Nachgefragt bei der Mediencommunity

Communities entstehen immer öfter in unterschiedlichen Bereichen zu ganz verschiedenen Themen. Auf der Suche nach einer Antwort, was Menschen in Communities treibt, haben wir bei Frau Dr. Ilona Buchem nachgefragt, die sich bei der Mediencommunity engagiert.

Was ist die Mediencommunity?
Mediencommunity – www.mediencommunity.de – ist eine Online Community für die Druck- und Medienbranche, insbesondere für die berufliche Qualifizierung. Mediencommunity wird seit 2009 im Rahmen des durch BMBF/ESF geförderten Forschungsprojektes „Mediencommunity 2.0“, unter der Mitwirkung der Beuth Hochschule für Technik Berlin als Konsortialführer entwickelt. Das übergeordnete Ziel des Projektes ist es, die Möglichkeiten nutzerorientierter Einbindung von Web 2.0 zur Verbesserung der Qualität der Aus- und Weiterbildung in der Druck- und Medienbranche zu untersuchen. Unsere Zielgruppe umfasst alle Menschen, die in der Druckindustrie lernen und arbeiten. Hierzu gehören sowohl Auszubildende, Schüler/Innen und Studierende als auch Ausbilder, Lehrer/Innen und Dozenten – vor allem in den Berufen Mediengestalter, Drucker und Buchbinde.

Basis für das Portal „Mediencommunity“ ist die Open Source Software Drupal. Sie beinhaltet zahlreiche Community-Angebote, die ständig weiterentwickelt und aktualisiert werden. Die drei Kernbereiche der Mediencommunity umfassen die Rubriken „Wissen und Nachschlagen“ mit dem Ziel „Informations- und Wissensaustausch“, den Bereich „Vernetzen und Mitmachen“ mit dem Ziel „Partizipation und Kollaboration“ und den Bereich „Lernen und Lehren“ mit dem Ziel „Lernen und Qualifizieren“. Mediencommunity-Mitglieder können sowohl an den vorhandenen Angeboten partizipieren als auch eigene Gemeinschaften und Lerngruppen gründen und diese in eigener Regie gestalten. Die Mediencommunity zählt aktuell über 2.600 registrierte Nutzer/innen und hat im Durchschnitt täglich 600 Besucher und 12.000 Seiten-Abrufe.

Was meinen Sie: Kann man Ihre “Initiative” als Community oder als Community of Practice bezeichnen?

    Falls ja, welche Kriterien der “Initiative“ sprechen aus Ihrer persönlichen Sicht für die Bezeichnung als Community oder Community of Practice?

Mediencommunity kann als ein komplexes, sozio-technisches System mit mehreren Teilsystemen bzw. Teilgemeinschaften verstanden werden. Diese Teilgemeinschaften bilden sich sowohl übergreifend als auch in den einzelnen Kernbereichen der Mediencommunity, d.h. „Wissen und Nachschlagen“, „Vernetzen und Mitmachen“ und Lernen und Lehren“. Die einzelnen Teilgemeinschaften können jeweils als Lerngemeinschaften, Interessengemeinschaften, Wissensgemeinschaften und/oder Praxisgemeinschaften (Communities of Practice) bezeichnet werden. Die unterschiedlichen Möglichkeiten der Beteiligung in der Mediencommunity fördern die Vielfalt der Gemeinschaftsformen. Übergeordnet würde ich also die Mediencommunity als eine „hybride Community“ bezeichnen, die unterschiedliche Arten virtueller Gemeinschaften beinhaltet, also auch „Community of Practice“.

Würden Sie sagen, Ihre “Initiative” bedient ein gewisses Community-Bedürfnis der aktiven oder auch weniger aktiven “Mitglieder”?

    Worin besteht Ihr spezielles Erfolgsgeheimnis? Was glauben Sie, ist Ihre spezielle “Rezeptur”?
    Können Sie einige Faktoren nennen, die dazu führen, dass Ihre Mitglieder/TeilnehmerInnen aktiv an der “Community” mitwirken?
    Welche Faktoren treiben Ihre “Community” immer weiter voran?

Die zahlreichsten und aktivsten Mitglieder der Mediencommunity sind Auszubildende-Mediengestalter/Innen. Diese kritische Masse entdeckten wir in der frühen Phase der Entwicklung durch den versuchsartigen, ersten Launch eines „Prüfungsvorbereitungswikis“. Dieses Angebot ermöglicht Auszubildenden in einer kritischen Situation, nämlich in der Phase der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung, eine gemeinschaftliche Problembewältigung.

In den Druck- und Medienberufen werden seit über 60 Jahren zweimal jährlich bundesweit einheitliche Prüfungen durchgeführt. Somit besteht eine ideale Ausgangssituation für den Aufbau überregional vernetzter virtueller Lernangebote für tausende Auszubildende, die sich jährlich gleichzeitig auf ihre Zwischen- bzw. Abschlussprüfung vorbereiten. Das Prüfungsvorbereitungswiki wird jeweils zwei Monate vor der Prüfung gestartet, um den Prüflingen eine Möglichkeit zu geben, sich bundesweit gemeinsam und unter Betreuung von Fachexperten auf zentrale Prüfungsthemen vorzubereiten. Durch die Bereitstellung weiterer Angebote zur Prüfungsvorbereitung konnten bisher kontinuierlich neue Nutzer gewonnen und in der Mediencommunity eingebunden werden. Viele Auszubildende nutzen in dieser Situation zum ersten Mal ein solches Angebot. Der „Leidensdruck“ der Prüfungssituation bringt sie offenbar dazu, neue Wege beim Lernen einzuschlagen.

Unsere Erfahrungen zeigen jedoch, dass nur ein kleiner Anteil der Nutzer aktiv mitwirkt. Die Ergebnisse unserer Evaluationen zeigen, dass die meisten Mediencommunity-Mitglieder die bereitgestellten Angebote nur „passiv“ bzw. „rezeptiv“ nutzen. So tendieren ca. 80% dazu, Beiträge nur zu lesen und nicht selbst zu schreiben. Da wir jedoch wissen, dass das Lernen sowohl durch „aktive“ als auch „passive“ Teilnahme, u.a. „Lurking“, angeregt werden kann und für viele das Lernen im Internet noch Neuland ist, würde ich diesen Tatbestand nicht negativ bewerten. Außerdem zeigen zahlreiche andere Forschungsarbeiten, dass in der Praxis nur ein Bruchteil der Gesamtheit dazu bereit ist, aktiv und regelmäßig in einer Community Beiträge zu leisten. Unsere Power-User treiben die Entwicklungen in den einzelnen Teilcommunities erfolgreich voran. Außerdem können wir damit rechnen, dass uns die Nutzer auch nach Abschluss der Prüfungen erhalten bleiben. Und mit jedem Jahrgang kommen neue Nutzer hinzu.

