgekehrt vom Web zum passenden Ort erfolgen kann.

Nun stellt sich die Frage im Rahmen dieses entstehenden visuellen Information Overloads: Wie können wir diesen KONSTRUKTIV nutzen für persönliche Lernprozesse, sei es nun für den Erwerb neuer Fertigkeiten, die wir uns persönlich aneignen möchten oder für Verhaltensveränderungen oder die Veränderung alter Gewohnheiten? Wie können wir diesen Information Overload so filtern und strukturieren, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen? (Wohlgemerkt: aus Sicht der Lernenden – nicht aus Sicht der Lehrenden.)

Eine Variante testen wir derzeit in unserem Learning 2.0-Experiment: Im GBE-Projekt finden wir uns bspw. zu einem thematischen Netzwerk zusammen. Wir verknüpfen die verschiedenen Web 2.0-Technologien über ein engmaschiges Netz, so dass wir flexibel kollaborativ arbeiten und uns austauschen können. Kontextsensitive oder autorenrelevante Benachrichtungen im Feedreader oder im Podcatcher ermöglichen eine Filterung der neu eingehenden Videos, so dass sich jede Person eine individuell abgestimmte Informationspolitik zuschneiden kann.

4. Nibbler 2.0

Entsprechend wurde die Entwicklung des Nibblerdienstes angepasst: In der zweiten Version von Nibbler wurden soziale Funktionalitäten ergänzt und die Wiedergabeformate und Geräte entsprechend der aktuellen Marktsituation angepasst. Nutzer können Medien kommentieren und damit in direkten Dialog treten, etwa um auf kontextrelevante Informationen zu verweisen oder Feedback zu geben. Mit Sprungmarken auf Stellen innerhalb von Videos ist es möglich, Ausschnitte zu zitieren, dem Nutzer einen Überblick des Inhalts zu verschaffen und eine Navigation durch das Video zu erlauben. Mittels einer globalen Suchfunktion wird der Bestand erschließbar, wobei auch das Taggen von Medien die Kategorisierung vereinfacht. Desweiteren können Videos einfach in Blogs oder anderen externen Webseiten integriert werden.

Seit 2006, dem Erscheinungsjahr der ersten Nibblerversion, hat sich der Markt der Videowiedergabegeräte und Formate stark verändert. Adobes Flash Video Format ist zwar weiterhin sehr verbreitet, spielt nun aber auch H.264 Video und AAC Audio ab, sowohl in einem im Browser eingebetteten Videofenster als auch im Vollbild. Damit ist das Ausliefern von High Definition Video bei vergleichsweise geringer Bandbreite möglich. Die Kombination aus H.264 Video- und AAC Audiokompression findet aber längst nicht nur in Flash Verwendung, sondern kann als allgemeinener Trend begriffen werden. Apples Apple TV, iPods, das iPhone, aber auch Smartphones und viele andere Geräte können entsprechende Medien abspielen.

Insofern bedient Nibbler eine einzigartige Vielfalt an mobilen Endgeräten, die prinzipiell an Neuentwicklungen dynamisch anpassbar ist. Erst über diese medientechnologische Verantwortung, den Prosumer sich auf den Content konzentrieren zu lassen, können spielezentrierte Lernszenarien in den Fokus rücken. Und dies haben wir in einem Showcase experimentell erprobt.

Nibbler 2.0 – coming soon

Zu Nibbler, dem Videoportal der FHTW, und dessen Einsatzmöglichkeiten im Rahmen von Mobile eVideo haben wir jetzt einige Ausführungen hier im Blog eingestellt.

Derweil wird im Hintergrund Nibbler 2.0 mit vielen neuen sozialen Komponenten aufgesetzt. Den aktuellen Stand der Nibbler 2.0-Testversion kann man hier als Nibbler 1.0-Version einsehen:

http://fhtw.nibbler.at:8080/nibbler/scrubber/scrubber.swf?file=http://fhtw.nibbler.at/consumables/351/351.lan.flv&bufferTime=3&previewImage=http://fhtw.nibbler.at/consumables/351/351.normal.jpg&startAt=0&autoStart=false

In der Nibbler 2.0-Version wird das Vollbild wesentlich qualitativer über den Bildschirm laufen.