Gibt es in Ihrer Community bestimmte Initiatoren oder Mitglieder, die sich besonders engagieren, die bestimmte Rollen übernehmen oder Aufgaben ausführen, damit die Community lebendig bleibt?

    Wieviele Leute sind das schätzungsweise?
    Welche Eigenschaften dieser Personen sind besonders wichtig für die Aktivität in der “Community”?
    Braucht es aus Ihrer Sicht unterschiedlicher RollenträgerInnen, um eine “Community” wie die Ihre erfolgreich zu gestalten?

Angebote der Mediencommunity werden natürlich nicht nur durch die Projektmitarbeiter, sondern auch durch die Community-Mitglieder initiiert. Ein markantes Beispiel für eine solche Eigeninitiative ist eine spezielle Lerngruppe zur Prüfungsvorbereitung, die von einer Auszubildenden mit dem Nickname „Minerva“ nach dem Prinzip der Selbstorganisation gestaltet und moderiert wurde. In dieser Lerngruppe haben sich über 400 Auszubildende gemeinsam auf ihre Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung vorbereitet. Aus unseren Beobachtungen und Interviews kennen wir die zentralen Eigenschaften von „Minerva“, die diesen Erfolg ermöglichten: (1) die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, (2) die Fähigkeit eine größere Anzahl der Mitglieder kontinuierlich zu aktiver Teilnahme zu mobilisieren und (3) mit eigenen Kompetenzen und Verhaltensweisen ein Vorbild für die anderen zu schaffen.

Der Aufbau von Rollenstrukturen in einer Online Community ist sicherlich ein Zeichen für die Formalisierung von bestimmten Prozessen und gleichzeitig für die Verantwortungsübernahme. Aus meiner Sicht ist es jedoch wichtig, Offenheit gegenüber neuen Rollen und Funktionen zu bewahren, um die Communities nicht zu sehr erstarren zu lassen. Meines Erachtens muss es immer einen Spielraum für neue Rollen und neue Möglichkeiten der Organisation geben, um die Vitalität einer Community zu sichern.

Welche Maßnahmen und Aktivitäten sind aus Ihrer persönlichen Sicht entscheidend, damit eine längerfristige Community entsteht und die Mitglieder gemeinsam aktiv bleiben?

    Was machen Sie, um die Community aufrechtzuerhalten? Wie hoch ist Ihr individueller Einsatz?
    Welche Tipps würden Sie anderen geben, die sich für eine erfolgreiche Community-Arbeit einsetzen möchten (weniger instrumentell als aus persönlichem Antrieb – z. B. weil sie ein besonderes Interesse an einem Thema haben)?

Abschließend möchte ich fünf Maßnahmen nennen, die aus meiner Sicht für eine erfolgreiche Community-Entwicklung entscheiden sind.

Erstens ist es wichtig, die Zielgruppe aktiv anzusprechen und mit der Zielgruppe kontinuierlich im Dialog zu bleiben. Eine gute Community entwickelt ihre Angebote nicht nur für sondern vor allem mit ihren Mitgliedern. Durch den regelmäßigen Dialog mit der Zielgruppe ist es viel einfacher, Schwachstellen früh zu erkennen und wertschaffende Angebote zu gestalten. Auch die inhaltlichen Schwerpunkte sollten gemeinsam mit der Zielgruppe bestimmt werden.

Zweitens ist es wichtig, eine kritische Masse zu gewinnen, die eine Community „mit Leben füllt“. Auch dieser Schritt wird durch eine intensive Kommunikation mit der Zielgruppe vollzogen. Es kommt darauf an, engagierte Repräsentanten der Zielgruppen zu gewinnen und als Moderatoren, Redakteure, Inputgeber, Betreuer, Content-Ersteller usw. einzubinden.

Drittens ist es wichtig, Möglichkeiten zur sozialen Vernetzung der Community-Mitglieder zu schaffen. Die Vernetzung der Community-Mitglieder untereinander ist entscheidend für das gemeinsame Agieren, den Vertrauensaufbau, die Entwicklung des Gemeinschaftsgefühls, den Wissensaustausch. Neben Moderation sind hier auch die technischen Funktionalitäten entscheidend, die nutzerfreundliche und individuelle Profilgestaltung, Kontaktaufnahme und Kommunikation ermöglichen.

Viertens ist es wichtig, Selbstorganisation zu fördern, u.a. Möglichkeiten zur Initiierung von Aktivitäten, Selbstorganisation und Verantwortungsübernahme zu schaffen. Eine wichtige Rolle der Community-Betreiber ist es, Anleitung zu geben und die Kommunikation zu moderieren. Durch die Eigeninitiative und Selbstorganisation der Mitglieder entstehen neue Inhalte, das vorhandene Angebot kann ausgebaut werden, die bestehende Themenfelder werden erweitert und neue Mitglieder gewonnen.

Fünftens ist es wichtig, Maßnahmen zur Nachhaltigkeitssicherung zu planen. Es ist hilfreich früh genug (auch kommerzielle) Verwertungsideen zu generieren, Nachhaltigkeitsmodelle zu entwickeln und ansatzweise zu überprüfen und somit eine nachhaltige Entwicklung der Online Community strategisch zu planen. Über die Nachhaltigkeit sollte man nicht erst am Ende eines Förderprojektes nachdenken, sondern z.B. die gewonnenen Erkenntnisse kontinuierlich nach dem Iterations-Prinzip zur Weiterentwicklung bzw. zur Anregung von neuen Entwicklungen zu verwenden.

Abschließend möchte ich auf weitere Ressourcen der Mediencommunity verweisen: http://www.slideshare.net/mediencommunity/presentations

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Film/Video 2.0 startet am 1.10.2011

Wer hilft uns, diese Kursankündigung viral in die entsprechenden Kreise zu tragen?! Angesichts der langen bürokratischen Ungewissheit, ob und wann der nächste „Kurs“ starten kann, waren wir etwas vorsichtig mit der Ankündigung. Es haben sich zwar schon einige Personen angemeldet, aber je mehr Teilnehmer/innen es werden, desto besser für alle Beteiligten – wegen der Heterogenität und kollektiven Intelligenz etc. pp. … 😉

Nun ist es amtlich: Der nächste (und letzte) eVideo-Kurs wird am 1. Oktober 2011 starten können. Thema ist „Film/Video 2.0“ und wir wickeln das Ganze in einem 8-wöchigen Kompakt-„Kurs“ ab. Wie bereits an anderer Stelle angemerkt, entspricht dieses „Lern-Adventure“ keinem klassischen Kurskonzept, sondern nähert sich sehr stark dem heutzutage erforderlichen dezentralen, konzentrierten Arbeiten an.

Kleiner Exkurs:
Soeben lief eine wunderbare Präsentation zu diesem sozialen Lernansatz über den Echtzeit-Stream, die sehr gut die neuen Anforderungen und Kompetenzen für moderne (auch kreative) Arbeit aufzeigt und die ich an dieser Stelle gleich einfügen möchte:

Entsprechend arbeiten wir in unseren Lernumgebungen, die wir in unseren „Kursen“ temporär schaffen. Für „Film/Video 2.0“ konnte ich wieder einige hochkarätige Fachexpert/innen gewinnen, die uns bei dieser kollaborativen Unternehmung unterstützen. Und die bislang eingetragenen TeilnehmerInnen lassen ein produktives wie innovatives Arbeitsumfeld erkennen. Insofern bin ich selbst als Vor-Lernerin schon sehr gespannt auf die nächsten Wochen – aber dennoch: Anmeldungen sind weiterhin möglich!

Wir freuen uns auf eine maximal heterogene TeilnehmerInnen-Schaft, die sich an den Grenzgebieten zwischen Medien, Kultur und Bildung bewegen. Eine formale Kursgebühr über 50 Euro sollte für alle Interessierten realisierbar sein.

Und von der angekündigten Stundenzahl bitte nicht abschrecken lassen – diese ist beim selbstorganisierten Lernen ja individuell skalierbar!

Nachgefragt beim EduCamp

Communities entstehen immer öfter in unterschiedlichen Bereichen zu ganz verschiedenen Themen. Auf der Suche nach einer Antwort, was Menschen in Communities treibt, haben wir bei Thomas Bernhardt nachgefragt, der sich beim EduCamp engagiert.

Was ist das EduCamp?
Das EduCamp ist ein themenspezifisches BarCamp zum Themenfeld Lehren und Lernen mit digitalen Medien. Als Barcamp – auch Unkonferenz genannt – bezeichnet man ein Veranstaltungsformat, das sich von klassischen Konferenzen mit vorab feststehender Tagesordnung abgrenzt. Zu Beginn eines EduCamp wird diese von den Teilnehmenden gemeinsam festgelegt, die sich anschließend in offener Atmosphäre über die Themen austauschen. Ziel der halbjährlich stattfindenden EduCamps ist damit insbesondere die Förderung des Austauschens zu aktuellen Themen und die Anregung zur Kooperation für neue Projekte.

Was meinen Sie: Kann man Ihre “Initiative” als Community oder als Community of Practice bezeichnen?
Ich würde die EduCamps als CoP bezeichnen.

Falls ja, welche Kriterien der “Initiative“ sprechen aus Ihrer persönlichen Sicht für die Bezeichnung als Community of Practice?
Bereits vor einem EduCamp kann man anhand der regen Diskussionen in den dafür bereitstehenden Foren erkennen, welches Engagement die einzelnen Mitglieder mitbringen, gemeinsame Themen und Projekte voranzutreiben. Die Mitglieder zeichnen sich außerdem durch ähnliche Aufgaben und Herausforderungen aus. Gemeinsam arbeiten sie an Lösungen, wie Bildung einer zunehmenden Digitalisierung gegenüberstehen sollte.

Würden Sie sagen, Ihre “Initiative” bedient ein gewisses Community-Bedürfnis der aktiven oder auch weniger aktiven “Mitglieder”?
Ich glaube schon. Wir haben einen Kern an Aktiven, die versuchen auf jedem EduCamp präsent zu sein, dort Beiträge zu leisten und versuchen darüberhinaus durch die Ausrichtung eines eigenen EduCamp der Community etwas zurückzugeben. Aber auch die weniger Aktiven fühlen sich aufgehoben und können sich so einbringen wie sie das für nötig halten.

Worin besteht Ihr spezielles Erfolgsgeheimnis? Was glauben Sie, ist Ihre spezielle “Rezeptur”?
Im April 2008 fand das erste EduCamp statt. Seit dem erfreut sich das EduCamp gleichbleibender Begeisterung, so dass im Abstand von 6 Monaten stets aus der Community heraus ein weiteres EduCamp organisiert wurde. Worin dieser Erfolg – wenn man das so bezeichnen kann – besteht, ist schwer zu sagen. Meiner Meinung nach ist das Thema noch so aktuell und das Veranstaltungsformat so passend, dass die Nachfrage danach einfach weiter existiert.

Können Sie einige Faktoren nennen, die dazu führen, dass Ihre Mitglieder/TeilnehmerInnen aktiv an der “Community” mitwirken?
Ich denke, ein wichtiger Faktor ist hierbei Transparenz und die Möglichkeit zur Teilhabe. Im Vorfeld der EduCamps findet daher z. B. eine offene Kommunikation über den Veranstaltungsort statt. Auch die Themen können vorab diskutiert und selbst bestimmt werden. Außerdem ist die regelmäßige Ansprache wichtig, um ein Zugehörigkeitsgefühl aufrecht zu halten.

Welche Faktoren treiben Ihre “Community” immer weiter voran?
Hier ist es wahrscheinlich die Kontinuität der EduCamps selber, die die Community „am Leben erhält“.

Gibt es in Ihrer Community bestimmte Initiatoren oder Mitglieder, die sich besonders engagieren, die bestimmte Rollen übernehmen oder Aufgaben ausführen, damit die Community lebendig bleibt?
Ja, klar. Ich sprach den „harten Kern“ bereits an, der sich nicht nur durch regelmäßige Teilnahme sondern auch durch die Unterstützung und Ausrichtung des EduCamp auszeichnet.

Wieviele Leute sind das schätzungsweise?
Wie in jeder Community gibt es eine kleine Gruppe an richtig Aktiven. Auch bei den EduCamps gibt es einen festen Kern von 15 – 20 Personen, die auch regelmäßig an den Veranstaltungen selbst teilnehmen. Aus dieser Gruppe hat sich Anfang des Jahres ein Verein gegründet, der nun das Rückgrat der Veranstaltungsreihe und der Community bildet.

Welche Eigenschaften dieser Personen sind besonders wichtig für die Aktivität in der “Community”?
Freiwillig ein gemeinsames Ziel verfolgen und damit Engagement für die gemeinsame Sache.

Braucht es aus Ihrer Sicht unterschiedliche RollenträgerInnen, um eine “Community” wie die Ihre erfolgreich zu gestalten?
Meiner Meinung nach nicht zwangsläufig. Aber es hat sich gezeigt, dass zentrale Ansprechpartner schon wichtig sind.

Welche Maßnahmen und Aktivitäten sind aus Ihrer persönlichen Sicht entscheidend, damit eine längerfristige Community entsteht und die Mitglieder gemeinsam aktiv bleiben?
Die Regelmäßigkeit an Aktivität. In unserem Fall die halbjährlich stattfindenden EduCamps. Sie beleben jedes Mal die Aktivität der Community. Auch ein Zuwachs an Mitgliedern ist dann stets zu verzeichnen.

Was machen Sie, um die Community aufrechtzuerhalten? Wie hoch ist Ihr individueller Einsatz?
Ich persönlich versuche immer wieder Freiwillige zu finden, die EduCamps bei sich vor Ort organisieren. Als Vereinsvorstand unterstütze ich diese Personen dann in allen Fragen zur Organisation. Da ich auch selbst bereits EduCamps organisiert habe, reicht mein Engagement von ein paar Mal pro Monat bis täglich.

Welche Tipps würden Sie anderen geben, die sich für eine erfolgreiche Community-Arbeit einsetzen möchten (weniger instrumentell als aus persönlichem Antrieb – z. B. weil sie ein besonderes Interesse an einem Thema haben)?
Einfach tun. Community gründen und dazu einladen. Wenn sich genügend Freiwillige finden und es ein für alle erstrebenswertes Gemeinsames Interesse gibt, wird die Community auch funktionieren.

[Gugel-Kolumne] Social TV

Fernsehen als soziales Erlebnis ist im offline Kontext eine Selbstverständlichkeit, der Watercooler-Effekt und die Lagerfeueratmosphäre werden zurecht immer wieder als Besonderheiten des Mediums zitiert. Ausgehend von diesen Phänomenen ergeben sich viele Anknüpfungspunkte um das TV-Erlebnis auch im Netz sozialer zu gestalten indem die vorhandenen Social Graphen genutzt werden und gleichzeitig neue Verbindungen hinzugefügt werden. Die Ansatzpunkte die sich diesem Problem widmen und zu Social TV im Netz führen lassen sich grob in vier Bereiche gliedern: Programmauswahl, Interaktivität, sozialer Kontext (aka Lagerfeuer) und Distribution.

Programmauswahl

Es gibt verschiedene Ansätze, die versuchen das TV-Programm relevanter für den Nutzer zu gestalten indem sie verschiedene Social Media Quellen integrieren. SocialGuide rankt Shows und Sendern nach den Social Media Interaktionen der Nutzer. Das Ergebnis sind Programmlisten, die nach Häufigkeit der Interaktion gerankt sind und so dem Nutzer einen anderen Zugang zum TV-Programm versprechen. Um dieses Ergebnis zu erhalten hat SocialGuide im Juli über 10 Millionen Kommentare zu TV-Shows auf den verschiedenen Plattformen wie Facebook und Twitter getrackt.

Einen personalisierten Ansatz verfolgt Clicker. Das von CBS für $50-100 Millionen gekaufte Startup nutzt Facebook Connect dazu seinen Nutzern TV-Inhalte zu empfehlen, die sich aus den Präferenzen der Freunde bedienen. Daraus entsteht ein personalisiertes TV-Programm für jeden Nutzer, das aus Internet und TV-Inhalten besteht. Ähnliche Ansätze verfolgen auch die VodPod-Macher mit ihrer iPad App ShowYou. In dieser App werden alle Videos, die Freunde auf Facebook, Twitter oder VodPod sharen zusammengefasst. Der Weg von dort hin zu einer sinnvollen Erweiterung um TV-Inhalte ist nicht mehr weit. Auch Boxee möchte die Programmauswahl mit seiner iPad App neu definieren und bietet deshalb ein sehr ähnliches Spektrum wie ShowYou.

Neben diesen Anwendungen könnte auch Facebook selbst sich in diesem Feld breitmachen, wenn die Bemühungen von Christian Hernandez Gallardo, Head of International Business Development bei Facebook, Früchte tragen:

We’ve talked to broadcasters about putting their whole EPG as events on Facebook, and letting people RSVP to them to get a reminder.

Die Ansätze zeigen, wie breit das Spektrum ist von Crowdsourcing über Personalisierung bis hin zur Aggregation von gesharten Inhalten bieten sich viele Möglichkeiten die Programmauswahl durch ein soziales Element neu zu gestalten.

Interaktivität

In dieser Kategorie ist die Integration von Social Web Elementen bereits am weitesten fortgeschritten. Twitter als Treiber ist mittlerweile aus dem Fernsehen nicht mehr wegzudenken, denn die Sender haben erkannt, dass sie über Twitter ihre live Programme gegenüber der ondemand Nutzung aufwerten können – Interaktion macht nur im live Szenario Sinn.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass viele Sender Hashtags ins Bild aufnehmen. Dies kann das Tweetvolumen um das zwei- bis zehnfache steigern. Des Weiteren haben die Sender Twitter als Quelle für Nutzermeinungen entdeckt und binden Tweets munter in Nachrichten und Shows ein. Damit die Sender mit Tweets nicht genauso umgehen, wie mit YouTube Videos, die mit Quelle: YouTube gesendet werden, hat Twitter Richtlinien erstellt. Darin wird erklärt, wie Tweets und Inhalte im Fernsehen korrekt eingebunden werden können.

Allerdings schießen manchmal die Redaktionen etwas über das Ziel hinaus. Jon Stewart zeigt in der Daily Show einige Stilblüten, die jeden daran erinnern sollten, dass Tweets im live Programm kein Selbstzweck sind.

Welche weiteren Startups und Entwicklungen es rund um interaktives Fernsehen gibt findet sich in diesem Artikel.

Sozialer Kontext

Wenn es darum geht im Netz die Lagerfeueratmosphäre für ondemand Inhalte herzustellen, wird es bereits schwieriger. Die Couch im Wohnzimmer mit ein paar Freunden lässt sich nicht ohne weiteres ins Netz verlagern – schon gar nicht immer dann wenn der Nutzer gerade Lust dazu hat. Nichtsdestotrotz gibt es einige Ansätze, die genau das versuchen.

Chill synchronisiert YouTube Videos, so dass mehrere Nutzer gleichzeitig dasselbe Video sehen. Dabei setzt das Startup auf ein ähnliches Prinzip wie Turntable.FM. Bei Chill können einzelne User den VJ in Lounges spielen und Videos von YouTube vorschlagen, die sie dann gemeinsam mit anderen ansehen und sich über einen Chat dazu austauschen. Zudem existieren ein einfaches Bewertungssystem und ein Kinosaal in dem die Nutzer abgestellt werden.

Einen Schritt weiter zur Couch geht Google mit Hangout. Dort können sich die Nutzer nicht nur spontan zu einer Videokonferenz zusammenschalten sondern über einen kleinen Umweg auch gemeinsam YouTube Videos und Livestreams ansehen. Einige Musiker haben bereits mit Hangout experimentiert um darüber Konzerte live zu streamen in dem die Nutzer das Signal einfach immer weiter verbreiten um so die Hangout-Grenze von 10 Teilnehmern zu umgehen. Wer daran teilnehmen möchte um es zu erleben findet auf Hangoutparty den nächsten Termin.

Hangout und Chill demonstrieren wie eine Lagerfeuerstimmung auch im Netz aufkommen könnte: entweder über Avatare oder über Videopräsenz lässt sich die Anwesenheit anderer Personen simulieren. Das deutlich interessantere an diesen Diensten ist jedoch, dass sie Adhoc Communities rund um den Inhalt schaffen, die nicht unbedingt an Freundesbeziehungen sondern viel mehr an den Inhalt geknüpft sind. Sie werten Inhalte allein dadurch auf, dass der Inhalt gleichzeitig von andere Zuschauern gesehen wird und dem Nutzer dies bewusst gemacht wird (ähnlich wie man eher ein gut besuchtes Restaurant auswählt als ein leeres).

Distribution

Wenn es um die Verbreitung von TV-Inhalten über Social Media geht sollte man eigentlich meinen, dass dies eine klare Angelegenheit ist. TV ist ein attraktiver emotionaler Inhalt mit dem Nutzer live Interagieren, die Verbreitung sollte also fast von allein vonstatten gehen. Trotzdem zeigt ein kurzer Vergleich von sozialen Interaktionen Rund um TV-Inhalte (mit Trendrr) und YouTube Videos (mit Unrulymedia) erstaunliches.

Die Top-YouTube Videos erzielen zum Teil eine bessere Reichweite in Social Networks als dies die TV-Inhalte tun. Vor allem Blogs und Facebook sind bei YouTube Videos deutlich stärker vertreten als bei den TV Shows. Natürlich ist es ein wenig Äpfel mit Birnen verglichen, ich bin jedoch der Meinung, dass TV-Shows hier deutlich unter ihrem Potential bleiben. Sie könnten, was die Distribution über Social Media anbelangt, eine deutlich breitere Verbreitung erreichen als sie es momentan tun. Allein die Tatsache, dass so gut wie kein Tweet über eine TV-Sendung auch einen Link zu dieser beinhaltet spricht Bände. Ein Tweet zu einem YouTube Video ohne Link zu YouTube ist hingegen undenkbar.

Das Problem könnte darin liegen, dass die TV-Inhalte nicht (einfach) verlinkbar oder die Inhalte zu fragmentiert sind. Worauf sollen die Nutzer verlinken? Auf die Programmankündigung, die Showseite oder doch lieber auf das eventuell vorhandene Video in der Mediathek?

Während es für die anderen Bereiche viele Startups gibt, die versuchen die Probleme zu lösen liegt der Ball bei der Distribution bei den Sendern. Doch die sind eher damit beschäftigt die Piraterie vor dem Aussterben zu bewahren indem sie wie Fox ihre Inhalte hinter Paywalls verstecken als zu versuchen ihre Inhalte möglichst weit zu verbreiten.

Social TV

Um das Fernseherlebnis im Netz wirklich sozial zu gestalten und sowohl den Watercooler Effekt als auch die Lagerfeueratmosphäre zu transportieren müssen die vier Bereiche zusammenarbeiten. Idealerweise hilft ein personalisierte Programmführer, den Nutzern bei der Auswahl der Inhalte. Während des Konsums wird der soziale Kontext durch die Simultanität hergestellt – auch wenn das Video ondemand gesehen wird – und natürlich können die Nutzer dabei mit anderen Zuschauern interagieren. Letztlich wird es spannend werden ob sich Plattformen wie Facebook, Google+ oder Twitter weiterentwickelt um alle diese Bedürfnisse zu befriedigen oder ob sich für jeden Bereich separate Lösungen etablieren werden, die lediglich Basisdaten von den großen Plattformen beziehen.

Der Supermarkt der Zukunft – Interview mit Gesche Roy

Gesche Roy arbeitet beim Innovative Retail Laboratory im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken an einer möglichen Umsetzung für den intelligenten Supermarkt der Zukunft.

Gesche Roy
Gesche Roy

Innovative Retail – was darf man sich darunter vorstellen?

Das Einkaufen der Zukunft. Einkaufen ist völlig alltäglich und da ist es doch naheliegend, dass neue Technologien wie Ubiquitous Computing und RFID auch das Einkaufen verändern werden.

Ubi… – was?

Ubiquitous Computing sind allgegenwärtige Computer. Mittlerweile hat jede Person mehrere Computer: PC, im Handy und noch einem im Auto oder am Fernseher/in der Spielkonsole. Wenn die alle vernetzt sind, verändert das unheimlich viel. Und es kommen mehr Computer dazu – in der Kaffeemaschine, in der Heizung des Eigenheims…

Durch die Vernetzung sollen Annehmlichkeiten bereitgestellt werden, wie zum Beispiel intelligente Häuser?

Genau. Wir konzentrieren uns auf den Supermarkt der Zukunft. Da hat zum Beispiel Dein Kühlschrank auch einen Computer und Internetanschluss. Du kannst die Prospekte des Supermarktes Deiner Wahl abrufen und eine Einkaufsliste zusammenstellen. Die schickst Du an Dein Handy. Damit kannst Du sie von überall vom Handy aus editieren. Oder diese Liste Deinen Freunden, die zur Grillparty eingeladen sind, freigeben. Wenn Du dann im Supermarkt bist, hast Du die aktuellste Version auf Deinem Handy bei Dir. Das überträgt die Liste an den Einkaufswagen – der hat auch nen Computer. Und so zeigt der Einkaufswagen Dir die Route zu den Produkten auf Deiner Liste.

Cloud und crowd in Echtzeit vernetzt immer in der Hosentasche, verstehe. Woher weiss denn der Einkaufswagen, wo er mit mir hin muss?

Der hat eine Karte des Supermarkts intus. Der Supermarkt hat z.B. RFID-Tags im Fussboden, so dass der Einkaufswagen weiss, wo er gerade steht. Da suchen wir aber noch nach anderen Lösungen, Indoor-Navigation ist frickelig.

Über GPS ja eher schlecht realisierbar, weil der Empfang nicht garantiert ist und vermutlich auch die Genauigkeit zu grob?

Genau. Aber es gibt verschiedene Anbieter mit verschiedenen Ideen – wir testen noch 🙂 Ganz gut klappt die Kombination mit den RFID-Tags und einer optischen Maus, die Bewegungen genauso erkennt als wäre sie am Computer angeschlossen.

Wie sieht denn überhaupt die Zusammenarbeit der für den Supermarkt der Zukunft vernetzten Computer aus? Ich kann mir gerade noch vorstellen, dass Daten von meinem Smartphone übermittelt werden. Über Bluetooth? Oder müsste ich das an den Einkaufswagen physisch anschliessen, über USB etwa?

Nein, physisch würde zu lange dauern und wäre zu umständlich. Bluetooth ist denkbar, ebenso NFC oder WLAN.

OK, der Einkaufswagen hat nun meine Liste. Was passiert dann?

Er zeigt die Liste an und Du wählst das Produkt aus, zu dem Du zuerst gehen möchtest. Der Einkaufswagen zeigt die Karte des Marktes und Deinen Weg an, so dass Du nicht ewig suchen musst.

Ich könnte dem Einkaufswagen auch sagen, er soll einfach die zeitsparendste Route auswählen?

Weil Du keine Zeit hast oder der Markt gleich schliesst. Wer aber lieber bummeln möchte, kann natürlich auch das tun 🙂

Wie reagiert denn der Einkaufswagen auf Abweichungen, ähnlich wie ein Navigationsgerät, das darauf besteht, dass eine Kehrtwende gemacht werden soll?

Nein, überhaupt nicht. Der Einkaufswagen spricht nicht, sondern hat ein kleines Display, auf dem der Weg angezeigt wird. Er zeigt dir eine alternative Route auf, ist aber völlig unaufdringlich. Man muss die Navigation natürlich auch nicht benutzen, sie kann abgestellt werden. Bei einem Produkt angekommen kann man es in den Einkaufswagen tun, der Einkaufswagen erkennt es und streicht es von Deiner Einkaufsliste.
Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob das Produkt das Richtige für Dich ist, kannst Du verschiedene Assistenz Systeme nutzen. Wir haben zum Beispiel einen digitalen Sommelier, einen Weinberater. Wenn Du eine Flasche aus dem Regal nimmst, stellt der Wein sich vor und sagt, zu welchen Gerichten er passt. Oder du hälst dein Handy vor eine Müslipackung, die wird erkannt und dann mit Deinem persönlichen Profil abgeglichen. Dein Handydisplay zeigt Dir dann, dass das Müsli Nüsse enthält, auf die Du aber allergisch bist. Das hat dann was von Augmented Reality.

Produktlupe
Die Produktlupe im Smartphone

Ich könnte also meine Einkaufsliste beispielsweise von einem Ernährungsberater oder Arzt checken oder nach einer bestimmten Diät zusammenstellen lassen. In diesem Bereich sind sicher etliche Zusatz-Services denkbar.

Wir haben auch eine App gemacht, die in die Richtung geht: Du gibst Größe, Gewicht, Allergien etc ein und die App kommentiert dann Produkte bzw Deinen Einkauf. Wenn du etwa abnehmen willst, warnt sie Dich vor Produkten, die zu viele Kalorien haben. Kaufen kannst du sie natürlich trotzdem 😉

Ich kann also Produkte kaufen, auch wenn sie nicht auf meiner Liste stehen. Was passiert denn im umgekehrten Fall: ein Produkt ist nicht vorrätig? Gibt es so eine Funktion wie das Verfolgen von Paketen bei der Post? Wo ich sehen kann, ob es vielleicht in den nächsten 5 Minuten nicht doch in’s Regal wandert?

Hmm, wir haben etwas gemacht, was das _könnte_, aber nicht tut.

Der Supermarkt könnte mir ja in diesem Fall einen Gratis-Kaffee anbieten.

Das stimmt, schöne Idee. Greifen wir mal auf.
Wir haben Produkte mit RFID-Tags versehen, auf denen ein Produktgedächtnis gespeichert ist. Die Produkte führen dann sozusagen Tagebuch. Und Du kannst im Supermarkt, aber auch am heimischen Kühlschrank Lagerung und Transport des Produktes nachverfolgen. Wir haben das so gemacht, dass Du das erst kannst, wenn Du das Produkt physisch hast. Aber es wäre natürlich denkbar, das auch zwischendurch einsehbar zu machen. Was sich dann aber eher für Paletten lohnen würde.
Bei unserem digitalen Produktgedächtnis geht es darum, nachverfolgen zu können, ob haargenau diese eine bestimmte Flasche Sekt. die Du willst auf der Fahrt durchgeschüttelt wurde. Oder ob diese Pizza wirklich während der kompletten Lieferkette tiefgefroren war.

Es geht also beim Supermarkt der Zukunft nicht nur um luxuriöse Annehmlichkeiten oder rationale Aspekte wie Zeitersparnis, sondern auch darum, die Produktqualität zu erhöhen?

Das klingt jetzt ein bisschen nach Werbung, aber unser Hauptsponsor ist Globus. Die sind nicht für niedrige Preise bekannt, sondern für ihre Kundenzufriedenheit. Und das ist quasi auch unser Auftrag, die Kundenzufriedenheit zu verbessern.

Globus wäre also einer der ersten Anbieter, die ihren Kunden so ein System zur Verfügung stellen würden?

Das kann man so nicht sagen. Sie sind einer der wenigen Konzerne, die daran forschen lassen. Viele der Technologien, die wir testen, sind noch sehr teuer. Viele Sachen brauchen also noch ein paar Jahre, bis sie eingeführt werden. Eines unserer Exponate kann man aber schon in einem Globus Markt ausprobieren. Das ist eine Navigation im Markt. Globus Märkte sind Hypermärkte, also Vollsortimenter mit gerne 60 000 Produkten und mehreren 100 qm Verkaufsfläche. Darum haben wir den Artikelfinder im Globus Saarbrücken-Güdingen installiert. Das ist ein Touscreen. Man kann über eine virtuelle Tastatur ein gewünschtes Produkt eingeben oder sich durch die Warenhierarchie (also etwa: Backwaren-> Kuchen -> Schokokuchen) klicken. Daneben wird eine Karte auf dem Bildschirm angezeigt, auf der der eigene Standpunkt und der Standort des Produkts angezeigt werden. Ausserdem auch die Regalnummer, weil Globus eben mit deutlich lesbaren Regalnummern arbeitet. Und dann weiß man wo das gesuchte Produkt ist und kann dahin laufen.

Was passiert denn, wenn die Regale mal umgebaut werden und die aktuellen Nummern vertauscht werden oder einfach nur die Aktualisierung vergessen wird?

In genau diesem Globus Markt wird erst mal für sehr lange nichts mehr umgebaut, das ist aber eine Eigenart dieses Marktes. Kunden mögen es nämlich nicht, wenn umgebaut wird.
Tatsächlich kann sowas quasi nicht vergessen werden, weil unser Artikelfinder direkt an die Warenwirtschaft des Marktes angeschlossen und dadurch immer aktuell ist.

Das ist natürlich ein gutes Argument gegen Umsortierungen. Andererseits würde es mir als Kundin der Zukunft durchaus imponieren, wenn die Produktanordnung nicht mehr wie bisher nach bestimmten Warengruppen erfolgt, sondern immer aktuell nach den meistkombinierten Produkten, so dass ein möglichst kurzer Einkaufsweg entsteht.

Grundsätzlich eine schöne Idee, tatsächlich aber kaum umsetzbar, weil jedeR anders einkauft, Produkte anders kombiniert. Und man kann ja nicht für jeden Kunden den Markt umbauen.

Da liessen sich doch sicher Kombinationsprofile erstellen nach bestimmten Typen. Ich stelle mir vor, dass es so 3-4 Grundtypen geben kann, die dann nach links, schräg-links, schräg-rechts oder rechts geschickt werden.

Hmm, ich finde das immer noch schwierig und glaube auch, dass das höchstens nur für kleine Märkte funktioniert. Für einen Hypermarkt würde das nicht so gut klappen, weil Du zu viele Produkte hast, die Du theoretisch zusammen mit anderen kaufst, aber eben nur selten brauchst.

Mehrfache Produktplatzierungen wären ja nicht schlimm, denn der Supermarkt weiss ja, wo ich in welcher Kombination hin will. Es ist also nicht nur der Supermarkt selbst und dessen Logistik, die sich in Zukunft ändern werden. Auch die Kunden werden anderes Verhalten in der Interaktion mit den intelligenten Systemen entwickeln.

Genau so. Es ist eben auch erwartbar, dass Digital Natives an einen Supermarkt und seine IT ganz andere Ansprüche stellen werden, als das viele Kunden heute tun.

Ich könnte mir vorstellen, dass so ein System auch hilfreich ist bei Lebensmittelskandalen. Es lassen sich sicher betroffene Produkte schneller aus dem Verkehr ziehen beziehungsweise kann ich als Kundin auch schneller gewarnt werden. Beispielsweise gerade die Packung Fleisch von diesem Hersteller mit diesem Abpackungsdatum nicht zu kaufen.

Ausserdem kann man sehr schnell nachvollziehen, wer das verdorbene Produkt hergestellt, geliefert, gelagert hat. Und auch alle, die sich bevorratet haben, können zuhause am Kühlschrank nachschauen, ob sie etwas von der betroffenen Marge gekauft haben.

Könnte es da nicht eine automatische Warnung geben, die sich selbst über das Netz aktualisiert?

Im Prinzip ja, aber dann musst Du zulassen, dass eine Stelle ausserhalb Deines Hauses und ausserhalb Deines Einflussbereichs erfährt, welche Produkte Du hast. Sowas vermeiden wir eher aus Datenschutzgründen.

Wie sieht es denn mit den Bezahlvorgängen in Zukunft aus? Wäre es denkbar, dass es Kassen gibt, die nicht mehr personell besetzt sind, sondern nur noch aus einer Lichtschranke bestehen, bei deren Passierung automatisch bezahlt wird?

Ja, das wäre denkbar, kommt aber nicht so gut an. Wir haben immer noch eine Person an der Kasse, bei der man bezahlen kann und an die man sich bei Problemen mit der Technik wenden kann. Wir haben aber auch eben solche Gates, die alle Produkte im Einkaufswagene erkennen, ohne dass Du die aufs Band legen musst.
Bezahlmethoden haben wir verschiedene. NFC – sowohl im Smartphone als auch in Autoschlüsseln. Fingerabdruck und alles, was man so kennt 🙂

Auch QR-Codes? Etwa verbunden mit einer App ähnlich wie der von Starbucks?

Wir haben QR-Codes auf den Einkausfzetteln. Scannt man die ein, hat man den kompletten Einkaufszettel auf dem Handy – digital und durchsuchbar. Wir haben natürlich auch Apps, die QR-Codes lesen und Infos zu Produkten ausgeben.

Gibt es eine Prognose, bis wann sich der intelligente Supermarkt der Zukunft in der Breite etablieren wird, also eine Selbstverständlichkeit wird, ohne die wir gar nicht mehr leben wollen oder können?

Sehr schwer zu sagen, weil natürlich nicht klar ist, welche Technologien sich durchsetzen werden. Aber in 5 bis 10 Jahren dürften wir da deutlich schlauer sein 🙂

Artikelfinder

Ausser in dem bereits erwähnten Prototyp-Supermarkt in Saarbrücken: gibt es andere Möglichkeiten, dieses Stück technologischer Zukunft irgendwo anfassbar zu erfahren?

Also alles zusammen kann man nach Anmeldung jederzeit unser Labor in St. Wendel besuchen und ausprobieren. Der Artikelfinder steht in Saarbrücken Güdingen und kann da zu den Öffnungszeiten des Marktes genutzt werden.

Kontakt kann man über die Website aufnehmen?

Über http://www.innovative-retail.de/kontakt. Wir nutzen aber auch Twitter und Youtube als Kontaktmöglichkeit.

Wir werden wohl in Zukunft nicht nur technologisch bedingt anders Einkaufen – ich schätze, dass auch Ladendiebe andere Fertigkeiten entwickeln werden. Vielen Dank für das Interview.

Danke Dir. Gern Geschehen.

Film/Video 2.0 – ein kompaktes Lern-Adventure

Sorry für Crossposting zu edufuture.net

Die Zeichen verhärten sich: Im Herbst kann voraussichtlich der sechste (und damit wirklich letzte) eVideo-Kurs als 8-wöchiger Kompaktkurs starten. Als Thema haben wir „Film/Video 2.0“ gesetzt und dafür ein straffes wie spannendes Programm zusammengestellt. Entlang des gesamten Entstehungs- und Vermarktungsprozesses sollen filmische Produktionen gleich welcher Art mit Blick auf die Verwerfungen durch das sog. Web 2.0 untersucht werden.

Dazu laden wir -wie gehabt- jede Menge interessanter Fachexpert/innen ein, die uns zu den einzelnen Schritten wichtige Hintergrund-Informationen liefern können. Die Expert/innen werden über Storytelling ebenso sprechen, wie über kreative Film-Finanzierungs- und Film-Marketing-Modelle oder den Produktions- und Distributionsprozess. Parallel werden wir erstmals mit der im letzten Jahr von einigen meiner Studierenden entwickelten, agilen Lernumgebung arbeiten (AgileLearn lautet derzeit der Arbeitstitel). Hier lassen sich einerseits MitstreiterInnen für persönliche Herausforderungen finden und andererseits die auf händelbare To-Dos herunter gebrochenen Missionen gemeinsam angehen.

Wie die Sprache bereits suggeriert: Kombiniert mit spielerischen Elementen versuchen wir den von mir vorgestellten Game based Flow-Ansatz ggf. mit Leben zu füllen. Damit soll -idealer Weise- eine Basis geschaffen werden, die die einzelnen Beteiligten auch weiterhin durch ihren lebenslangen Lernprozess (nicht gähnen!) trägt.

Mit anderen Worten: Dieses „Lern-Adventure“ wird kompakt, intensiv und agil vonstatten gehen. Parallel werden regelmäßige persönliche Treffen oder Workshops im IRL angeboten und natürlich nutzen wir die diversen Social Networking-Sites. Mein persönliches Lernziel wird sein, endlich Google Plus in meinen Workaround sinnvoll einzubinden – und v.a. den Mehrwert für qualitative Gruppen-Arbeit zu erfahren. Vielleicht werde ich mich auch an ein filmisches Kleinst-Experiment heranwagen – mit Tools, die ich bislang noch nicht benutzte. Mal sehen, ob über den Kurs eine passende inhaltliche Idee heranreift …

In diesem Sinne: Wer Zeit und Interesse hat, sich an dieser spaßigen Eventreihe zu beteiligen und auch etwas intrinsische Motivation mitbringt, die/der sei eingeladen, sich vormerken zu lassen über das Anmeldeformular der HTW Berlin. Förderungsbedingt sind leider nur BerlinerInnen zugelassen. Eile scheint geboten, da sich über die letzten Wochen bereits einige InteressentInnen auf die Liste haben setzen lassen …

Weitere Infos unter http://evideo.htw-berlin.de/weblog/evideo-20

Nachgefragt bei VroniPlag

Communities entstehen immer öfter in unterschiedlichen Bereichen zu ganz verschiedenen Themen. Auf der Suche nach einer Antwort, was Menschen in Communities treibt, haben wir bei Frau Prof. Dr. Debora Weber-Wulff angefragt, die sich bei dem VroniPlag-Wiki engagiert.

Was ist VroniPlag?
VroniPlag ist eine loser Zusammenschluß von Menschen, die kollaborative Plagiatsdokumentation betreiben. Sie haben das Ziel, Plagiate in Doktorarbeiten zu dokumentieren und informieren die Universitäten und die Öffentlichkeit, wenn Plagiat auf mehr als 10% der Seiten eines Werks erscheint.

Debora Weber-Wulff: Ich habe im Chat dasselbe gefragt, eine Antwort:
„Also ich finde, wir sind ein Sauhaufen mit einem coolen Wiki. Anders kann ich mir manche Dinge hier nicht erklären.“

Was meinen Sie: Kann man Ihre “Initiative” als Community oder als Community of Practice bezeichnen?
Auf jeden Fall eine Community of Practice.

Falls ja, welche Kriterien der “Initiative“ sprechen aus Ihrer persönlichen Sicht für die Bezeichnung als Community of Practice?
Wir haben gelernt, wie wir Plagiate dokumentieren, so dass es nach aussen hin verstehbar ist und so, dass Bilder automatisch generiert werden können. Wir diskutieren immer weiter bei neuen Fällen, wo die Grenzen sind, ob dieses so oder so zu werten ist. Wir haben unsere Quality Control auch immer wieder überarbeitet („workflow“), damit unsere Ergebnisse einer sehr kritischen Prüfung stand halten.

Würden Sie sagen, Ihre “Initiative” bedient ein gewisses Community-Bedürfnis der aktiven oder auch weniger aktiven “Mitglieder”?
Auf jeden Fall!

Worin besteht Ihr spezielles Erfolgsgeheimnis? Was glauben Sie, ist Ihre spezielle “Rezeptur”?
Leute kommen aus Neugier, oder weil sie mitmachen wollen an einer bestimmten Arbeit. Die Atmosphäre ist sehr freundlich und höflich, teilweise sehr lustig, von dem einen oder anderen Troll abgesehen.

Können Sie einige Faktoren nennen, die dazu führen, dass Ihre Mitglieder/TeilnehmerInnen aktiv an der “Community” mitwirken?
Keine Ahnung.

Welche Faktoren treiben Ihre “Community” immer weiter voran?
Dass wir immer noch eine Doktorarbeit finden, die einfach zu fragmentieren ist (wie wir es nennen). Und die Leute ärgern sich darüber, dass so jemand mit Doktortitel herumläuft.

Gibt es in Ihrer Community bestimmte Initiatoren oder Mitglieder, die sich besonders engagieren, die bestimmte Rollen übernehmen oder Aufgaben ausführen, damit die Community lebendig bleibt?
Auf jeden Fall.

Wieviele Leute sind das schätzungsweise?
Es sind um die 20 „Admins“, die unterschiedliche Rollen einnehmen, teilweise für unterschiedliche Teilprojekte (= Doktorarbeiten) andere Rollen übernehmen.

Welche Eigenschaften dieser Personen sind besonders wichtig für die Aktivität in der “Community”?
Sorgfalt, Freundlichkeit und etwas Besessenheit.

Braucht es aus Ihrer Sicht unterschiedliche RollenträgerInnen, um eine “Community” wie die Ihre erfolgreich zu gestalten?
Ja – und vor allem keinen „Bestimmer“, der allen sagt, was zu tun ist.

Welche Maßnahmen und Aktivitäten sind aus Ihrer persönlichen Sicht entscheidend, damit eine längerfristige Community entsteht und die Mitglieder gemeinsam aktiv bleiben?
Keine Ahnung.

Was machen Sie, um die Community aufrechtzuerhalten? Wie hoch ist Ihr individueller Einsatz?
Im Moment verbringe ich zu viel Zeit im Chat – aber es ist schon ganz nett da. Man redet über vieles andere als nur Plagiate.

Welche Tipps würden Sie anderen geben, die sich für eine erfolgreiche Community-Arbeit einsetzen möchten (weniger instrumentell als aus persönlichem Antrieb – z. B. weil sie ein besonderes Interesse an einem Thema haben)?
Sorry, ich habe da kein Patentrezept. VroniPlag funktioniert im Moment, trotz breiter Diskussion über unsere Arbeit unter Pseudonym.

Wir telefonieren auch mal miteinander, manche haben sich schon im IRL getroffen, das ist schon sehr lustig.

Wir haben keine Pläne, wie es weiter geht, das geht von Tag zu Tag.